Die Perfektion der Unmöglichkeit. Workshops bei Michael Schneider. Der schnelle Weg, akademisch informiert die Praxis fliessend in den Griff zu bekommen.

Mein Freund Werner ist Klavierbauer.
Alles klar? Nein. Gut, dann etwas deutlicher was gleich glasklar einleuchtet.
Mein Freund Werner ist Klavierbauer, konnte aber kein Regal bauen.
Michael Schneider ist kein Klavierbauer, hat aber schon mit 17 Jahren Regale zusammen genagelt. Die Bretter hat er vorher mit einem Fuchsschwanz zurecht gesägt – besser: krumm gesägt.
( Inzwischen bin ich auch auf “ Klavierbauer “ umgestiegen und baue Möbel mit der Festool Dübelfräse. Die arbeitet so exakt wie Klavierbauer es nicht anders können ).
Die Perfektion hat meinen Freund daran gehindert, ein Regal jemals fertig zu stellen. Das ist eine Übertreibung, stimmt aber trotzdem.
Michael Schneider macht einfach. Irgendwas, z.B. Musik. Alle Kritik und Häme die mir begegnen, die können mir nichts anhaben.

“ Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. “ ( S. Kierkegård ).

Mein Vater war auch Philosoph. Er hat mir immer wieder gesagt: “ Such dir bessere Mitstreiter, dann kannst du immer etwas lernen „.
Insofern gehe ich ganz entspannt damit hausieren, dass mich einige Kollegen als den schlechtesten Bassisten Deutschlands einstufen.
Richtig daran ist: Dann kann es bei mir immer nur bergauf gehen.
Das ist die Perfektion der Unmöglichkeit. Ich bin immer auf dem jeweiligen Stand des für mich Bestmöglichen.
Jetzt denken Sie an Voltaire: Candide ? Richtig. Wir leben in der besten aller möglichen Welten.
Sind Voltaire und Michael Schneider jetzt Illusionisten ?
Voltaire konnte seine Kritik nicht in Frankreich platzieren, also verlegte er die Geschichte nach Deutschland.
Michael Schneider hat irgendwie immer gewusst, dass die Sonne nicht immer scheint.

Aber jetzt geht die Sonne auf. Für alle die etwas in ihrer Musik verändern wollen.
Der normale oder auch besondere akademische Unterricht ist mir sehr vertraut. Alles musste an der Hochschule auf einmal zusammen kommen und am besten gleich perfekt. Da ist Michael Schneider überfordert.
Ein Mensch der nie eine Hochschule von innen gesehen hat – Francois Rabbath – hat mich gelehrt: es geht auch anders, freier und damit authentischer.
Kaum jemand hat verstanden, dass meine Schüler bei Vorspielen nicht so tun wollen, als wären sie Weltmeister, sondern wir öffnen ein Fenster und zeigen, wo sie gerade sind.
Das ist dann unsere Grosszügigkeit ( von Schüler und Lehrer ), wir gewähren einen Einblick. Der Anspruch, perfekt zu spielen, oder zu zu tun als ob das möglich wäre, der kann nur scheitern.

Play Bach – Paulina Tyszka – Michael Schneider

Querklang am Berghang, Evangelische Bergkirche am 2. Juni um 20 Uhr. Die Suiten I – III.
Musik zur Marktzeit am 3.6.2017 um 10.30 Uhr Stiftskirche Mosbach.
Die Cello Suiten Nr. 1 G-Dur und Nr. 3 C-Dur im Dialog mit Stimme und Violoncello.
Paulina Tyszka – Gesang, Michael Schneider – Violoncello

Als Pablo Casals die Cello Suiten von Johann Sebastian Bach 1890 in einem Antiquariat entdeckte, da ließ er sich zehn Jahre Zeit bevor er diese Werke zum ersten Mal öffentlich aufführte.
Der Kontrabass Virtuose Francois Rabbath beschäftigte sich 40 Jahre mit den Bach Suiten um sie in der originalen Tonlage auf dem Kontrabass zu spielen und entwickelte dafür eine ganz neue phänomenale Technik. Vor fünf Jahren veröffentlichte er dann eine CD mit allen sechs Cello Suiten.
Das Klassik-Jazz Trio von Jacques Louissier sollte 1959 im französischen Fernsehen live Musik von Bach spielen. Die Besetzung bestand aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Wie sollte man diese Musik nennen? Francois Rabbath kam auf die Idee und gab ihr den Namen: Play Bach.
Die Musik von Johann Sebastian Bach ist so lebendig geblieben, weil sie nicht auf eine Aufführungspraxis beschränkt oder fest gelegt ist. Es ist ein Phänomen, dass diese Musik sich besonders dazu eignet mit ihr und um sie herum zu spielen.
Das wurde Michael Schneider sofort klar, als er Paulina Tyszka in Darmstadt bei einem Konzert für neue Musik hörte. Besonders beeindruckend war für ihn die Improvisations Kunst dieser jungen Sängerin, bei der jede Wendung, jede neue Idee und jeder Impuls so selbstverständlich wirken, wie Neue Musik selten ist.

Neue Musik: manchmal, nein: oft anstrengend und bemüht mit einem Mangel an Leichtigkeit. Paulina Tyszka beherrscht die Kunst der Improvisation auf eine Art, die uns glauben lässt: so steht es geschrieben. In den Noten. Das, so etwas kann nicht frei erfunden sein. Und genau an diesem Punkt trifft die Moderne, die Neue Musik, die Avantgarde uns in das Herz, berührt uns dort, wo wir blockiert sind gegenüber dem Fremden und Unbekannten, dem überraschend Neuen.
Michael Schneider hat in Paulina Tyszka und seinem neuen ( Matthias ) Kohl Cello die Partner gefunden, die seiner Klangsprache adäquat antworten können. In diesem Konzert hilft die wunderbare Cello Musik von Johann Sebastian Bach dabei, diese Metamorphose in die Tat umzusetzen: die Musik von Bach wird durch die kongenialen Improvisationen dieser begnadeten Sängerin noch einmal in eine andere und völlig neue Dimension katapultiert.

Paulina 3
Paulina Tyszka

Mit dabei sind die wunderbaren Gold Label Saiten von Gerold Genssler, ohne die Michael Schneider diese Spielfreude für die Bachsuiten kaum erleben könnte.

Die „ Bachsuite „ von Olga Magidenko. Ein Jahrhundertwerk der Cello Literatur. Michael Schneider, der Solocellist schlägt sie schon für das Bundesverdienstkreuz vor. Konzert zu Ehren dieser mutigen Frau am 12. Mai 2017 um 20 Uhr im Querklang am Berghang.

Die Idee zu einem Vorwort zu jeder einzelnen Bachsuite, die stammt nicht von Michael Schneider.
Jean-Guihen Queyras hatte die Idee, für jede der sechs Cellosuiten von Johann Sebastian Bach einen Komponisten um ein musikalisches Vorwort zu bitten.
Michael Schneider wollte das kopieren. Er begann bei Uli Johannes Kieckbusch, der keine Zeit hatte.
Olga Magidenko setzte diese Anfrage sofort in die Tat um. Daraus entstand eine komplette Bachsuite, die auch diesen Namen trägt. Inspiriert, aber nicht kopiert nach der ersten Cello Suite.
Die Uraufführung steht noch aus.
Seit 2012 setzt sich Michael Schneider aktiv für die Kammermusik dieser genialen Komponistin ein. Kammermusikalisch gibt es viele Verehrer und Mitstreiter, die ohne Wenn-und-aber ihre Musik vertreten.
Alle Versuche, die Sinfonien dieser Komponistin beim Philharmonischen Orchester Heidelberg zur Aufführung zu bringen , die scheiterten an der bekannt-üblichen Arroganz der Theater: Anregungen von Musikern? Die können nicht gut sein. Bessere Ideen von anderen ? Das geht gegen den Egomanismus der Intendanten und Konzertdramaturgen. Der GMD hat dann auch noch ein Wort mit zu reden.

Olga Magidenko ist der vital-lebende Beweis einer authentisch modernen Musik. Intensiv, kraftvoll, so erlebt Michael Schneider ihre Musik. Das Schweigen des Publikums nach einer Aufführung ist der „ redselige „ Beweis der Treffsicherheit ihrer intensiven Musik.
Auf Youtube gibt es unter „ Olga Magidenko „ viele Zeugnisse ihrer musikalischen Kraft.
Aber Propheten gelten nichts im eigenen Land, das ist ist auch in Heidelberg nicht neu.
Solange aufsteigende Projekte nichts besseres haben, solange ist „ Örtliches „ gern gesehen. Wird es besser, teurer !!! und international, dann gibt es Qualität nur noch in der Welt, aber nicht mehr vor Ort. Der Heidelberger Frühling hat die Vernachlässigung zu diesem Theme wesentlich mit zu verantworten, trotz aller grossen Worte die anderes suggerieren.
Thorsten Schmidt ist inzwischen „ Intendant „ des Heidelberger Frühlings. Michael Schneider hat noch erlebt, wie er als Mitarbeiter des damaligen GMD Thomas Kalb plötzlich den „ Frühling „ übernommen hat. Das klingt nach Schach, bei dem einige Züge übersprungen werden. Eigentlich ein Grund zur Disqualifizierung. Aber Heidelberg ist dem Faschismus und der Vetternwirtschaft immer noch sehr verbunden.

Pheobe Killdeer, ein Treppengeländer, eine Mülltonne und ein Ehe ? -Ring als Perkussion. Simple Minded Power, Understatement als kreative Kraft. Das Fehlen der Wichtigkeit als Selbstwertgefühl.

Es ist nichts wesentlich Neues was Michael Schneider hier zu berichten hat. Aber dass “ Phoebe Killdeer and the Short Straws “ in ihrem Understatement noch weiter nach unten gehen – das ist für mich das faszinierend Aufregende daran – und ein Treppengeländer und eine Mülltonne als Perkussion einsetzen und dann noch mit einem Ring am Finger noch weiter reduzieren, das ist für mich totale Entspannung. Das ist für den Solokontrabassisten des Philharmonischen Orchesters Heidelberg eine Traumvorstellung wie sie in 35 Jahren in diesem Berufsorchester nur Felice Venanzoni herstellen konnte.

Phoebe Killdeer and the Short Straws

Die Souveränität des Loslassens ist eigentlich, nein, sie ist: Teil der Zen Philosophie. “ Zen in der Kunst des Bogenschiessens “ von Alfred Herrigel.
Diese Abhandlung, dieses Buch über die Suche nach dem West-Ost Verbindenden lehrt die Philosophie des Geschehen-Lasssens. Den Volltreffer ins Schwarze kannst du nicht erzwingen. Es geht nur über das Loslassen. Das will auch die Rabbath Technik vermitteln: Perfektion durch Entspannung. Sie lehrt auch den Weg zum Selbst und einem dauerhaften Glückshormon.
Rabbath und Zen stehen für das Lebensgefühl eines Virtuosen. Aber nicht in dem Sinn der Überheblichkeit über andere. Es geht nur um das eigene persönliche Lebensgefühl.

Falls Sie schon mal auf dieser Seite gestöbert haben: Was haben Sie gelesen ?
In jedem Satz das positive Glücksgefühl eines vom Leben reich beschenkten Musikers.

Phoebe Killdeer and the Short Straws – drogenmässiger Groove, perfektes Timing im Minimal Bereich. Michael Schneider – Anhänger der “ Faktor Feeling “ Bewegung.

Diese Band hat es drauf. In Chalon sur Saone habe ich auf dem Strassentheater Festival Gruppen gehört, die mit Pappkartons und Spülbürste eine perfekte Perkussion Abteilung präsentierten.
Und jetzt kommt Phoebe Killdeer mit einer Kuhglocke und einem Gitarrenkoffer als Rhythm Section bei den Berlin Sessions daher. Auf Youtube habe ich das entdeckt. Geht es einfacher, geht es provozierend einfacher ? Da klopft einer ab und zu auf den Gitarrenkoffer. Geht es noch “ cooler “ ? Der Gitarrist: ein Meister der Sparsamkeit, klingt nach amerikanischem Southern Sound mit südamerikanischer Kuhglocke und Gitarrenkoffer.
Rhythm is it. Mehr gibt es dazu kaum zu sagen. Der “ Feeling “ – Solokontrabassist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg war 35 Jahre diesem Timing auf der Spur. Dann, nach 35 Jahren kommt diese Musik auf Youtube daher.

https://www.youtube.com/watch?v=nGEesJU92K8

Nehmen Sie das nicht zu ernst. Es kam schon oft vor. Aber dazu brauchte es gute Dirigenten und Musiker die bereit sind auch in der Klassik diesen groovigen Charakter der Musik auszuführen. Das lieben Klassiker nicht unbedingt. Die wissen, was sie gelernt haben. Und sie wollen das dann auch nicht ändern. Jedem Jazzer wird gesagt: bei einer Abweichung vom richtigen Timing ab 5 %: Such dir einen neuen Job. Die Klassiker sind aber quasi Musikbeamte, die suchen sich keinen neuen Job. Wovon rede ich ? Von meinen Kollegen in den vielen Orchestern.
Wer seinen Beruf zum Geldverdienen gewählt hat, der will arbeiten, seine Arbeit machen. Vom Faktor Feeling oder Rhythm is it: Das geht ihm dann einfach zu weit.

In diesem Youtube Video stehen die Musiker in der Gegend vom Schlesischen Tor in Berlin etwas herum, dann “ nuschelt “ einer wer sie sind. Dann geht es mit Rassel und Kuhglocke los. Nach fünf Takten setzt dann der “ Bass Drummer “ mit einem Faustschlag auf den Gitarrenkoffer ein. Alle zwei Takte.
Minimal Music pur. Diese sparsame Reduktion auf das Minimum und seine permanente Repetition: Das ist der Groove der Minimal Music von Philipp Glass.

Michael Schneider im Rote Insel Salon – Berlin – am 18.3.2016 mit Werken von Olga Magidenko, Frank Proto, Francois Rabbath und Uli Kieckbusch.

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Der Solokontrabassist Michael Schneider lässt es sich seit seinem Dienstantritt vor 35 Jahren in Heidelberg nicht nehmen, neben seiner Dienstbezeichnung auch tatsächlich als Solist aufzutreten. Das Ergebnis, die Erkenntnis dieser ausgiebigen solistischen Tätigkeit sind einige Werke, die immer wieder begeistert aufgenommen werden auch von Zuhörern, die mit Neuer Musik sowie mit moderner Kontrabass Musik nicht vertraut sind.
Das erste “ erfolgreiche “ Stück ist Kadenza von Teppo Hauta Aho. Nicht umsonst ist es so berühmt wie gern gespielt, auch wenn der Komponist es nicht mehr hören kann. Für Michael Schneider ist es immer noch vorrangig vor der “ Pieni Bassophantasia „.
“ Spagnolo “ für Kontrabass Solo von Olga Magidenko wurde von mir vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben und heimst seitdem in vielen Konzerten begeisterte Erfolge ein. Bei aller Sprödigkeit mit vielen tiefen Tönen und Doppelgriffen in tiefen Lagen überragt es musikalisch wie spieltechnisch das so hoch bewertete “ Hommage à Bach “ von Zbinden, bei dem ich nie Spielfreude entdecken konnte. Dieses Stück bezeichne ich als anstrengend und sehr bemüht, irgendwie kopflastig. Aber ich betrachte mich auch weniger als Musiker denn als Musikant. Also liegt diese Kritik wohl eher in meinem Wesen als am Stück.
Ganz still im Raum wird es immer wieder, wenn ich den zweiten Satz aus der Kontrabass Sonate “ 1963 “ von Frank Proto Solo spiele. Wenn kein Pianist zur Verfügung steht, dann empfehle ich jedem Solisten diesen Satz Solo zu spielen. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass diese wunderbaren Bebop Phrasen ohne das – störende – Klavier viel klarer und eindringlicher in die Gefühle der Zuhörer eindringen. Knisternde Stille im Raum animiert mich zu dieser Darstellung.
Seit ich die Kompositionen von Francois Rabbath spiele hat sich in meiner Musik und der Spiegelung durch das Publikum etwas radikal geändert: Da wundert sich niemand mehr darüber, warum ich so hoch spiele. Diese Musik vermittelt alles andere als den Eindruck, dass da einer versucht besser als die Cellisten zu spielen. Das ist einfach Musik vom, für den Kontrabass. Musikalisch glaubwürdig, authentisch sozusagen. ( Und als Geheimtip für neugierige und suchende Bassisten: Genssler Rabbath Saiten verwirklichen alle Träume die ihr Bassisten noch nie hattet. )
Und jetzt folgt noch Uli Kieckbusch: Freund und begnadeter Komponist, sowie Urgrossneffe von Johannes Brahms.
“ Tänka Pa Ko „, ein Blues der ihm in Finnland in den Sinn kam. Auch dies ein stilles Stück, das mein Publikum immer wieder noch stiller werden lässt.
Meine – spontane – Erkenntnis beim Schreiben in diesem Moment: Stücke, die einfach nur Musik sein wollen, die eine Geschichte erzählen, unprätentiös, also noch einmal : authentisch: die werden dankbar an- und aufgenommen. Das Gehirn versteht, wird aber nicht berührt. Darum haben wir das Wort: kopflastig.

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Kontrabass – 5-Saiter zu verkaufen. Er stammt von den Berliner Philharmonikern. Michael Schneider zieht sich vom Orchester zurück. Sein Bass wird verkauft, weil der in ein grosses Sinfonieorchester gehört.

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In den 1930er Jahren kaufte der damalige Solokontrabassist Herr Wilhelm von den Berliner Philharmonikern einen alten französischen Fünfsaiter, den er dann seinem Sohn vermachte, der ihn bis 1980 in der Stuttgarter Staatsoper spielte. Dann konnte Michael Schneider dieses phänomenale Instrument erwerben. Das Instrument ist heute ca 180 Jahre alt. Es zeichnet sich aus durch einen wunderschönen kräftig samtenen Ton. Seit einer Vibrationsentdämpfung in den achtziger Jahren spricht der Bass an wie ein Cello.
Mit Professor Doris Geller von der Mannheimer Musikhochschule haben wir im Flötentrio ( mit Kontrabass Besetzung ) viele Bässe ausprobiert. Frau Prof. Geller befand, dass dieser Bass der Berliner Philharmoniker das schnellste und klarste Instrument in der Ansprache ist, das wir kennen.

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Mein erster GMD, Herr Christian Süss sprang während einer Orchesterprobe plötzlich vom Dirigentenpult auf Michael Schneider zu, um den wahnsinnig schönen Ton meines Basses zu loben.
Bald darauf teilte mir ein Kollege von den Klarinetten, Heribert Eckert mit, dass es in seinem Nacken heftig zieht, wenn er vor mir, vor meinem Bass sitzend spielen muss.
Damals spielte ich noch Pirastro Saiten. Bei diesem Instrument ist es übrigens egal, welche Vorlieben der Spieler hat. Die Qualität lässt sich bei diesem Instrument durch nichts mindern.

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Eine weitere hervorragende Eigenschaft dieses Kontrabasses ist neben seiner Kraft, Klangschönheit, sowie der leichten Spielbarkeit, dass er sehr stabil ist. In 35 Jahren in Heidelberg mit dem ständigen Wechsel von Spielorten hat er nie geschwächelt, etwa durch Risse oder andere Macken. Zweimal war der Hals durch Fremdeinwirkung gelöst. Michael Schneider legt ihn seitdem nur auf dem Boden ab. Und vor allem durfte nie jemand anderes darauf spielen.

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Die Mensur lässt einen mit 113 cm vielleicht erschrecken. Ich habe mich daran sehr schnell gewöhnt. Ausserdem unterscheidet sich die Mensur so erheblich von kleineren Bässen, dass ich sagen kann, dass gerade der deutliche Unterschied zu meinem Viersaiter die Intonation sehr erleichtert. Als viel gravierender käme mir ein minimaler Unterschied zweier Instrumente vor.
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Der Bass hat eine klare D-Mensur. Der Rest erklärt sich dadurch von selbst.
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Das zweite Bachchor Konzert am 13. Dezember 2014 in der Heidelberger Peterskirche mit Felice Venanzoni und dem Philharmonischen Orchester Heidelberg sowie Michael Schneider und Georgi Berov an den improvisierenden Continuo Kontrabässen.

Wieder einmal staunte Michael Schneider, der Solo Kontrabassist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg Bauklötze, als in diesem Konzert unter der Leitung von Felice Venanzoni so richtig die Post abging.
Anders lässt es sich nicht ausdrücken. Eigentlich stand vorne am Dirigentenpult die Rock Legende Mick Jagger ( als italienische Version ), zumindest von seinen agilen Bewegungen her betrachtet. Der Konzertmeister konnte an diesem Abend nicht umhin, sich diesem motivierenden Dirigat anzuschließen, er schäumte förmlich in einem wogenden Bewegungsorkan, selbstverständlich mit dem dazugehörigen musikalischen Ergebnis.
Und was war sonst noch los?
Schier unglaublich, unfassbar zumindest in diesem Konzert für Michael Schneider.
Die beiden Kontrabässe waren geteilt und sassen sich seitlich des Orchesters gegenüber.
Venanzoni hatte Michael Schneider zu Beginn der Proben darüber aufgeklärt, wie Barock Musik zu spielen ist. Die wichtigste Erkenntnis war: „ Spielen Sie nicht alles, nur die Hälfte und spielen Sie ansonsten was und wie Sie wollen. Machen Sie Musik, machen sie Jazz oder Rockmusik „.
Das liess sich Michael Schneider abends im Konzert nicht zweimal sagen und improvisierte fleissig drauflos. Dafür gab es nach dem Konzert noch nicht einmal Schimpfe vom Dirigenten, sondern genau das Gegenteil.
Aus diesem Wechselspiel der beiden Continuo Kontrabässe ergab sich des öfteren eine Zweistimmigkeit, beziehungsweise zwei-chörige Stimmentwicklung mit beeindruckenden Stereo, Echo und Kontrapunkt Effekten. Und das alles entstand aus dem spontanen Spielmoment.

Ein beeindruckender Abend und eine Demonstration vitalster Aufführungspraxis, die möglich wird, wenn vom Dirigenten solche inspirierenden Impulse kommen wie von Felice Venzanoni.

David Loeb, New York – neue unbekannte Literatur für Violoncello und Kontrabass entdeckt von Michael Schneider, Heidelberg.

David Loeb (composer)

From Wikipedia, the free encyclopedia
 David Loeb (born May 1, 1939) is an American composer of contemporary classical music. Born in New York City, he has written extensively for early music instruments such as the viol, as well as instruments fromChina and Japan. He teaches at the Mannes College The New School for Music, and has additionally served as a member of the composition faculty at the Curtis Institute of Music. He is Jewish.[1]

His notable students include Jennifer Higdon, Jeremy Beck, and Craig Walsh. 

Zitiert aus: http://en.wikipedia.org/wiki/David_Loeb_(composer)

Seine offizielle Webseite: http://www.philmultic.com/composers/loeb.html

1974 begann ich mit dem Kontrabass Studium in Lübeck. Damit begann auch meine intensive Suche nach Literatur für Kontrabass, beziehungsweise für Literatur mit Kontrabass in der Kammermusik. Eine erste Entdeckung  war ein drei sätziges Duo von David Loeb für Violoncello und Kontrabass. Diese Werkangabe fand ich in Alfred Planyavsky’s Kompendium “ Geschichte des Kontrabasses“.

Dieses Duo hat mich seit 1975 begleitet, ohne dass ich jemals feststellen konnte, dass andere dieses fantastische Duo aufführen. Dann ging meine Suche weiter nach guten Stücken von David Loeb. Ich fand: “ 5 Nocturnes for Cello und Double Bass „, die ich erst heute mit Walter Pfundstein am Kontrabass  in Angriff nehme.

Mit großem Erfolg habe ich ( am Cello ) und Walter Pfundstein am Kontrabass das oben erwähnte Duo in der Bergkirche Schlierbach aufgeführt. Auf der Suche nach weiteren Querklängen schrieb ich dem Komponisten eine Mail um mich bei Ihm für dieses tolle Duo zu bedanken. So begann ein reger Mail Austausch, der dazu führte, dass der Komponist mir “ Three Pastorales für Cello and Double Bass „ schickte.

In diesen drei Duos beweist er ( wie auch in den “ Five Nocturnes “ ) seine profunde Kenntnis der Möglichkeiten im Umgang mit Flageolett Tönen und ebenso beglückend klar und eindeutig in der Notation, dass sich viele andere zeitgenössische Komponisten daran ein Beispiel nehmen sollten. Ich bezeichne seine Musik als modernen Neoklassizismus.

Die Flageolett Notation bei den Kontrabässen ist im Orchester bis heute noch ein immer wieder kehrendes Kuddelmuddel. Arnold Schönberg schreibt z.B. ein tiefes D im Bass Schlüssel ( unter der ersten Hilfslinie ) und darüber ein Karo Fis ( also Flageolett ) und notiert dazu: klingt eine Oktave höher. Das war zu seiner Zeit wohl die “ korrekte “ Notation. Mir will nicht einleuchten, warum er nicht gleich die leere D-Saite mit einem Karo-Fis schreibt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass dann jemand versucht hätte, dieses Flageolett eine Oktave höher zu spielen. Bei David Loeb ist mir zum ersten mal eine klare und konsequente Schreibweise der Flageolett Töne begegnet. Dort wo ein Flageolett liegt notiert er den gegriffenen Ton als Karo und notiert darüber die dann erklingende Tonhöhe.

Auch bei Alfred Planyavsky ( Geschichte des Kontrabasses ) finde ich im Wesentlichen nur ein Lamento über ein nicht bereinigtes Chaos.

Wenn es den Spielern gelingt, die vielen scheinbaren Dissonanzen sauber zu intonieren, dann gewinnt die Musik von David Loeb einen süchtig machenden Charme. Seine Verwendung vieler Flageolett Sequenzen gibt dem Duktus seines Stils ein sehr einnehmendes Timbre, vermittelt die Faszination einer magischen Aura aus einem fernen Land, einer anderen Welt. David Loeb ist Jude und seine Beschäftigung mit Alter Musik und sein musikalisches Interesse für China und Japan ergeben ein Mischung, die erahnen lässt, welche Versuchungen den Hörer seiner Musik erwarten.

Duos von David Loeb für Violoncello und Kontrabass:

  1. Duo: Prelude-Dance-Dirge
  2. „Three Pastorales“
  3. „Five Nocturnes“

 

Für Violoncello hat David Loeb einige ausserordentliche Solo Stücke komponiert. die “ Sunrise Legends for Cello Solo „ sind fünf Perlen der Cello Literatur. Fortsetzung folgt.

Michael Schneider fällt es wie Schuppen von den Augen: ein Leser und Kenner und “ Besser-Wisser “ im positivsten Sinn hat mich eines Besseren belehrt – über die Lagen Einteilung bei Franz Simandl.

Herr A. A. schrieb mir den folgenden Kommentar :  “ Kleine Anmerkung: Die Lagen auf der G-Saite (Bass) sind nicht nach der B-Dur-Skala benannt, sondern in C-Dur. Relevant ist nämlich nicht der 1., sondern der 4. Finger, somit also die jeweilige Grenze des Tonumfangs nach oben.“

Dieser Kommentar bezieht sich auf meinen Artikel: Die Lagenbezeichnungen auf dem Cello und dem Kontrabass

Jetzt macht das auch für mich einen Sinn, bzw. jetzt verstehe ich das Denken von Franz Simandl und dass ich jetzt mit meiner Weisheit als der Unwissende hier herumstehe, das macht mich auch noch glücklich.

Dies ist für mich ein besonders eklatantes Beispiel, wie sich durch einen anderen Blickwinkel eine “ Wahrheit “ quasi in das Gegenteil verkehren kann. Aus Simandl’s sinnloser, zumindest mir nicht zugänglicher Denkweise, strahlt plötzlich ein klares C-Dur und die Sonne geht auf. 

Word Press teilt mir zurzeit mit, dass es mich schon vor 15,291 Spam-Kommentaren bewahrt hat. Von den restlichen, die Word Press als Kommentar durchgehen lässt, lösche ich noch einmal 99,99 Prozent. Und was dann übrig bleibt, das ist dann der Prozentsatz, der mich glücklich macht. Glücklich, weil ich nun wieder weiss: bilde dir nicht zu viel ein Michael Schneider, morgen kommt einer des es besser weiss. Das ist mir bewusst und darum freue ich mich so darüber. Voilà hier ist er und darf sich gerne noch einmal melden, denn ich hoffe, nicht nur ich möchte wissen, wer so gut informiert ist.