Die berühmte Breite Seite Sinsheim auf Tour. Die Willkommens-Kul-Tour in Musik, Wort und Tat. Heute am 8. Juli 2016 bei “ Lesen in der Lutherstrasse “ in Heidelberg Neuenheim.

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Dieser Auftritt mit den Djemben-Gambianern war von den Veranstaltern gefürchtet. Die Besucher der um den Marktplatz herum liegenden Cafés könnten durch das laute Trommeln gestört werden. Also lieber ein bisschen leiser und ein bisschen kürzer.
Das ist nun genau gar nicht das Programm dieser jungen begnadeten Musiker, die erst nach 60 Minuten richtig zu ihrer Höchstform auflaufen.
Damit dies an diesem Nachmittag trotzdem geschehen kann, sorgte Michael Schneider dafür, dass die Ankunft um 15:15 Uhr stattfand. Offizieller Beginn: 16 Uhr.
So gelang es uns, insgesamt eine einstündige Performance zu bieten.
Wir verraten hier gleich das Ende: Niemand ist weggelaufen, am Ende gab es grossen Dank der zufrieden-erleichterten Veranstalter.

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Was gelang noch?
Die Willkommens-Kul-Tour dieser Flüchtlinge bereichert unser Leben. Sie schenken uns etwas von dem wir “ Deutschen “ noch nicht einmal träumen. Die Kraft des natürlichen Impetus müssen sie nicht erst in der Musikschule mühsam erlernen. Sie kommen damit auf die Welt. Wenn sie 20 Jahre alt sind, dann haben sie 20 Jahre Musik gemacht.
Sie haben keine Vision – sie leben sie, sie sind es selbst.
Das ist die Herausforderung für uns deutsche Gastgeber: wollen wir die drögen Deutschen sein – oder noch schlimmer: bleiben? – die als Erben des verblödeten reinrassigen Denkens der Nazis dies latent weiter zelebrieren wollen?

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Carl Zuckmayer: Des Teufels General.
Hier klärt General Harass einen deutschen Offizier darüber auf was Deutsch ist:
Deutsch ist die Mischung aller Völker die einstmals durch Germanien gezogen sind: Römer, Vikinger, Hunnen, die Inder…………!
Alle sind hiergeblieben und haben sich hier mit den Germanen vermischt.
Das ist deutsch.
Mein Gott, sind die Nazis blöd gewesen. Mein Gott, wie blöd ist die deutsche Bundesregierung?
Ein wichtiger Satz von Psychologen: Da wo die Angst ist, da geht es lang.
Wollen wir uns weiter entwickeln oder uns doch lieber für einen Deutschen mentalen Inzest entscheiden? Die Weichen sind faktisch schon gestellt, nur unser Denken kommt da nicht mit.
Eine braune Sosse gibt es billig in der Maggi Tüte. À la Siebeck braucht es etwas mehr Verstand und Geduld.

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Astor Piazzollas “ Tangosensations “ werden in Heidelberg aufgeführt. Bandoneon und Streichquartett sind das Thema dieses Querklang Konzertes.

15. Juli 2016 um 20 Uhr: Ein neuer “ Querklang am Berghang “ steht bevor. Fünf Musiker – ein Bandoneon und ein Streichquartett – erfüllen sich einen Traum. Träumen Sie mit in die Welt des Tango, die auch an diesem Abend fast so original ist wie in Buenos Aires. Norbert Kotzan hat dort mehrmals Jahre verbracht um die verpasste Tango-Muttermilch nachzuholen. Er hat es geschafft. Dieses Projekt, die Tangosensations von Astor Piazzolla haben den Weg für diesen wiederum ganz besonderen Abend möglich gemacht.

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Wundern Sie sich gerade ? Das ist nicht Norbert Kotzan auf dem Bild, das ist Michael Schneider. Aufgenommen am 29.April 2016 bei seinem Akkordeon Debut im Querklang Konzert mit arkestra convolt, Dorle Ferber, Paulina Tyszka, Sora Park, Aly Moraly und Uli Kieckbusch.

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Breite Seite Nummer drei in Sinsheim: der Ausverkauf beginnt. Einige meiner Djemben-Gambianer haben ihre “ Abschiebe-Bescheide “ bekommen. Die Anwälte des DRK erheben Einspruch. Die “ Musik “ hofft auf Unentbehrlichkeit durch soziale Integration.

“ Wer über gewisse Dinge nicht den Verstand verliert, der hat keinen zu verlieren. “
Gotthold Ephraim Lessing.

Die Grenze der DDR war ca 850 Kilometer lang. Wieviele Grenzkilometer hat unser freies Europa heute ? Stacheldrahtzaun ? Neuer Profit für neue Startup Profiteure, die von unserer Bundesregierung gesponsert werden ?
Die Menschlichkeit wird von den Netzwerken des Profits dem Untergang geweiht. Sollen sie doch ertrinken wenn sie über das Wasser flüchten wollen. ( Nach der Logik deutscher Verwaltungen müsste ihnen jetzt ein Bussgeldbescheid zugehen mit dem ungefähren Wortlaut: Hätten sie sich an die Regeln gehalten, dann wäre ihnen das nicht passiert. Darum können wir ihnen diesen Bescheid nicht erlassen. )
Wir verkaufen unsere Panzer weiter an Diktatoren. Wir brauchen unseren Reichtum damit wir nie wieder zu Flüchtlingen werden. Wir kennen uns aus, vor 70 Jahren waren wir selber dran. Also, nicht ich, aber meine Eltern und Grosseltern. Oder die Juden: die wollten viele Länder auch nicht haben. Das wollen wir nicht erleben. Also : wir sind sorgfältiger als die DDR: wir haben Frontex.
Das ist mein menschliches Terror-Wort: Front und Ex. Hauptsache viele Panzer und Waffen verkaufen.
Aber nicht darüber reden.
Während Michael Schneider gerade darüber schreibt, kommt in Spiegel Online die Mitteilung, dass die Bundesregierung gleich zehn Projekte zum Export von deutschen Waffen in die Golfregion und den Nahen Osten genehmigt hat.
Für Michael Schneider macht so gesehen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung einen Sinn. Wenn wir den Diktatoren dieser Welt Spielzeug verkaufen, dann geht es schliesslich nicht an, dass wir ihnen gleichzeitig das Kanonenfutter wegnehmen. Also wird inzwischen an dem längsten Zaun der Welt gearbeitet, damit sich die Opfer nicht bei uns verstecken können. Der Schutzzaun an Europas Grenzen erinnert mich sehr an das Wort “ Schutzhaft “ der Nazis. Nur will man uns einreden, dass wir, die Europäer die Schutzbefohlenen sind.

Zu den “ Menschenrechten “ gehört auch das Folterverbot. Aber die Deutsche Bundesregierung will ( oder hat schon ? ) Länder in denen gefoltert wird zu sicheren Herkunftsländern erklären. Genauso gut kann die Deutsche Bundesregierung dabei bleiben, dass der Völkermord an den Herero kein Völkermord war. Alle wissen, dass nicht wahr ist, was da behauptet wird, nur unsere Regierenden führen sich hemmungslos ignorant auf.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Vorwort von Juli Zeh. ( Wiedergabe mit persönlicher Erlaubnis der Autorin )
Mit den Menschenrechten ist es eine komische Sache. Ähnlich wie bei den zehn Geboten meint jeder zu wissen was drin steht. Soll er sie aber zitieren kommt er zu seiner eigenen Überraschung nicht über die ersten Artikel hinaus. Naja das mit der Würde, dann Gleichheit, Leben, Freiheit, vielleicht noch Sklaverei und Folterverbot. Danach, seien wir ehrlich, wird’s dünn.
Aber die Menschenrechte sind ein ganz besonderer Text, sie sind eine Botschaft, die die Menschheit an sich selbst geschrieben hat und möglicherweise die einzige Botschaft der Welt bei der es nichts ausmacht wenn niemand ihren Inhalt kennt. Egal wo wir sie aufschlagen, hinein blättern und zu lesen beginnen, wir können uns darauf verlassen mit dem Gelesenen einverstanden zu sein. Ausgeschlossen dass wir denken wollten, ich lehne es ab das Eigentum zu schützen. Oder, meiner Meinung nach ist die Redefreiheit eine schlechte Idee. Es geht schon längst nicht mehr darum die Menschenrechte gut oder schlecht zu finden. Sie sind gut, scheint uns. Ja sie sind gewissermaßen ein Ausdruck des Guten an sich. Man kann ihre unzureichende Umsetzung kritisieren, die Tatsache dass sie bis heute unverbindlich und nirgendwo einklagbar sind.
Aber ich habe noch nie jemanden getroffen der den Wert und die Richtigkeit ihres Inhalts bestreitet. Ist es nicht phänomenal: ein zehnseitiger Text und alles was er enthält ist wahr und trifft zu ? Jeder Schriftsteller müsste die Vereinten Nationen um ihr Werk beneiden. Solche Worte sage ich mit ambivalenter Ironie. Auf der einen Seite verblüfft es mich tatsächlich ganz ironiefrei und im positiven Sinn, dass in einer Gesellschaft die gern mit Begriffen wie Werteverlust, Orientierungslosigkeit oder gar Amoralität belegt wird, in Wahrheit ein Konsens von nie da gewesener Breite über die Grundvorstellungen vom Guten und Wünschenswerten existiert.
Auf der anderen Seite aber birgt die fast schon kindlich naive Überzeugtheit vom Sinn und Nutzen der Menschenrechte eine nicht unerhebliche Gefahr für ihre Wirkung. Dabei will ich an dieser Stelle nicht davon sprechen ob und in wie weit die Idee universeller Rechte für die internationale Interessenpolitik instrumentalisiert wird. Auch nicht darüber ob Universalität überhaupt mehr sein kann ist eine Fiktion angesichts des westlich-europäischen Hintergrunds der in der Uno-Erklärung enthaltenen Gedanken. Ebenso wichtig wie solche Fragen der großen Politik ist der Blick auf die persönlichen Wertvorstellungen und Grundsätze jedes einzelnen von uns. Hier nämlich führt die oben erwähnte Überzeugtheit zu einem unangenehmen Mangel an Distanz. Mit Menschenrechtsverletzungen ist es anscheinend wie mit Bildern auf großen Plakatwänden. Man erkennt sie immer nur von der anderen Straßenseite aus, undenkbar, in Deutschland könnte mit dem Menschenrechtsverständnis, abgesehen vielleicht von klitzekleinen Kleinigkeiten etwas nicht in Ordnung sein. Jedes Land meint es habe die Forderungen des Uno Papiers vortrefflich erfüllt. Während anderswo leider leider noch immer erhebliche Defizite bestünden. Behauptet die Türkei oder China, im eigenen Haus steht es mit Freiheit Gleichheit und Würde zum Allerbesten, verziehen wir höhnisch den Mund. Um gleich darauf zu verkünden, in Deutschland seien Menschenrechtsverletzungen natürlich völlig unmöglich und das kommt uns noch nicht einmal komisch vor. So ist das mit dem Glauben, ob an die zehn Gebote oder an die hehren Ideale der Uno.
Er ist stark, schön und gut für die Seele aber er ist nicht in der Königspfad zu Gerechtigkeit und notwendiger Selbstkritik. Bürgerrechtler in Deutschland und anderen Ländern der westlichen Hemisphäre warnen seit Beginn des Anti Terror Kampfes davor, die Errungenschaften eines langen Freiheitskampfes aufgrund panischer  Sicherheitsbedürfnisse leichtfertig aufzugeben. Solche Menschenrechts Unken erklärt man gern für hysterisch, so schlimm sei es ja noch nicht, oder für blind. Der Ernst der Lage dürfe nicht verkannt werden. Rasterfahndungen, staatliche Zugriffe auf private Konten, erweiterte Abhörbefugnisse und die Registrierung unverdächtiger Bürger mithilfe von Fingerabdrücken sind Praktiken, die uns vor kurzem noch als Paradebeispiele von Menschenrechtsverdächtigem staatlichen Handeln erschienen wären.
Heute aber gelten derartige Maßnahmen als notwendig. Während die Bilder von Misshandlungen im Gefängnis von Abu Gareib für Entsetzen sorgen, diskutieren gleichzeitig anerkannte deutsche Juristen in anerkannten Fachzeitungen über die Frage, ob Foltermethoden gegenüber bestimmten Delinquenten nicht gerechtfertigt sein sollten.
Man muss nicht weit schauen, nicht einmal bis auf die andere Straßenseite um zu erkennen, dass sich auch in unserem Land einen bedenklicher Bewusstseinswandel breit macht. Auf einmal wird immer öfter die schlecht verkleidete Frage gestellt, ob man sich individuelle Freiheitsrechte angesichts von Terror, Wirtschaftskrise und sozialer Bedrohung noch leisten könne. Plötzlich sind Menschenrechte ein Schönwettervergnügen denen man getrost in Friedenszeiten fröhnen kann. Sobald aber ein Konflikt auftaucht, ein Sicherheitsproblem, das zu Recht oder zu Unrecht als schwerwiegend empfunden wird scheint es wichtigeres zu geben. Dann soll pragmatisches Handeln sich durchsetzen gegen die Ansichten realitätsfremder Idealisten. Wer so denkt hat überhaupt nichts verstanden. Menschenrechte sind keine Luxusspielzeuge für verwöhnte Wohlstands Kinder.
Sie sind keine nette flüchtige Idee, die es im Ernstfall dem realpolitisch Eigentlichen unterzuordnen gilt.
Sie sind über hunderte von Jahren gewachsen, ein Ausdruck einer epochelangen Geistesgeschichte die uns an den glücklichen Punkt gebracht hat, an dem wir heute stehen.
Die Rechte des Einzelnen wurden einer, in großen Teilen blutigen Geschichte abgerungen und die sind alle Lernerfolg aus schlechten Erfahrungen mit überbordender staatlicher Macht. Das Vertrauen in ihre bedingungslose Einhaltung ist im Grunde ein gutes Zeichen, ein Ausdruck von Treue zum eigenen Land und seiner Demokratie. Es darf aber nicht dazu führen den einmal erreichten Standard für selbstverständlich zu halten. Aus dem Gefühl von Selbstverständlichkeit wird schnell Gleichgültigkeit. Und schließlich Erstaunen darüber, unbemerkt verloren zu haben, was man doch sicher glaubte. Wer sich also beim Hören der nachfolgenden Artikel bei dem Gedanken ertappt, das sei ja alles schön und gut, aber : der soll sofort innehalten und sich auf das Wesentliche besinnen. Wirklich schön und richtig gut gibt es nur ohne aber.

Sinsheim, die Breite Seite Nummer drei, das internationale Frühstück und wie eine liebevolle Willkommenskul-Tour aussehen kann.

Breite Seite on Tour – das sind alle aktiven Flüchtlinge die sich musikalisch betätigen und damit auch öffentlich ihren Dank aktiv zeigen. Schon bei einem Konzert für die Flüchtlinge in der Breiten Seite erfuhr Michael Schneider, dass es neben der Faszination Djemben-Ensemble unter ihnen auch viele begnadete Tänzer gibt:

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Das 11. internationale Frühstück in Sinsheim am 5. Juni 2016: “ Breite Seite on Tour “ mit den Djemben-Gambianern.

In drei Monaten haben Andrea Schmedes vom DRK Rhein Neckar und Michael Schneider die Djemben Truppe der Gambianer mit neun professionellen Instrumenten ausgestattet. Vier Instrumente wurden dauerhaft gespendet, drei privat vorfinanziert bis die benötigten Spendengelder da sind. Damit wurde ein voller Juli mit vielen öffentlichen Auftritten in Heidelberg und dem Rhein Neckar Raum möglich.
Den Anfang machte der fünfte Juni mit dem internationalen Frühstück in Sinsheim.
Hier einige optische Eindrücke.
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Lyrik-kontra-Bass ! Stefan Hölscher und Michael Schneider mit ihrem neuen Programm: komische Gedichte von Morgenstern, Ringelnatz, Gernhardt und Hölscher am 1. Juli 2016 in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach.

Stefan Hölscher, studierter Philosoph, Literaturwissenschaftler und Psychologe (Dr. phil., Dipl.-Psych., M.A.), hat eine berufliche Doppelexistenz: er arbeitet als Managementberater, Trainer, Coach und ist Geschäftsführender Gesellschafter der Metrion Management Consulting, Frankfurt a.M. Gleichzeitig ist er als Autor, Lyriker und Sprecher tätig. Er ist Verfasser zahlreicher Bücher und Beiträge. Seine Gedichte kreisen um existenzielle, politische, alltägliche und queer-erotische Themen. Sie verwenden klassisch gefügte ebenso wie experimentell freie Formen; sie erweisen sich als poetisch-philosophische Reflexion oder einfach als Spiel mit Bildern, Worten und Lauten. Statt mit erwartungsbestätigender Familienähnlichkeit zeigen sie sich mit eigensinniger Verschiedenartigkeit. Immer aber suchen sie die Verbindung mit der Musik.
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Michael Schneider, Kontrabassist und Cellist, war Solobassist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg und Mitbegründer des Weltmusik Ensembles „arkestra convolt“. Daneben widmet er sich als Solist wie im Ensemble der Verbreitung zeitgenössischer Musik und spielt Uraufführungen von Gegenwartskomponisten wie Olga Magidenko, David Loeb, Martin Georgiev und Maria Panayotova. Sein besonderes Interesse gilt dem Aufspüren von inspirierenden, energievollen Werken abseits des musikalischen Mainstreams. Mit Stefan Hölscher verbindet ihn die Leidenschaft für das immer wieder neue, vitale und elementare Zueinanderfinden von Sprache und Musik.
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Die berühmte Breite Seite Nummer drei in Sinsheim. Der Flüchtlingschor und das internationale Gitarrenensemble im Flüchtlingscamp.

Michael Schneider lernt zur Zeit fast täglich neue Menschen kennen. Sicher nicht, weil er die gestrigen Begegnungen wieder vergessen hat.
Er vergisst aber immer noch und immer wieder die vielen Namen die er sich plötzlich merken muss.
Der ehemalige GMD Cornelius Meister des Philharmonischen Orchesters Heidelberg hatte eine perfekte Methode zur Erinnerungshilfe: jeder Musiker sollte ihm ein Foto mit seinem Namen zur Verfügung stellen.
Da sind inzwischen bis zu zehn Djemben-Gambianer und noch einmal so viele, die die Trommel Musik regelmäßig tanzend begleiten. Da sind meine vielen Gitarren Schüler, die mal erscheinen und dann wieder verschwunden sind, mal tauchen einige mit Gitarre auf, dann wieder ohne. Im übrigen erfindet Michael Schneider den Gitarrenunterricht gerade neu: Gitarrenunterricht für Flüchtlinge ohne Gitarre. Auch das ist möglich, natürlich nur eine Weile, bis dann vielleicht eine gespendete Gitarre auftaucht. Der Ramadan legt alles lahm – so nannte ich meinen letzten Artikel über meine wöchentlichen Musizierstunden.
An regelmäßigen Gruppen Unterricht ist also in diesem Monat gar nicht zu denken.
Ich denke nur daran, dass im Juli dann ein so genannter Spagat Unterricht stattfinden wird. Drei meiner afghanisch-irakischen Gitarren Schüler können inzwischen Barree-Griffe spielen.
Das ergibt dann im Juli einen Gemeinschaftsunterricht für total Neu-Anfänger bis Fortgeschrittene in einer Gruppe.
Meine Gitarrengruppe hat sich seit dem 5. Juni 2016 dem internationalen Flüchtlingschor angeschlossen und betätigt sich als Gitarrenorchester.
In dieser Woche gab es neue Lieder zu erarbeiten.
Mehr für den Kopf als für die Finger, denn letztere bewegen sich vorwiegend in der Tonart D Dur mit drei Akkorden.
Hier der Text des neuesten Liedes:
Kopf und Schulter, Fuß, Knie und Fuß.
Kopf und Schulter, Fuß, Knie und Fuß und
Augen, Ohren, Nase und Mund
Augen, Ohren, Nase und Mund
Das war’s. Wie das war’s, sowas leichtes?
Na dann singen sie dieses Lied einmal auf Arabisch oder auf Afghanisch.
Dann geht dem Leser ganz schnell das folgende Licht auf: jedes Wort das spielerisch leicht gelernt und im Kopf bleibt in einer neuen Sprache, das ist eine Bereicherung auf dem Weg zur fliessenden Beherrschung derselben. Michael Schneider kennt sich da aus, lernt selbst gerade eine neue Sprache und freut sich über jedes Wort das freiwillig bei ihm bleibt.
Und um das Lernen noch zu erleichtern zeigt der Chorleiter Bruno Strnad mit beiden Zeigefingern an das entsprechende Körperteil zum passenden Wort.
Und wenn Sie dem Flüchtlingschor beitreten möchten, dann schauen Sie einfach dienstags um 18:00 Uhr vorbei. Dann zeigen Ihnen die Flüchtlinge in ihrer jeweiligen Sprache die Körperteile, die Sie dann entsprechend in der Landessprache singen dürfen.

Breite Seite Nummer drei – der Ramadan legt alles lahm.

Das stimmt so natürlich nicht. Das Laute ist in der Menge einfach reduziert. Slow Motion – so erleben wir es mehrmals im Jahr, wenn Deutschland in die Ferienstarre verfällt. Dann bleiben Anträge eben liegen, weil jemand im Urlaub ist. Hasta Manana, wie der Spanier sagt, Morgen reicht es auch noch.
Mittwoch, 8. Juni, Michael Schneider reist an mit Cello und Gitarre – die beiden Windhunde gehören schon zum Personal.
Ach ja, heute treffe ich auf neues, mir unbekanntes Security Personal. Der Chef gibt Anweisung, meinen Kofferraum auf Waffen zu untersuchen. Meine Leser kennen sich in meinem Wagen schon aus: der Kofferraum enthält oft jede Menge Djemben, aber immer meine beiden Hunde. Darum könnte ich jede Menge Waffen ins das Flüchtlingscamp schmuggeln, denn sobald die Security Leute meine Hunde sehen, vergessen sie ihre Neugier.

Gut, dann ist es soweit, Michael Schneider schreitet zur Tat.
Ohne Publikum. Schauen Sie auf die Überschrift. Wo ich meinen Bach “ übe “ ist mir egal. Nein, auch das stimmt nicht: zu Hause ist es Üben, da wird verbessert. Hier tue ich so, als sei es ein Konzert – ohne Publikum.
Doch mit Publikum: ein Afrikaner und zwei Afghanen lauschen der Bach-Stunde.
Besonders der Afrikaner ist wieder so ein Typ ( Afrikaner ) der deutlich und lachend seinen Gefühlen zu Bach’s Musik nach jedem Stück Raum gibt. Bei den rockig-fetzigen Nummern können die Afrikaner besonders gut mitgehen. Sie erinnern sich: Die Satzbezeichnungen: Courante und Gigue versprechen Rhythmus und schräge Klänge. ( Hiers entsteht gerade ein neues Projekt: im Juli, wenn die Djemben-Post wieder abgeht werden die Gambianer mit ihren Djemben die Rockband stellen zur Musik von Johann Sebastian Bach mit elektrisch verstärktem Cello. Sie kennen den folgenden Satz schon: wir hören voneinander ).
Nach 70 Minuten kann der Gitarrenunterricht beginnen. Ein Schüler erscheint. Er wird auf die nächste Woche vertröstet. Ich unterhalte mich mit weiteren Gitarren Interessenten. Der nächste Schüler erscheint. Das wiederholt sich noch einmal. Aber, sie bringen es fertig, zeitlich so versetzt zu erscheinen, dass ich jeden einzelnen auf den Gruppenunterricht in der kommenden Woche vertrösten muss. Für den Leser: es gibt in der Breiten Seite nur Gruppenunterricht.
Apropos fröhlicher Afrikaner: einer der Djemben-Gambianer ist 20 Jahre jung und war vier Jahre auf der Flucht bis er in der Breiten Seite Nummer drei gelandet ist.

Machen Sie sich ein Bild:
Hier gebe ich die ersten vier Suchergebnisse an, wenn ich Sinsheim/ Flüchtlinge eingebe:

1. https://www.facebook.com/wirwollenkeineasylantenheime/
2. http://www.rnz.de/nachrichten/sinsheim_artikel,-Fluechtlinge-in-Sinsheim-Kreis-plant-eine-weitere-Notunterkunft-_arid,144559.html
3. Tumulte in Sinsheimer Flüchtlingsheim: Kreis verstärkt Sicherheitsdienst
4. http://www.sam-sinsheim.de/ Sinsheimer Arbeitsgemeinschaft Migration e.V.

Die Artikel, ihre Reihenfolge ändern sich quasi stündlich. Nur eines begegnet mir immer wieder an erster Stelle: facebook.com: wir wollen keine……………!
5. Juni 2016, Sonntag 11- 14 Uhr. Das internationale Frühstück in Sinsheim. Ich suche noch, im Internet, suche vergeblich an erster Stelle die Liebe und das Wohlwollen von dieser Begegnung, gespiegelt im Internet für die ganze Welt.
Michael Schneider war auf einer Fortbildung des DRK Rhein Neckar über Traumata von Flüchtlingen. Die Musik die Michael Schneider und Bruno Strnad in die Breite Seite Nummer drei bringen, lindert zumindest solange die Musik erklingt jedes Trauma. Für die Musiker ebenso wie für deren Zuhörer.
Ich muss hier feststellen, dass nach diesem internationalen Frühstück Michael Schneider an einem Trauma leidet. Dieses Erlebnis, auch mit dem Flüchtlingschor, dem Gitarrenorchester und den Djemben-Gambianern, den Indern und Tamilen: diese Begeisterung und Wohlwollen, das ist schwer auszuhalten. Ganz besonders angesichts der Facebook-Seite Nummer eins auf der Hitliste des Negativen.