Das Cello und das Nocturne Nr. 1 von Frédéric Burgmüller – gespielt von Salome Schneider im Querklang am 16. März 2018 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach.

Fédéric Burgmüller, alias Friedrich wurde 1806 in Regensburg geboren, verbrachte seine Jugend in Düsseldorf, fühlte sich aber nach Frankreich hingezogen und es ist zu lesen, dass ihm 1842 die französische Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Wikipedia verrät uns ausserdem, dass er nur leichte Klavierwerke komponiert hat, von denen besonders die Etüden für junge Pianisten ( 25 Etüden op. 100 ) noch heute geschätzt werden.
Auf der Suche nach Werken für Cello und Gitarre ist Michael Schneider bei Burgmüller fündig geworden: Trois Nocturnes pour Violoncelle et Guitare von Frédéric Burgmüller.

Das Nocturne Nr.1 ist ein Juwel der romantischen ( bis hin zur kitschigen ) Musik für diese Besetzung.
Besonders bemerkenswert ist die einfache Gitarrenbegleitung. Arpeggierte Akkorde auf der Gitarre begleiten die wunderschöne Melodie des schwelgenden Cellos.
Bemerkenswert ist dabei die tiefe leere E-Saite der Gitarre, die zu a-moll und A-Dur als Orgelton eingesetzt wird. Das kennen wir, also besonders Cellisten, aus der ersten Bachsuite G-Dur für Violoncello Solo. Quer durch die Kadenz strahlt unten die leere G-Saite als orgelnder Kontrapunkt durch. Und wir möchten uns garnicht vorstellen, wie langweilig-normal dieses Präludium ohne diesen bohrenden Grundton wäre.

Für das Programm unserer Trio Besetzung mit zwei Celli und einem Kontrabass ( und Continuo Gitarre ) haben wir das Nocturne in ein Trio verwandelt, der Kontrabass spielt die Basstöne der Gitarre orchestral verstärkend mit. Eine erstaunliche und sehr erfrischende Klangwelt tut sich für fünf Minuten auf. Ein strahlender – musikalischer – Diamant beginnt zu leuchten. Bei unseren Proben stürzten wir uns nach dieser Nr.1 Erfahrung auf die beiden weiteren Nocturnes und wussten sofort: Wir wollen dieses besondere Nocturne nicht abwerten, dieses kleine Glanzstück, dieser “ Wurf „, wie man so sagt, der muss für sich allein stehen, der wird nicht zugemüllt.

Salome Schneider

Walter Pfundstein – Michael Schneider

Das Cello – ist das Instrument des Jahres 2018. Michael Schneider widmet sich in diesem Jahr mit vielen Crossover Projekten diesem Instrument. Cello-hoch-drei am 16. März 2018 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach.

Ein besonderer und seltener Gast ist die Solistin dieses Abends in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach: Salome Schneider, Violoncello.
Zur Zeit ist sie Mitglied im Bonner Beethoven Orchester. Insbesondere studiert sie gerade “ Echnaton “ von Philipp Glass ein, sowie demnächst die “ Soldaten “ von Bernd Alois Zimmermann. Beides Programme, die unendlich an den Sehnen zerren. Trotzdem , sie hat es sich nicht nehmen lassen, den Querklang des Monats März mit virtuoser Cello Musik in einen Abend des Wohlklangs zu verwandeln.
Vier Jahrhunderte Cello Literatur umspannt unsere Sicht auf das Instrument des Jahres 2018.

Selten ist die Sonate Nr 5 e-moll von Antonio Vivaldi in der Besetzung Cello-Gitarre zu hören. Die feine Akustik der Evangelischen Bergkirche Schlierbach lädt jedoch dazu ein, gibt dem intimen Charakter dieser Konstellation den akustisch-füllenden Rahmen.
Dann gibt es auch noch die Sonate G-Dur für Cello von Bernhard Romberg. Allgemein bekannt ist die Fassung für Cello und Klavier ( von Jansen ). Völlig unbekannt ist, dass das Original vom Komponisten als Trio verfasst wurde. Besetzung: Violoncello-Viola-Bass. In leichter Abwandlung übernimmt an diesem Abend Michael Schneider den Part der Viola auf dem Cello.
Lange bevor es Apokalyptica gab, lange bevor Bass und Cello Ensembles modern wurden, habe ich mit meinem Ensemble “ Bass muss sein “ Unisono-Konzerte kreiert. Der Kontrabassist und Komponist Hans Kunstovny, ehemaliger Solokontrabassist des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim erfand für seine Kammermusik die Besetzung mit zwei Celli und einem Kontrabass. Damit stand ihm, also auch dem Komponisten und Arrangeur Hans Kunstovny – ein enormer Klangraum von der tiefsten Tiefe bis in schwindelerregende Geigenhöhen zur Verfügung.

Der Komponist und Cellist Bernhard Romberg wird allgemein als Cello-Virtuose gepriesen. Das habe ich bisher nicht verstanden – bis ich Salome Schneider bei den Proben in unserer Triobesetzung erlebt habe. Ja, er war ein Virtuose. Leider wurde seine wunderbare Musik missbraucht. Wenn Heerscharen von Schülern diese Musik als Largo-Etüde spielen so gut es eben geht, dann zwingen sie meine Windhunde im Schleichgang über die Wiese zu kriechen. Die Eleganz dieser wunderbaren Tiere kommt aber erst bei ca. 70 km/h zum Tragen.
Und Salome Schneider hat dieses wichtige Drehmoment erkannt.

Das Ensemble:
Salome Schneider – Violoncello
Walter Pfundstein – Kontrabass
Michael Schneider – Violoncello, Gitarre

Angelica Topfstedt – Tanz – ist die Priesterin in der Oper “ Medea “ von Olga Magidenko. Prof. Franz Wassermann ist der Dirigent der konzertanten Opernaufführung im Querklang am Berghang. Evangelische Bergkirche Schlierbach.

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Achte Szene
Medea, Aigeus, Frauen,Erinnyen ( Vokalensemble )
Priesterin tanzt, Gesang der Frauen:
Jungfräuliche Göttin, dir huldigen wir. Nimm das Öl aus unserer Hand.
(Abbruch)

Media: Dich schützen die Götter. Aas das du bist. Aigeus!
Aigeus: ha ha ha, so ist es recht. So will ich dich. So bist du. Das bist du. Ein Vulkan, schrecklicher, urgewaltiger, glühender, speiender Vulkan bist du. Dein Feuer erhitzt mich, bringt mich zum kochen. Schütteln will ich mich in deinen Brodeltopf, überschwemmt von Lava.
Medea: Aas, Aas! Wer gab dir diese Niedertracht !
Erinnyen: entrinnen kann keiner… Keiner entrinnt.
Medea:Fluch euch, Fluch, ihr Götter, Fluch! Für alle Zeit!
Aigeus: Medea! Göttin!
Priesterin ( tanzt)/ Gesang der Frauen:
Jungfräuliche Göttin, dir huldigen wir. Nimm das Öl aus unserer Hand!

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Medea: und nun zu dir, Athene, Göttin der Weisheit! ( lacht )
Mit Waffen bis zu den Zähnen, hast du dich geschmückt, als wär dein Leib nicht Schmuck genug. Meine Waffe ist die Liebe.
Aigeus: Medea! Göttin!
Medea: Ich gehe fort. Weg von dir! Weg von dir!
Erinnyen: Entrinnen kann keiner. Keine entrinnt.
Frauen: Lieblingstochter des Zeus, blickst holt voll auf uns herab.

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Konzertante Oper “ Medea “ von Olga Magidenko mit Tanz als Gebet in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach am Freitag den 23. Februar 2018 um 20 Uhr.

Der wohl berühmteste Tanz den ich kenne ist Salome’s Tanz der sieben Schleier aus der gleichnamigen Oper von Richard Strauss. Einen ähnlichen musikalischen Coup hat Olga Magidenko in ihrer Oper Medea gelandet. In der Schlussszene tanzt eine Priesterin, sie tut nur ihre Arbeit: Beten. Tanz als Gebet. Das kennen wir hier in der westlichen Welt nicht mehr. Aber, wie auf Bestellung ist mir dies gerade in Thailand, in Bangkok begegnet.
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Beten im Hinduismus – ohne feste Zeiten und Regeln
Hindus haben keine festen Gebetszeiten oder andere Regeln zum Beten. Sie können immer und überall zu ihren Göttern sprechen. Wenn Hindus beten, dann bitten sie zu ihren Göttern, danken ihnen oder loben sie – entweder in einem persönlichen Gebet zu Hause oder im Tempel mit einer Verehrungszeremonie. Sie heißt Puja. Beim Gebet geht es immer auch darum, Gott oder das Göttliche zu erkennen, zu erleben und durch Opfer zu verehren. ( https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/b/beten-im-hinduismus )
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Tanz in der Kirche ist bei uns ein heikles Thema. Ein Tanzprojekt mit Crystal Schüttler und arkestra convolt löste explosive Reaktionen aus, positiv wie negativ.
Positives Erstaunen über das harmonische Zusammenwirken von Tanz und improvisierter Musik bis hin zum Verlassen der Kirche. Der Dekan der Evangelischen Stiftsgemeinde Mosbach, Folkhard Krall antwortete auf die Duldungsfrage eines getanzten Gebetes: “ Kunst braucht Freiräume „.

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Angelica Topfstedt übernimmt den Part der tanzenden Priesterin in der Oper Medea.

Der Hindu Erawan Schrein in Bangkok ist ganzjährig für alle Betenden geöffnet. Zu bestimmten Zeiten gibt es drei Musiker und bis zu acht Tänzerinnen, die die Betenden gegen eine Gebühr mieten können.

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Die Mitwirkenden:
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Camerata Carolina
arkestra convolt
Tanz: Angelica Topfstedt
Dirigent: Prof. Franz Wassermann

Osvaldo Golijov’s Musik über Vertreibung und Ausgrenzung. Ein zeitlos ungelöstes Thema.

Freitag 19. Januar 2018 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach :
Am Samstag den 20. Januar gibt es eine zweite Gelegenheit, diese einmalige Musik noch einmal zu hören: Samstag 20.1. um 20 Uhr in der Freizeitschule Mannheim.
Spanische Weltmusik des 16. Jh. als Spiegelbild dreier Kulturen in Liedern aus der Sicht dreier Religionen: Juden, Moslems und Christen. Musik aus Zeiten des Umbruchs – friedlich vereint, dann der Wandel: die Gemeinsamkeit zerbricht. arkestra convolt gestaltet einen Abend, der aktueller nicht sein kann.
Musik von Osvaldo Golijov, Enrique Granados und Ernest Bloch. Neu mit dabei: Elisa Herbig, Cello und die Schauspielerin Cornelia Bielefeldt.

Der Kontrapunkt der Kulturen, über das Golijov Projekt mit arkestra convolt:

Die meisten Menschen sind sich in erster Linie einer Kultur, einer Umgebung, einer Heimat bewusst. Menschen im Exil leben mit mindestens zwei Kulturen. Diese Pluralität der Sicht weckt ein Bewusstsein für die Gleichzeitigkeit verschiedener Dimensionen, ein Bewusstsein, das, um einen Ausdruck der Musik zu entlehnen: kontrapunktisch ist.

In Golijov’s Ayre – ein Wort aus dem Spanischen des Mittelalters, das Melodie bedeutet, geht es um die Vermischung dreier Kulturen: Christen, Araber, Juden, im südlichen Spanien des späten 15. Jahrhunderts, vor der Vertreibung der Juden.
Der Wechsel von friedlicher Koexistenz mit offenem Konflikt zwischen diesen drei Kulturen wirkt bis in unsere Zeit nach. Mit einer kleinen Wendung, so Golijov, wechselt eine Melodie vom jüdischen zum arabischen und weiter ins christliche Idiom.
Wie eng verknüpft sind diese Kulturen, wie furchtbar ist es, wenn sie sich nicht verstehen. Die Trauer, mit der wir heute leben, existiert bereits seit Jahrhunderten und doch war zwischen diesen Kulturen Harmonie möglich.

Golijov greift auf eine breit gefächerte persönliche Auswahl von Quellen zurück.
Die Musik gründet sowohl auf Fundsachen: einem sephardischen Liebeslied oder einem christlich-arabischen Osterhymnus – wie auf original komponierten Melodien.
Die Texte in Arabisch, Hebräisch, Sardisch und Spanisch so wie in ladinischer Sprache geschrieben, der einstigen Sprache der spanischen Juden, der Sephardim.
Eine Vielfalt menschlichen Erlebens tut sich auf, von Liebe und Eifersucht bis hin zu blinder Wut, frommer Sehnsucht und Gebeten.

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Nicoleta Craita Ten’O – Yasmina El-Boazzati

Musik, die Sprache die in jeder Kultur verständlich ist. Osvaldo Golijov verdanken die Beteiligten dieses Projekts Musik, die den täglichen Einsatz für Ausgegrenzte in deren Alltag widerspiegelt: Flüchtlingshilfe, Jugendhilfe oder auch Betreuung Behinderter in der Werkgemeinschaft Martinshof.

Der Querklang zum Jahresausklang am 31. Dezember 2017 um 19 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach. Toskanische Impressionen für zwei Gitarren sowie Cello und Gitarre.

Die räumliche Intimität eines Palazzos verbindet sich in der Bergkirche Schlierbach akustisch mit den weit gespannten Hügelpanoramen der Toskana.
Still und weit – wie die Landschaft dort, so bilden die weitgehend italienischen Komponisten dieses Konzerts dem Ohr wie der Seele einen Moment der Ruhe und Einkehr. Genießen Sie diesen musikalischen Reisebericht, erleben Sie die Bergkirche als einen einmaligen Ort, der jedem, auch jedem Instrument einen besonderen Klangraum bietet.
So ist es inzwischen eine schöne Tradition, dass unser Publikum nach den Konzerten einfach sitzen bleibt, nicht glauben will, dass der Zauber vorbei ist.

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Villa Palagione

Die Ausführenden sind Dr. Shamali Sen, Gitarre und Michael Schneider, Gitarre und Violoncello.
Die Komponisten: Caccini, Barsanti, Geminiani. Da fehlen die Vornahmen. Richtig, dreimal „ Francesco „ sollte dort stehen.
Die beiden letzteren, gebürtig in Lucca beschränken sich darauf, dort geboren zu sein. Sie suchten schnell das Weite in London und Dublin. Der Römer Francesco Caccini hingegen fand in Florenz seine toskanische wie musikalische Heimat.
Weiterhin wirken mit: Johann Pachelbel und Fernando Carulli.

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Nächster Querklang am 8.12.2017 Im Mittelpunkt dieses Querklangs steht die Musik von Johann Sebastian Bach. Meike Lu Schneider wird die Partita II spielen – BWZ 1004. Meike Lu ist Mitglied im “ Orbis “ Quartett, Berlin. Aus dem Bonner Beethoven Orchester wirkt auch mit Salome Schneider, zur Zeit dort Cellistin. Sie spielt die Cello Suite II, d-moll sowie die Cello Sonate e-moll Nr.5 von Antonio Vivaldi. Michael Schneider präsentiert die Cello Suite III, C-Dur.

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Meike Lu Schneider

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Salome Schneider

Der Querklang am Berghang – einmalig bis einzigartig. Fünf Jahre Thron auf dem Berg. Dank an die Evangelische Kirchengemeinde Schlierbach für ihre grosszügige Unterstützung.

Zum fünfjährigen Bestehen der Konzertreihe „ Querklang am Berghang „ präsentieren die beteiligten Musiker in zwei Konzerten einen Überblick über die musikalischen Schwerpunkte ihrer Suche nach dem Ungewöhnlichen und Unbekannten.
Die Heidelberger Komponistin Olga Magidenko hat sich seit 2012 als Hauskomponistin für die Bergkirche etabliert. So konnten die Ensembles um Michael Schneider jedes Jahr Neue Musik frisch aus der Druckerpresse zur Uraufführung bringen. Im Rahmen dieses kleinen Festivals wird Ramona Römer im Sonntagskonzert als erste Gesamtaufführung die Harfensonate von Olga Magidenko präsentieren.

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Ein zweiter Schwerpunkt ist die Weltmusik. Für das Sonntagskonzert wird ein Streichquintett die Solisten als kleines Orchester begleiten. Zwei Kompositionen von dem Kontrabass Virtuosen Francois Rabbath stehen dann auf dem Programm. Zwei seiner berühmtesten Werke werden aufgeführt. Claus Rosenfelder ist der Solist von „ Reitba „ gefolgt von Michael Schneider mit „ Odyssee d’eau „ für Kontrabass. Hans Kunstovny, ehemaliger Solokontrabassist des Südwestdeutschen Kammerorchesters und Komponist hat für beide Werke eine Quintett Begleitung komponiert, bei diesen beiden hier zum ersten mal in dieser Form aufgeführten Werke handelt es sich also auch um Uraufführungen.
Zum weiteren Programm gehört die junge armenisch-deutsche Schriesheimer Sängerin Arpa. Norbert Kotzan komponierte zu ihren armenischen Liedern eine Bandoneon Streichquintett Begleitung, die eine fremde und fragile Klangwelt in uns vertraute Formen fügt.

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Der dritte Schwerpunkt dieses Sonntags ist der Tango mit Norbert Kotzan am Bandoneon und Musik von Astor Piazzolla. Fünf Musiker – ein Bandoneon und ein Streichquintett – erfüllen sich einen Traum. Träumen Sie mit in die Welt des Tango, die auch an diesem Abend fast so original ist wie in Buenos Aires. Norbert Kotzan hat dort mehrmals Jahre verbracht um die verpasste Tango-Muttermilch nachzuholen. Er hat es geschafft. Dieses Projekt, die Tangosensations von Astor Piazzolla haben den Weg für diesen wiederum ganz besonderen Abend möglich gemacht.
Isabel Schneider-Violine und Claus Rosenfelder-Klarinette, mit Norbert Kotzan am Bandoneon konzertieren solistisch weitere Werke des Tango Nuevo Grossmeisters.
Das wird der Sonntag, 22. Oktober 2017 um 19 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach.
Zwei Tage davor, am Freitag, 20. Oktober 2017 um 20 Uhr am gleichen Ort ist die Altistin und Performance Künstlerin Elisabeth Kaiser zu Gast im Querklang.
Sie rezitiert eine Avantgarde Erzählung von dem Amerikaner John Voigt (im Original auf Englisch ). Die Erzählung wird eingeleitet mit Gesang Solo Performance die in die Erzählung einmündet. Dann geschieht, dann kann geschehen, dass die Erzählerin sich auflöst, Teil der Geschichte wird, ambivalente Ereignisse machen es unmöglich zu unterscheiden ob es ein Tanz ist, Körper- und Stimmakrobatik. Oder ist die Frau besessen?
Hier die Solistin im Originalton: „ Nach dem ersten Sinnabschnitt beginne ich wieder mit der Improvisation. Alle möglichen Ebenen meines Bewusstseins vor allem des Unterbewusstseins kontrollieren mich. Die Emotionalität kontrolliert auch stärker. Ich lasse mich kontrollieren, greife nicht ein. Dadurch entsteht Kreation.“
Zu Beginn dieses Jubiläumskonzertes steht eine Aufführung von „ Four6 „ von John Cage für ein Quartett, eine Komposition ohne Noten. Die vier Spieler musizieren nach einer Zeitpartitur die vorgibt, in welchen Zeiträumen jeder Spieler eines seiner zwölf selbst gewählten oder kreierten Motive zu spielen hat. Die Magie dieses Juwels der Avantgarde liegt für den Zuhörer in der Irritation, dass die Spieler sehr konzentriert spielen, gleichzeitig etwas Chaos nicht zu überhören ist, trotz einer magischen Ordnung die das Ohr nicht durchschaut.

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Der 22. Oktober 2017. Um 19 Uhr: Evangelische Bergkirche Schlierbach. Weltmusik – Tango – Neue Musik. Ein Dreisparten Programm das sich gewaschen hat. Mit allen Wassern : hochkarätige Komponistin Olga Magidenko, ebenso die Solisten: Norbert Kotzan – Bandoneon, Claus Rosenfelder-Klarinette. Den Rest lesen Sie hier.

“ Es begab sich aber zu der Zeit……. “ Das kennen Sie – irgendwie. Kommt Ihnen Weihnachten wieder zu Ohren. Soweit so gut.
Es begab sich aber auch, nein, es wird sich begeben am 22 Oktober um 19 Uhr in der Evangelischen Bergkirche der fünfte Jahrestag einer kleinen Revolution. Vor sechs Jahren haben sich einige Mitstreiter des Querklanges gefragt, ob noch ein weiteres Trompetenkonzert in der Bergkirche Schlierbach nötig sei? Oder jubilierende Flöten mit schmetternder Orgel ?
Nein, wir vom Querklang wollten unsere Ruhe haben. Wollten nicht durch Publikumsmassen gestört werden. Die Insel “ Bergkirche “ hatte es uns angetan. Da kommt garantiert kaum jemand hin.
So, hier hört der Scherz auf. Wir wollten mit der queren Musik, dem anderen “ Jubilieren “ die Stille unserer Begeisterung entgegensetzen. Um neue Kontinente zu entdecken mussten wir riskieren, die alten aus den Augen zu verlieren.
Fünf Jahre haben wir geschafft. Dank der Hilfe und wohlwollenden Unterstützung der Evangelischen Kirchengemeinde und ihrer Pfarrerin Julia Nigmann.

Ramona Römer beginnt das Konzert mit der Harfensonate von Olga Magidenko. Neue Musik verfechtet Michael Schneider besonders neben alle anderen Neugier auf Überraschungen. Olga Magidenko wird nach meinem Dafürhalten unterschätzt. ( Die Geschichte mit dem Propheten im eigenen Land kennen Sie ? ).

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Mein Lehrer Francois Rabbath ist in diesem Konzert vertreten. für drei seiner melodiösen Weltmusik Kompositionen hat mein Freund Hans Kunstovny, ehemaliger Solokontrabassist des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim und ebenso erfolgreicher Komponist, drei begleitende Arrangements mit Streichquintett geschrieben.
Seine Arrangements für drei Rabbath-Kompositionen werden in diesem Konzert urauffgeführt.

Hans Kunstovny

Dann kommt Norbert Kotzan, Bandoneon Virtuose mit den fünf Tangosensations von Astor Piazzolla auf die Bühne. Weitere überraschende Tangoklänge erwarten Sie, die hier nicht weiter verraten werden.

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Der 20. Oktober 2017 um 20 Uhr. Evangelische Bergkirche Schlierbach. Wieder ein ein einzigartiger Gast: Elisabeth Kaiser. Sie rezitiert John Voigt’s “ Nether City “ begleitet von improvisierten Kommentaren.

Nether City von John Voigt- ein absoluter Avantgarde Text. Nach Shakespeare das aufregendste Englisch das ich kenne. Ich habe zwar Englisch studiert, aber im Wesentlichen kenne ich im Englischen nur “ Lord of the Rings “ und “ Pooh the Bear „. Versuchen Sie nicht alles zu verstehen. Diese Sprache ist Musik. Musik die von Musik begleitet, untermalt, kommentiert wird. Es kann geschehen, dass es der Erzählerin Elisabeth Kaiser während des Erzählens nicht so gut geht. Das wird sie Ihnen zeigen, sie gibt sich den Gefühlen hin die diese Erzählung in ihr erzeugen. Den Rest geben ihr möglicherweise die Kommentare der improvisierenden Musiker die ebenfalls spontan auf den Text und den Sprach Duktus reagierend einwirken.

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Elisabeth hat mir dazu diese kleine Einführung geschickt:
Ich beginne ich mit einer Soloimprovisation. Darin gebe ich tatsächlich die intellektuelle Kontrolle über mich, meine Kreativität und Aktionen ab.
Es kontrollieren mich der Ton/ Klang, wohin er gehen möchte, damit verbunden zunehmend körperliche Bedürfnisse. Ich beobachte alles nur, greife nicht kontrollierend ein. Es entstehen unvorhersehbare und sehr starke und interessante Stimm/ Körperkreationen. Dann beginne ich den Text auf oben beschriebene Weise vorzutragen.
Nach dem ersten Sinnabschnitt beginne ich wieder mit der Improvisation. Alle möglichen Ebenen meines Bewusstseins vor allem des Unterbewusstseins kontrollieren mich. Die Emotionalität kontrolliert auch stärker. Ich lasse mich kontrollieren, greife nicht ein. Dadurch entsteht Kreation.
Dann lese ich wieder distanziert intellektuell, nüchtern. Durch diese extremen Brüche im Gesamtvortrag entsteht nach meiner Beobachtung ein sehr spannendes Ganzes.
Vielleicht verhalten sich die Instrumentalisten ähnlich. In den Zwischenteilen wird irgendwann auch zusammen auf diese Weise improvisiert.
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Autor sehr stark wertet.
Die Sprache ist großartig, das Beschriebene tatsächlich für mich die Hölle.
Die Situation bleibt ausweglos.
In der Improvisation bilden sich wertfrei ununterbrochen prozesshaft neue Kreationen – auch aus der größten Resignation entstehen im Moment Kreationen. Das Glück entsteht so in der Kunst.
Vielleicht enden wir durch unsere Improvisation hoffnungsvoll………………

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