Die „ Bachsuite „ von Olga Magidenko. Ein Jahrhundertwerk der Cello Literatur. Michael Schneider, der Solocellist schlägt sie schon für das Bundesverdienstkreuz vor. Konzert zu Ehren dieser mutigen Frau am 12. Mai 2017 um 20 Uhr im Querklang am Berghang.

Die Idee zu einem Vorwort zu jeder einzelnen Bachsuite, die stammt nicht von Michael Schneider.
Jean-Guihen Queyras hatte die Idee, für jede der sechs Cellosuiten von Johann Sebastian Bach einen Komponisten um ein musikalisches Vorwort zu bitten.
Michael Schneider wollte das kopieren. Er begann bei Uli Johannes Kieckbusch, der keine Zeit hatte.
Olga Magidenko setzte diese Anfrage sofort in die Tat um. Daraus entstand eine komplette Bachsuite, die auch diesen Namen trägt. Inspiriert, aber nicht kopiert nach der ersten Cello Suite.
Die Uraufführung steht noch aus.
Seit 2012 setzt sich Michael Schneider aktiv für die Kammermusik dieser genialen Komponistin ein. Kammermusikalisch gibt es viele Verehrer und Mitstreiter, die ohne Wenn-und-aber ihre Musik vertreten.
Alle Versuche, die Sinfonien dieser Komponistin beim Philharmonischen Orchester Heidelberg zur Aufführung zu bringen , die scheiterten an der bekannt-üblichen Arroganz der Theater: Anregungen von Musikern? Die können nicht gut sein. Bessere Ideen von anderen ? Das geht gegen den Egomanismus der Intendanten und Konzertdramaturgen. Der GMD hat dann auch noch ein Wort mit zu reden.

Olga Magidenko ist der vital-lebende Beweis einer authentisch modernen Musik. Intensiv, kraftvoll, so erlebt Michael Schneider ihre Musik. Das Schweigen des Publikums nach einer Aufführung ist der „ redselige „ Beweis der Treffsicherheit ihrer intensiven Musik.
Auf Youtube gibt es unter „ Olga Magidenko „ viele Zeugnisse ihrer musikalischen Kraft.
Aber Propheten gelten nichts im eigenen Land, das ist ist auch in Heidelberg nicht neu.
Solange aufsteigende Projekte nichts besseres haben, solange ist „ Örtliches „ gern gesehen. Wird es besser, teurer !!! und international, dann gibt es Qualität nur noch in der Welt, aber nicht mehr vor Ort. Der Heidelberger Frühling hat die Vernachlässigung zu diesem Theme wesentlich mit zu verantworten, trotz aller grossen Worte die anderes suggerieren.
Thorsten Schmidt ist inzwischen „ Intendant „ des Heidelberger Frühlings. Michael Schneider hat noch erlebt, wie er als Mitarbeiter des damaligen GMD Thomas Kalb plötzlich den „ Frühling „ übernommen hat. Das klingt nach Schach, bei dem einige Züge übersprungen werden. Eigentlich ein Grund zur Disqualifizierung. Aber Heidelberg ist dem Faschismus und der Vetternwirtschaft immer noch sehr verbunden.

Mut zur Freiheit – Karla Kreh-Rahls, Saskia Muriel Gompf und Michael Schneider im artort der VHS Stuttgart.

Begegnung der Generationen – in der Kunst, Tanz, Malerei, Musik, gibt es keine Grenzen, keine Altersgrenzen. Die Grenzenlosen trafen sich zur Vernissage im artort der VHS in Stuttgart. Die Aktionsmalerin Karla Kreh-Rahls ergriff das Wort, das malerische Wort zu Ton und Tat.
Ouvertüre:
VHS Karla Kreh Performance 2017 12

Michael Schneider trägt eine Brille. Der Blickkontakt mit der Tänzerin schenkt inspirative Momente. Dieser Blick in “ arbeitende Augen “ ist ein phänomenaler Moment der Nähe in kreativen Momenten.

Exposition: Der Knoten wird geschürt.
VHS Karla Kreh Performance 2017 10

Michael Schneider hat auch Ohren, er hört den Tanz. Der vage Blick aus einem Augenblick ist die Musik der Inspiration für neue, noch nie erlebte Wege und Klänge auf dem Cello.

Die Durchführung:
VHS Karla Kreh Performance 2017 02

Die Finger folgen den Bewegungen der Tänzerin. Sie können sie aber nicht erreichen, können nur auf einer schwarzen Ebenholzfläche nachmalen was körperlich im Raum geschieht.

Reprise:
VHS Karla Kreh Performance 2017 23

Der Kraft der Farben erliegt tatsächlich der Tanz der göttlichen Inspiration einer getanzten Begeisterung.

Coda:
VHS Karla Kreh Performance 2017 14

Wie in Shakespeare’s Sommernachtstraum endet der Spuk nach seiner Zeit und das Geschehen bleibt als Erinnerung auf drei Plexiglas Wänden erstarrt. Eine gemalte Erinnerung an einen artort. War er in New York oder wo ?

Finale:
VHS Karla Kreh Performance 2017 26

Karla Kreh-Rahls ist glücklich, es war wieder eine inspirative Performance. Sie weiss aber auch: mit ihr kann es gar nicht anders sein.

Johann Sebastian Bach – der Ewige nach Gott und dem Universum. Das Menuett II der ersten Cello Suite: Die genialste Etüde für Anfänger in der ersten Cello Stunde um das Pivot und den Krabbengang zu lernen. Ergo: Unterricht bei Michael Schneider.

Etüden? Wofür ?
Michael Schneider bevorzugt Musik. Die Musik von Johann Sebastian Bach. Sie hat mich fünfzig Jahre begleitet, ist nie langweilig oder schlecht geworden.
Heute, in einer Unterrichtsstunde wurde mir klar: Wofür Etüden schreiben ? Seitenlang, endlos und schwierig, oft changierend zwischen vielen Tonarten, immer das gleiche Problem wiederholend mit suggerierender Wichtigkeit. “ Arbeitsbeschaffung “ – nenne ich das. Vollbeschäftigung um das Erlernen des Cellos schwer zu machen. So wie Klavierlehrer in vielen Generationen die Fingersätze auf dem Klavier sinnlos unsinnig und schwer gemacht haben um bürgerlichen Töchtern den Erfolg zu verweigern. So kommen mir die meterdicken Etüden vor. Für Cello und Kontrabass. Jetzt gibt es ein Heilmittel: Die Rabbath Technik. Aber so wie die Pharmaindustrie alternative Medizin blockiert und bekämpft, so sind auch die Musikpädagogen konservativ eingestellt: Bach als Etüde und Musik ? Das ist ein Sakrileg. Aber nicht für den Schüler: Sofort ein Konzertmeister, aber mindestens Kammermusiker ab der ersten Stunde.
Im Kontrabass Unterricht haben mich immer wieder angehende Pubertisten gefragt: “ Diese Etüden sind so langweilig, gibt es nichts besseres ? “ Das waren noch die Unterrichts Zeiten mit Simandl auf dem Kontrabass. Beim Cello gähnte es mir ähnlich entgegen.
Mit Bach sind Lehrer wie Schüler permanent bester Laune.
Jetzt sind wir beim Titel angekommen: Johann Sebastian Bach und das zweite Menuett der G-Dur Suite.

Dieses Menuett ist eine Etüde par excellance um den Wechsel zwischen erster und gewöhnlicher Lage zu lernen/üben. Mit dem Pivot und dem Krabbengang.

Jetzt steht Michael Schneider wieder hier in seinem Gehirn herum und überlegt, wie er in Worten beschreiben kann, was der persönliche Unterricht klar vor Augen führt.

Ein – weiterer – Versuch:
Das Pivot bezeichnet die Lagenwechsel-Verweigerung – auf Deutsch: Faulheit sich zu bewegen. Das Ziel ist aber nicht die Faulheit, sondern die elegante Treffsicherheit ohne den Handkantenschlag eines Lagenwechsels. Statt Lagenwechsel also eine gleitend-fliegende Bewegung die den an seiner Position verbleibenden Daumen als Drehpunkt benutzt. Der Daumen bleibt, während die Hand ohne Verspannung dorthin geflogen !!! wird wo der entsprechende Finger landen soll.
Ein Sprung vom Es zum D auf der D-Saite wird somit nicht mit einem weiten Griff ausgeführt – der unweigerlich die Verspannung der linken Hand folgt – sondern die Hand bleibt so entspannt wie sie sich in der ersten Lage für vier Halbtöne verhält. Dann wird vom Es die Hand ohne Veränderung einen halben Ton auf das G geschoben. Dabei ist immer der jeweilige Finger der den neuen Ton greifen soll in der Luft und fliegt wie eine Sternschnuppe zu seinem Ziel.

Für diejenigen, die es genauer wissen möchten folgen hier die Noten mit meinen Fingersätzen und Zeichenerklärungen.

Bach - Menuett II

Pheobe Killdeer, ein Treppengeländer, eine Mülltonne und ein Ehe ? -Ring als Perkussion. Simple Minded Power, Understatement als kreative Kraft. Das Fehlen der Wichtigkeit als Selbstwertgefühl.

Es ist nichts wesentlich Neues was Michael Schneider hier zu berichten hat. Aber dass “ Phoebe Killdeer and the Short Straws “ in ihrem Understatement noch weiter nach unten gehen – das ist für mich das faszinierend Aufregende daran – und ein Treppengeländer und eine Mülltonne als Perkussion einsetzen und dann noch mit einem Ring am Finger noch weiter reduzieren, das ist für mich totale Entspannung. Das ist für den Solokontrabassisten des Philharmonischen Orchesters Heidelberg eine Traumvorstellung wie sie in 35 Jahren in diesem Berufsorchester nur Felice Venanzoni herstellen konnte.

Phoebe Killdeer and the Short Straws

Die Souveränität des Loslassens ist eigentlich, nein, sie ist: Teil der Zen Philosophie. “ Zen in der Kunst des Bogenschiessens “ von Alfred Herrigel.
Diese Abhandlung, dieses Buch über die Suche nach dem West-Ost Verbindenden lehrt die Philosophie des Geschehen-Lasssens. Den Volltreffer ins Schwarze kannst du nicht erzwingen. Es geht nur über das Loslassen. Das will auch die Rabbath Technik vermitteln: Perfektion durch Entspannung. Sie lehrt auch den Weg zum Selbst und einem dauerhaften Glückshormon.
Rabbath und Zen stehen für das Lebensgefühl eines Virtuosen. Aber nicht in dem Sinn der Überheblichkeit über andere. Es geht nur um das eigene persönliche Lebensgefühl.

Falls Sie schon mal auf dieser Seite gestöbert haben: Was haben Sie gelesen ?
In jedem Satz das positive Glücksgefühl eines vom Leben reich beschenkten Musikers.

Johann Sebastian Bach und das Präludium der ersten Cello Suite G-Dur. Von Null auf Hundert: in 12 Wochen im Unterricht von Michael Schneider.

Ein Familienvater will es wissen. Das Cello hat es ihm angetan, ebenso wie die Webseite von Michael Schneider. Also landet er auch bei ihm.
Die zweite Stunde beginnt nach einer Tonleiter mit dem ersten Bachpräludium. Michael Schneider hat keine Lust auf Etüden, die meisten Schüler ebenfalls nicht. Also überspringen wir das und gehen gleich in Medias Res. Die erste Stunde reicht bis einschliesslich des dritten Taktes: Michael Schneider rechnet vor: das Präludium hat 42 Takte. Also soviel wie das offizielle Schuljahr Wochenstunden hat. 42 geteilt durch drei ? Das macht ungefähr 14. Somit kann dieser Familienvater bei gleichbleibendem Tempo – jede Woche drei Takte – in 14 Wochen das Präludium spielen.
Mindestens theoretisch. Dann kommt noch die Praxis und der Alltag hinzu. Vielleicht noch eine Grippe oder Ferien liegen noch dazwischen. Das ist dann die Praxis. Jetzt könnte noch eine Konfirmation, bzw. Kommunion für Unterbrechung sorgen.
Aber dennoch: 14 Wochen wären machbar.

Dabei inbegriffen ist das neue Verständnis für und über die Rabbath Technik auf dem Cello.
Kaum herkömmliche Lagenwechsel sondern Pivot, Krabbengang sowie der versteckte Krabbengang – die Kombination der Finger mit dem Daumen hinter dem Hals um höhere entferntere Töne zu erreichen. Dabei lernt der Schüler schon in den ersten Stunden, dass das Drücken der Finger und des Daumens nicht dem Zerquetschen des Halses dient, sondern ganz anders bei der Rabbath Technik ist der Daumen mehr ein Haltepunkt – Pivot: Drehscharnier. Die Finger immer schön rund gekrümmt hängen sich an das Griffbrett. Hat der Schüler das einmal verstanden, dann kostet das „ Drücken „ der Töne auch keine Kraft mehr.
Der Krabbengang führt auch sehr schnell zu einer lockeren Unabhängigkeit der Finger der linken Hand.
Krabbengang bedeutet, dass kein Lagenwechsel ausgeführt wird. Der Vierte Finger z.B. bleibt liegen, alle anderen Finger gehen in die Höhe und der erste Finger setzt sich einen halben Ton unter den vierten. Hat der erste Finger seinen Halt gefunden, dann bleibt er auf dem Griffbrett und die Hand wird nach oben hin in eine ordentliche Position gebracht.
Allem voran wird sofort auf einen schönen Ton geachtet. Damit verbunden ist die richtige Bogengeschwindigkeit. Also: zunächst einmal für lange Zeit immer horizontal denken und mit grosser Bogengeschwindigkeit ( fast ) den ganzen Bogen ausnutzen.
Hier ein Bild dafür: auf der Autobahn fahren nicht die Trecker, sondern die schnellen Wagen. Der Feldweg befindet sich „ Ponticello „ in der Nähe des Steges. Hier lässt sich mit viel Gewicht und langsamer Bogengeschwindigkeit in Trecker-Geschwindigkeit ein guter Ton erzeugen.

Der Familienvater ist guter Dinge, auch wenn er mir diese Behauptungen noch nicht glaubt. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Wir haben Freude an dieser Theorie weil wir so den meterdicken Etüden entkommen sind und freuen uns geradezu hämisch darüber und ebenfalls freuen wir uns über Musik, die auch nach vielen Jahren und Üben nicht ranzig wird.

Ach ja, wir haben auch schon die herkömmliche Daumenlage ( also den Oktavpunkt ) nach unten und oben verschoben. Schon in der ersten Stunde konnte dieser totale Neuanfänger in jeder beliebigen Tonart und Tonhöhe „ Alle meine Entchen „ spielen. Das dürfen normalerweise nur Weltmeister nach vielen Jahren – besser sollte ich schreiben: Alle meine Entchen in allen Tonarten , das können nur Weltmeister.
Mit der grandiosen „ Kapodaster-Technik „ geht das aber schon in der ersten Stunde. Das vermittelt Interessierten vielleicht einen Aspekt der neuen weiten und souveränen Aspekte der Rabbath-Technik auf dem Cello.

Ein Meister dieser Idee ist übrigens Fernando Grillo, ein italienischer Kontrabassist, der in seinen Kompositionen schon vor über 30 Jahren mit dem Einsatz des Daumens in den tiefsten Lagen sehr präzise und jederzeit wiederholbare künstliche Flageoletts hervorzaubern konnte.

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Michael Schneider versucht Bach !

Phoebe Killdeer and the Short Straws – drogenmässiger Groove, perfektes Timing im Minimal Bereich. Michael Schneider – Anhänger der “ Faktor Feeling “ Bewegung.

Diese Band hat es drauf. In Chalon sur Saone habe ich auf dem Strassentheater Festival Gruppen gehört, die mit Pappkartons und Spülbürste eine perfekte Perkussion Abteilung präsentierten.
Und jetzt kommt Phoebe Killdeer mit einer Kuhglocke und einem Gitarrenkoffer als Rhythm Section bei den Berlin Sessions daher. Auf Youtube habe ich das entdeckt. Geht es einfacher, geht es provozierend einfacher ? Da klopft einer ab und zu auf den Gitarrenkoffer. Geht es noch “ cooler “ ? Der Gitarrist: ein Meister der Sparsamkeit, klingt nach amerikanischem Southern Sound mit südamerikanischer Kuhglocke und Gitarrenkoffer.
Rhythm is it. Mehr gibt es dazu kaum zu sagen. Der “ Feeling “ – Solokontrabassist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg war 35 Jahre diesem Timing auf der Spur. Dann, nach 35 Jahren kommt diese Musik auf Youtube daher.

https://www.youtube.com/watch?v=nGEesJU92K8

Nehmen Sie das nicht zu ernst. Es kam schon oft vor. Aber dazu brauchte es gute Dirigenten und Musiker die bereit sind auch in der Klassik diesen groovigen Charakter der Musik auszuführen. Das lieben Klassiker nicht unbedingt. Die wissen, was sie gelernt haben. Und sie wollen das dann auch nicht ändern. Jedem Jazzer wird gesagt: bei einer Abweichung vom richtigen Timing ab 5 %: Such dir einen neuen Job. Die Klassiker sind aber quasi Musikbeamte, die suchen sich keinen neuen Job. Wovon rede ich ? Von meinen Kollegen in den vielen Orchestern.
Wer seinen Beruf zum Geldverdienen gewählt hat, der will arbeiten, seine Arbeit machen. Vom Faktor Feeling oder Rhythm is it: Das geht ihm dann einfach zu weit.

In diesem Youtube Video stehen die Musiker in der Gegend vom Schlesischen Tor in Berlin etwas herum, dann “ nuschelt “ einer wer sie sind. Dann geht es mit Rassel und Kuhglocke los. Nach fünf Takten setzt dann der “ Bass Drummer “ mit einem Faustschlag auf den Gitarrenkoffer ein. Alle zwei Takte.
Minimal Music pur. Diese sparsame Reduktion auf das Minimum und seine permanente Repetition: Das ist der Groove der Minimal Music von Philipp Glass.

Michael Schneider improvisiert auf seinem neuen Matthias Kohl “ Gorilla “ Cello zum Tanz von Saskia Muriel Gompf. Daraus entsteht ein gemaltes Bild der Künstlerin Karla Kreh.

art-ort: vhs-Kunstalerie in Stuttgart.Donnerstag 27.April 2017 um 19 Uhr.

Tanz – Musik – Malerei. Ein perfektes Trio – Kunst entsteht aus dem Moment und der spontanen Eingebung.
Harmonie wie Dissonanz spiegeln sich als gemalte Ewigkeit auf Papier, Karton, Plexiglas wider. Ewig – sofern sie nicht übermalt werden. Aber sehr oft entwickelt die Malerin Karla Kreh aus diesen spontan Entwürfen komplexere Bilder, indem sie die Zeit als Kreativ-Moment auf das Papier bannt.
Der jugendliche Impetus der “ freien “ Tänzerin Saskia Muriel Gompf gibt Michael Schneider reichlich und vielfältig Impulse für eine musikalische Entdeckungsreise nach neuen Klängen und ebenso neuesten Raumerfahrungen auf seinem Instrument.
Jeder Musiker, der Klassiker wie der Free Jazz Freak, alle haben mindestens einen kleinen Handwerkskasten an Strickmustern, Techniken – das sind bewährte Variablen, die sequenzweise oder bruchstückhaft ein gewisses Repertoire bilden. Jeder Musiker spielt sich irgendwann irgendwie auf sich selbst ein.
Aber dann kommen Karla und Saskia – die eine Frau: viel Lebenserfahrung, vom Leben zu reifer Schönheit entwickelt. Die andere Frau: sehr jung, frisch von der Hochschule, naiv-neugierig ohne Lebenserfahrung – ohne langjährige zumindest.
Da helfen dem Cellisten eingefahrene Strickmuster nicht mehr. Da hilft nur eines weiter: Risiko und Neugier. Neue Kontinente auf dem Cello suchen und dann finden.
Dann denkt auch der Cellist Michael Schneider: Nein, falsch, das ist es eben: Es ist ganz anders: Er hört auf zu denken und es geschieht einfach.
Das war es, was ich sagen wollte.

Saskia Muriel Gompf

Saskia Muriel Gompf

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Profis zu Besuch. Michael Schneider macht Musik mit den UmA’s im PHV. Deutsch und Musik im Auftrag des DRK Rhein Neckar.

Drei Abkürzungen! Wie viele davon können Sie in vollständiges Deutsch übertragen ?
33.3 % ? 66,6 % oder 100 %.
Ich lag bei der zweiten Möglichkeit. UmA’s gab es in meiner Schulzeit noch nicht.
“ Unbegleitete minderjährige Asylanten „.
Schon das letzte Jahr in der Breiten Seite Nummer drei in Sinsheim hat mich gelehrt, wie musikalisch und musikbegeistert Afghanen, Syrer und natürlich Afrikaner sind.
Für Minderjährige gilt das natürlich auch schon.

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Heute, am 5. April fanden Annette, meine Partnerin für den Deutschunterricht und ich bis auf Abdul Rahman eine komplette neue Gruppe junger Afrikaner vor.
Musik mit Flüchtlingen heißt : soviel Djemben wie möglich. Eine oder zwei verstimmte Gitarren tun es auch. Fremdharmonische Perkussion auf zwei Gitarren ist für Afrikaner kein Problem – für Michael Schneider spätestens seit heute auch nicht mehr.

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Heute ging die Post so richtig ab. Die Beweisphotos sehen Sie auf dieser Seite.
Dabei war ein Sänger – der junge Mann im grünen T-Shirt.
Er machte den Vorsänger. Immer wenn der Refrain kam: “ in Germany „, dann war lautes Trommeln aller angesagt mit Germany-Gesang der ganzen Gruppe.
We love Solidarity – in Germany.
We….. Hospitality ….We……Liberty……..!
Manches geschieht zum ersten Mal.
Das habe ich bisher noch nicht erlebt.

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Es gab im letzten Jahr die “ Willkommens-Kul-Tour der Sinsheimer Djemben Gambianer. Diese jungen Männer heute formulieren mit ihrer Musik was menschlich ungewöhnlich ist:
Bis sie volljährig sind beschützt sie unser Staat. Dafür bedanken sich diese jungen Menschen mit ihrer Musik.

Wir in Europa leben in einem unvorstellbaren Wohlstand. Unseren Reichtum haben wir in Afrika geklaut, die Länder ausgebeutet und sie in ihrer natürlichen Entwicklung gestört, weil wir meinten, wir sind das Non-Plus-Ultra dieser Welt. Die Flüchtlingsströme haben wir schon lange erwartet. Wohlstandsflüchtlinge waren uns schon lange angekündigt. Ein Jahrhundert der häufigsten Kriege liegt hinter uns und setzt sich gerade fort. Was machen wir ? Wir haben Angst um unseren unermesslichen Wohlstand. Wie krank ist diese Gesellschaft ?
Michael Schneider ist jedenfalls so krank, dass der sich wahnsinnig freut, wenn junge Flüchtlinge sich über unsere Wohltaten freuen.
Eigentlich sollte sich Deutschland bei diesen Menschen für das Chaos entschuldigen, das wir bei ihnen angerichtet haben.

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Was hier so positiv begann ist nur eine Volte, die ich auch in der Musik immer gelebt habe: Einmal alles umdrehen, infrage stellen, aus einer anderen Sicht betrachten. Danach kann ich zu meinem alten Standpunkt zurückkehren oder eben nicht. Jedenfalls habe ich mir Alternativen angeschaut. Dann erst habe ich ich die Möglichkeit der Wahl.
Aber bei einem Gedanken habe ich keine grosse Auswahl mehr:
Wenn sich das Philharmonische Orchester Heidelberg in der Affäre Yordan Kamdzhalov so tief unter die Gürtellinie begibt, dass die Nazis vor Scham fast ( nur beinah ) errötet wären, dann konnte Michael Schneider da nicht mehr mit machen.

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Ein viel schlimmere Variante:
Deutschland verkauft Waffen an Assad. Der bekämpft sein Volk. Eine Bombe aus Deutschland fällt auf das Haus von Abdul Rahman’s Familie in Syrien. Er überlebt den Bombenangriff als Einziger. Ein Auge bleibt ihm, drei Splitter im Körper, die Nase sehr vernarbt. Und nun gewährt ihm Deutschland bis zur Volljährigkeit Asyl. Dann aber beginnt erst das eigentliche Asylverfahren. Haben Sie noch Fragen ?

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Der Profi Michael Schneider besucht mit den Djemben-Proifs aus Gambia das Wilhelmi Gymnasium in Sinsheim. Die Willkommens-Kul-Tour der Flüchtlinge. Eine Initiative von Andrea Schmedes vom DRK Rhein Neckar.

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Pubertisten sind eine ganz eigene Gattung Mensch. Auch am Wilhelmi Gymnasium in Sinsheim. Cool sein. Nicht auffallen. Individuum, aber völlig angepasst. Mund aufmachen ? Fragezeichen! Guten Morgen Michael Schneider, zunächst der Moderator für eine geistig-spirituelle Einführung für die neunten Klassen am Wilhelmi. Reaktion? Null-Komma-Null.
Wahrscheinlich trifft auf die beiden Vormittage am Wilhelmi mit den Djemben-Gambianern die folgende Definition genau so zu wie für mich auf Mathematik:

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Michael Schneider, der Musik und Rede Profi denkt: na dann viel Spass, was wird das werden.
Es wurde. Unglaublich wurde es. Die jungen Männer, Flüchtlinge aus Gambia, Vollblutmusiker seit Windelzeiten ( Gibt es die in Gambia ? Darauf kann nun auch kein gedrucktes Lexikon eine Antwort geben ), sie haben diese Pubertisten geschafft. Im Handumdrehen wandelten sie an zwei Vormittagen verklemmte Pubertisten um in Tänzer und Tänzerinnen die es plötzlich konnten, so selbstverständlich, als wäre es immer so gewesen.

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Flüchtlingskrise ? Ein Segen für unsere Zukunft ? Eine Zukunft mit traumatisierten Menschen. Michael Schneider fragt nicht nach den Ursachen der Flucht. Aber manchmal reden die Ursachen.

Michael Schneider hat über die Djemben Gambianer geschrieben. Aber kein Wort über die Ursachen ihrer Flucht. Ich kann auch diskiret sein. Trotzdem sickerte in der Breiten Seite Nummer drei in Sinsheim immer wieder etwas durch. Ein Afghane spielt nicht mehr Klavier. Warum fragte ich ihn. Mein Klavier ist nicht mehr da, eine Bombe hat mein Haus zerstört. Das Klavier somit auch weg.

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Manchmal empfindet Michael Schneider auch gerinfügige Sachverletzungen als reine Körperverletzung.
Vor wenigen Jahren habe ich meiner Freundin Michelle geholfen das Haus eines wahren Messis leer zu räumen. 300 Quadratmeter vollgestopft mit allem zwei und dreifach. Meine Belohnung: Ich durfte mir aussuchen was ich wollte und legte es in einen offenen Raum, stellte Bretter davor. Mein Name mehrfach deutlich erkennbar.
An einem Tag der offenen Verkaufstür verschwanden alle diese deutlich reservierten Dinge. Es ging nicht um Werte. Es ging um meine Seele. Ob ich diese Dinge habe oder nicht, das ist nicht wichtig. Sie waren sowieso für Freunde und meine Kinder gedacht.
Ist diese Verletzung in diesem Zusammenhang wichtig? Ja das ist sie, denn sie ist lächerlich gegenüber dem was die vielen Flüchtlinge erlebt haben.

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Ich habe über Abdul Rahman aus Syrien geschrieben. Er ging gerade zum Duschen als eine Bombe nicht nur das Haus traf. Er selbst flog ein wenig mit Folgen durch die Luft. Seine Familie nicht. Da flogen Köpfe und andere Körperteile. Alle tot. Soll ich jetzt auch weinen ? Kann ich, würde ich auch gerne. Aber dann kann ich Abdul Rahman nicht mehr helfen.
Ähnliches hat mein Vater in Sibirien erlebt. Er liegt im Schützengraben, unterhält sich mit seinem Kumpel. Dann antwortet er nicht mehr. Geht auch nicht. Weil er tot ist. Erschossen.
Aber nach dem zweiten Weltkrieg war das posttraumatische Belastungssyndrom noch nicht erfunden. Ich leugne es hier keineswegs, aber mein Vater und unzählige andere deutsche Männer bekamen noch nicht einmal ein Dankeschön. Gut, anderes Thema.

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Abdul Rahman hatte ein auslösendes Moment im Deutschkurs im “ Fliegenden Klassenzimmer „, eine Erfindung des DRK Rhein Neckar im PHV. Seine plötzliche Blockade, die dann die gesamte Gruppe hemmte gab mir den Impuls ihn da raus zu nehmen.
Was nun? Wie geht es weiter ?
Ich rede mit ihm: Du kannst nur eines ändern in deinem Leben: Dich. Deine Einstellung zu dem was geschieht. Die Umstände: Meine, die von Michael Schneider optimal, 70 Jahre keinen Krieg, also fast gleich meinem Leben.

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Schau nach vorne, sage ich ihm. Er: ich bekomme so wenig …. Euro im Monat. Ich kann mir keine Kleidung kaufen……!
Ich telephoniere mit Andrea Schmedes vom DRK Rhein Neckar, erzähle ihr davon und dass ich mit ihm, Abdul Rahman in den Kleiderladen „JACKE WIE HOSE “ gehen will.
Sie: Dann melde das vorher an dann bekommt er alles umsonst.
Jetzt kann ich nur noch wie meine Pubertisten reden: “ Wie irre ist denn das ? “

Nota Bene: Demnächst starte ich auf dieser Seite meine Initiative: “ Wie irre toll ist Deutschland ! „
Zupfgeigenhansel sang das folgende Lied zu diesemThema:

ANDRE, DIE DAS LAND SO SEHR NICHT LIEBTEN SONGTEXT

Andre, die das Land so sehr nicht liebten
War’n von Anfang an gewillt zu geh’n
Ihnen – manche sind schon fort – ist besser
Ich doch müsste mit dem eig’nen Messer
Meine Wurzeln aus der Erde dreh’n!

Keine Nacht hab‘ ich seither geschlafen
Und es ist mir mehr als weh zumut –
Viele Wochen sind seither verstrichen
Alle Kraft ist längst aus mir gewichen
Und ich fühl‘, dass ich daran verblut‘!

Und doch müsst ich mich von hinnen heben –
Sei’s auch nur zu bleiben, was ich war
Nimmer kann ich, wo ich bin, gedeihen
Draußen braucht ich wahrlich nicht zu schreien
Denn mein leises Wort war immer wahr!