Michael Schneider, der Klangfetischist im Allgemeinen und im Besonderen auf dem Kontrabass und dem Violoncello. 5 Jahre Querklang am Berghang in Zusammenarbeit mit Gerold Genssler, Saitenmacher in Berlin. Zwei Konzerte in der Bergkirche Schlierbach am 20. und 22. Oktober 2017.

Zum fünfjährigen Bestehen der Reihe “ Querklang am Berghang “ hier einige Gedanken zum Klang, der dem Queren dieser Konzertreihe seinen Namen leiht. Neben den vielen musikalischen Experimenten in schier unzähligen Genres und “ Quer- “ Verbindungen ist die Bergkirche auch ein Versuchsfeld mit den Saiten von Gerold Genssler.
Oft, bei Improvisationen wie bei fordernden Avantgarde Kompositionen werden die Saiten arg strapaziert. In fünf Jahren hat Gerold Genssler seine Leidenschaft für Saiten bis zu den Golden Label Saiten für das Violoncello gesteigert. Michael Schneider musste dann aber feststellen, dass die A-Saite bei langanhaltender Bespielung nur zwei Monate überlebt. Wie in der Ballade von Michael Ende über den Seiltänzer Felix Fliegenbeil wollte er die A-Saite so dünn machen, dass zwischen dem Gold und dem Seil kein Raum mehr für abfedernde Polsterung war. Nach vorübergehendem Rückschlag hat er nun doch eine Lösung gefunden, die Michael Schneider in Kürze spielen darf.

Für das Violoncello gilt für Michael Schneider auf diesem weiten Feld der Suche nach dem “ Klang “ und dem breitgefächerten Repertoire der letzten Jahre:
1. Mit der Rabbath Technik entfällt das Drücken, ich spiele nur mit dem Armgewicht, muss also den Kontakt zur Saite nicht suchen sondern klebe daran.
Dadurch gehe ich mit der A-Saite auf knapp vier Millimeter Saitenabstand am Ende vom Griffbrett. Kaum ein Geigenbauer traut sich freiwillig die Saiten so tief zu legen, weil sie nur die andere Spielweise kennen.
2. Die Recitalbox. Sie verleiht dem Cello (ebenso der Gitarre und sogar dem Kontrabass ) einen langen Nachhall mit Entdämpfungseffekt. So habe ich in jedem Raum die Akustik wie in einer Kirche.
3. Das besondere Aufhängeseil für den Saitenhalter, eine Erfindung von Gerold Genssler. Inzwischen sind auch Bass und Geigenbauer davon begeistert und empfehlen es. Ausserdem geben sie es zum gleichen Preis weiter, den jeder auch bei Gerold bezahlen muss.
4. Lauffer Feinstimmwirbel lösen das bedrängt-verklemmte Stimmen mit den Feinstimmschrauben. Das ermöglicht auch die Aufhängung der Saiten in einer Schlaufe. Dadurch kommt die Saite auf der gleichen Ebene aus dem Saitenhalter wie das Aufhängeseil. Dadurch “ schwimmt “ der Saitenhalter quasi auf einer Ebene über den beiden Ausgängen von Saite und Saitenhalter. Die eklatante Klangsteigerung durch diese Veränderung konnten mir sogar meine Bass Kollegen im Orchester immer wieder bestätigen.
5. Die Saiten von Gerold Genssler. Ob ich drücke, das weiss ich nicht mehr. Die tiefe Saitenlage ist der eine Aspekt. Verlasse ich die Saite, so folgt sie dem Finger nur minimal nach oben. Die Genssler Saiten erlauben es mir, mich richtig gewaltig in die Saite zu legen obwohl sie kaum einen “ Drück-Widerstand “ hat.
Nach einem Konzert in der Toskana in diesem Sommer kam jemand aus dem Publikum und fragte mich, ob ich ein sehr altes Cello spiele, der Klang wie der kraftvolle Sound bewegten ihn zu dieser Frage. Ich fragte erstaunt zurück: sind Sie Musiker. Nein, ich habe das nur gehört.
Ich spiele einen Neubau aus dem Jahr 2016 von Matthias Kohl, Geigenbauer in Heidelberg.

Rabbath Technik : Virtuosität für jeden – schon ab dem ersten Ton. Eine andere Vision von Musik und ihr “ Spielen “ als Gegensatz zu : Arbeit.

Eine Cello Schülerin aus Sizilien hat nun drei Jahre bei mir Unterricht. Davor hatte sie einige Stunden bei einem Freund ihren Alters, aber cellomässig von junger Jugend an unterwegs.
Jedes Jahr in der Sommersemester Pause fährt sie zurück nach Sizilien. Letztes Jahr fragte sie dieser Freund und Ex-Lehrer, wie sie die Lagen findet – also im geographischen Sinn, nicht den Geschmack betreffend. Der wusste inzwischen, dass auch sie die Lagen nach der Idee von Rabbath einteilt. Vor einem Jahr konnte sie es ihm nur zeigen aber nicht erklären.
In diesem Sommer sieht es anders aus: Die kommende Begegnung wird ein Treffen unter Kollegen, ihr ehemaliger Lehrer wird von ihr einige Lektionen erhalten.
Rechts hat diese Cellistin inzwischen eine weiche geschmeidige Bogenhand und sie und ihr Heidelberger Lehrer sind gespannt, ob das in Sizilien bemerkt wird.

Michael Schneider hat oft auf dieser Seite von den vielen Anfeindungen im Heidelberger Orchester berichtet.
„ Bleib doch bei uns, verlass uns nicht „ – war eine noch sehr freundliche Formulierung.
Professor Hoffmann aus Karlsruhe konnte die andere Bogenhaltung und die Rabbath Technik für die linke Hand überhaupt nicht ausstehen.
Vier Jahre waren vergangen seit ich bei Rabbath ein neues Studium begonnen hatte, da sass ich mit Professor Hoffmann an einem Pult und ungefragt kommentierte er nach dem Konzert: Das stimmt was du da machst, das überzeugt.
Ein zweiter „ Feind „ kam zu der gleichen Erkenntnis. Mannheimer Nationaltheater, wir beide wieder an einem Pult. Den Rest können Sie sich denken.

Meine Glückseligkeit mit der Rabbath Technik führte in meiner Philharmonischen Tätigkeit zu absurden Situationen.
Meine dünnen Saiten, meine tiefe Saitenlage ermöglichen mir, an jeder Stelle meines Instruments zu spielen. Auch in hohen Lagen auf den tiefen Saiten.
Nach einem Konzert kommt jemand aus dem Publikum zu mir – mein Stellvertreter steht gerade neben mir – und fragt, ob ich eine andere Stimme spiele als meine Kollegen. Wäre ich mein Stellvertreter, ich würde in Grund und Boden versinken.
Aber – meine – weise Antwort: Viele Wege führen nach Rom.

SAP Orchester mit Konzert: Eine bulgarische Kontrabassistin spielt neben mir und schwärmt mir vor, wie toll sie es findet, dass ich Rabbath Technik spiele. Sie hat auch so angefangen, aber Professor Schmidt zwang sie umzusteigen.
Erstens: Er kann nur Deutsch.
Zweitens: Mit Rabbath – rechts oder links – bekommt man in Deutschland keine Stelle.

Osvaldo Golijov’s Musik über Vertreibung und Ausgrenzung. Ein zeitlos ungelöstes Thema.

Freitag 14. Juli 2017 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach :
Spanische Weltmusik des 16. Jh. als Spiegelbild dreier Kulturen in Liedern aus der Sicht dreier Religionen: Juden, Moslems und Christen. Musik aus Zeiten des Umbruchs – friedlich vereint, dann der Wandel: die Gemeinsamkeit zerbricht. arkestra convolt gestaltet einen Abend, der aktueller nicht sein kann.
Musik von Osvaldo Golijov, Enrique Granados und Ernest Bloch. Neu mit dabei: Elisa Herbig, Cello und die Schauspielerin Cornelia Bielefeldt.

Der Kontrapunkt der Kulturen, über das Golijov Projekt mit arkestra convolt:

Die meisten Menschen sind sich in erster Linie einer Kultur, einer Umgebung, einer Heimat bewusst. Menschen im Exil leben mit mindestens zwei Kulturen. Diese Pluralität der Sicht weckt ein Bewusstsein für die Gleichzeitigkeit verschiedener Dimensionen, ein Bewusstsein, das, um einen Ausdruck der Musik zu entlehnen: kontrapunktisch ist.

In Golijov’s Ayre – ein Wort aus dem Spanischen des Mittelalters, das Melodie bedeutet, geht es um die Vermischung dreier Kulturen: Christen, Araber, Juden, im südlichen Spanien des späten 15. Jahrhunderts, vor der Vertreibung der Juden.
Der Wechsel von friedlicher Koexistenz mit offenem Konflikt zwischen diesen drei Kulturen wirkt bis in unsere Zeit nach. Mit einer kleinen Wendung, so Golijov, wechselt eine Melodie vom jüdischen zum arabischen und weiter ins christliche Idiom.
Wie eng verknüpft sind diese Kulturen, wie furchtbar ist es, wenn sie sich nicht verstehen. Die Trauer, mit der wir heute leben, existiert bereits seit Jahrhunderten und doch war zwischen diesen Kulturen Harmonie möglich.

Golijov greift auf eine breit gefächerte persönliche Auswahl von Quellen zurück.
Die Musik gründet sowohl auf Fundsachen: einem sephardischen Liebeslied oder einem christlich-arabischen Osterhymnus – wie auf original komponierten Melodien.
Die Texte in Arabisch, Hebräisch, Sardisch und Spanisch so wie in ladinischer Sprache geschrieben, der einstigen Sprache der spanischen Juden, der Sephardim.
Eine Vielfalt menschlichen Erlebens tut sich auf, von Liebe und Eifersucht bis hin zu blinder Wut, frommer Sehnsucht und Gebeten.

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Mit den Djemben-Gambianern aus Sinsheim löst Michael Schneider die Probleme stundenweise.

Angela Merkel und der G20 Gipfel nehmen Hamburg als Geisel für ihren Egoismus. Angela Merkel macht Wahlkampf mit Donald Dump, Mördern und Diktatoren? Gehört Holger Schultze, Intendant des Heidelberger Theaters auch dazu ?

Im Spiegel stellte jemand die Frage, warum der G20 Gipfel nicht auf einem Flugzeugträger stattfindet.
Dazu meine Frage: Könnten die linken gewalttätigen Autonomen vielleicht auf die Idee kommen genau diesen Flugzeugträger zu versenken ?
Oder liegt der Gedanke näher, dass sich Angela Merkel und ihre befreundeten Autokraten, Mörder und Diktatoren in Hamburg besser unter die Bevölkerung mischen können, sozusagen als Schutzschild gegen die Linken? Oder den IS, der dann vielleicht sich doch nicht traut, ganz Hamburg zu vernichten?

Der G20 Gipfel und meine Fragen dazu sind genauso absurd wie das Verhalten des Heidelberger Intendanten Holger Schultze, der sich in der Affäre Yordan Kamdzhalov als perfekter Faschist präsentiert hat. Und der feige Oberbürgermeister Dr. Würzner hat ihm die Füsse geküsst für sein Verhalten, so wie unsere Kanzlerin Angela Merkel es mit Erdogan und Donald Dumb praktiziert.

Ich weiss, warum ich nicht in Hamburg bin: Ich will nie einen Knast von innen erleben.
Ich habe in Heidelberg die masslos übertriebene Machtdemonstration durch die Polizei erlebt, die der damalige Oberbürgermeister Reinhold Zundel in den achtziger Jahren vom Zaun gebrochen hat.
Ich ging nachts mit meinem Hund Gassi und fand mich plötzlich umzingelt von gewaltbereiter Polizei.
Auf dem Uniplatz ein kleines Lagerfeuer von einigen Pennern. Die Demonstranten für ein autonomes Jugendzentrum längst weg. In allen Seitengassen standen die schlagbereiten Kohorten von Reinhold Zundel.
Dann die Durchsage der Polizei: Wer in in fünf Minuten den Uniplatz nicht verlassen hat, der muss mit Konsequenzen rechnen. ( Wasserwerfer, Scheinwerferlastwagen, Kohorten vermummter Polizisten in allen Seitengassen ).
Krank. Reinhold Zundel? Nein, seine Denke, so wie jetzt in Hamburg. ( In Sibirien im Arbeitslager ist viel Platz für diese morbide Veranstaltung ).
Wie war das damals: Jungs, jetzt löschen wir mal das Feuer und gehen ins Bett. Der Dorfpolizist spendiert noch einen Kasten Bier für den Heimweg und die Sache ist gegessen.

Aber Angela Merkel und ihre Kumpels müssen uns zeigen wie verdorben und pervers unsere Welt ist und erzwingen und provozieren das, was wenige wollen: Die Mächtigen Arschlöcher unter sich, mitten in der Hamburger Bevölkerung, die hat dann am Ende die Schuld am Versagen dieser Grosskotzen.
Angela Merkel küsst Erdogan die Füsse, damit er die Flüchtlinge von uns fernhält: Wie krank ist das denn Frau Kanzlerin ?
Lieber mal weniger Reichtum und mehr aufrechten Gang. Unseren Reichtum haben wir von den heute armen Ländern geklaut. Seien Sie endlich mal ehrlich und entschuldigen Sie sich in unser aller Namen für die beklauten und ermordeten Völker.

Flüchtlinge, Ehrenamt und Deutschunterricht als musikalische Selbsterfahrungsgruppe. Dank an das DRK Rhein Neckar. Neutrales Survival Training für seelisch Ertrinkende.

Heute grosse Enttäuschung: alle sind pünktlich erschienen. Michael Schneider kommt 10.02, ergo: zu spät.
Die Enttäuschung geht weiter: Nur zwei junge Männer der alten Besetzung sind dabei, keine Frau, also gemeint ist F….., die – auch – musikalische Seele der letzten Wochen.
Name, Land und Sprache stehen bald an der Tafel.
Dann das Alphabet, dargestellt anhand von Nahrungsmitteln.
Es wird auch fleissig genuschelt.
Heute keine Musik. Nein, heute ist grosse Oper angesagt. Wir singen die Nahrungsmittel, mal rhythmisch als Rap, dann als grosse Oper mit noch grösseren Gesten. Michael Schneider animiert die sich blamierenden Neulinge, die das sehr und noch mehr zu geniessen. Die lassen sich tatsächlich nicht lumpen und machen mit, gehen über sich hinaus und merken: das bin ich doch tatsächlich und es gefällt mir.
Annette, meine Mittwoch-Partnerin im Deutschunterricht wird plötzlich sehr musikalisch, tanzt und singt das Nahrungsmittelalphabet.
Haben wir die nuschelnden Afrikaner überrumpelt ? Sind wir ihnen bei ihren geheimsten Wünschen begegnet ? Oder in ihrer freien unbeschwerten Vergangenheit ?
Heute wurde meine manchmal weinende Seele wieder auf eine ganz besondere Weise mit dem Unabänderlichen unserer grossen Politik versöhnt.
( Michael Schneider sollte Bundeskanzler werden, er würde zwei Millionen und mehr Flüchtlinge nach Deutschland einschleusen ).
Wo ist die Versöhnung ?
Die liegt heute in Deutschland. Annette lebt in Deutschland und entwickelt mit mir eine wunderbare Synergie: Ich lerne hilfreich zu assistieren, wenn Bilder zu unbekannten Begriffen gegoogelt werden müssen. Und Annette hat die Musik entdeckt, fängt an zu tanzen, rappt und wird zur grossen ungehemmten Operndiva.
Wieder überraschte aber strahlende Gesichter. Ungläubiges: Es ist doch wahr was hier gerade geschieht.
Mit den Worten meiner sieben Kinder: „ Geile Nummer „ !
So wie inzwischen jeden Mittwoch.
Wir beide wissen und leben es: Pack sie beim Kragen, lass sie nicht los. Will etwas von ihnen !
Ich sitze im Auto, schleiche durch das PHV und sehe wieder strahlende Gesichter, winkendes Strahlen aus Afrika.
Gambia, Somalia, Kamerun, Guinea und Nigeria.
Die so wunderbare Zusammenarbeit mit Helfern, die “ gemeinsam „ in den Vordergrund stellen ist eine gute Medizin gegen den permanenten Abschied seit ich mich um Begrüssung bemühe.
Übrigens und Nota Bene: Nigeria will in den HipHop Kurs einer Tanzschule. Ihn habe ich gleich an beide möglichen Orte geführt und mit ihm klargemacht, dass der dort auch ankommt und mitmacht. Damit verbunden wird auch eine Patenschaft, die unsere Bundeskanzlerin gespendet hat.
Das war also ein super toller Tag zum Lachen.
Dann ertrage ich auch die kommenden Tränen für ein „ Nimmerwiedersehen“.

Der Profi zu Besuch. Musikunterricht als perfektes Medium für schnelles Deutschlernen. Klare Aussprache inbegriffen.

Musik ist Melodie und Rhythmus.
Sprache ist Text – denkt man.
Sprache ist Melodie und lebt wie die Musik von Akzenten, Sprachmelodie und besonders von Pausen.
Das Verstehen dieser Bausteine erschliesst sich den Sprachschülern aus Gambia, Somalia, Eritrea und Guinea sobald sie die Melodie können. Dann fühlen sie geradezu, dass die Sprache rhythmisch dazu passen muss.
Michael Schneider klopft den Beat dazu, die ganze Gruppe lernt so, sich einem gemeinsamen – zunächst: Tempo – dann Rhythmus anzuschliessen.
Bei allem ist wichtig: sei hemmungslos. Sprich falsch aber laut. Blamier dich, zeige allen dass du es noch nicht kannst. Nur so können die Lehrer das vereinte Afrika verbessern und noch wichtiger: niemand übt stumm auf seinem Instrument.
Hier im Patrick Henry Village wird der Körper zum Instrument.
Gleichzeitig lernen alle, den anderen zu respektieren und bewusst wahrzunehmen: alle hören gemeinsam zu.
Alle stehen unter wohlwollender Kontrolle, abschweifen oder handyarbeiten: No Go.
Ist jetzt jemand beleidigt oder fühlt sich unterdrückt?
Ich fürchte nein. Alle schweben mit Handküssen davon.
Und : Alle fünf Strophen von “ Grün grün grün ….. “ können sie klar und deutlich sprechen und singen.
Lerndauer: 60 Minuten.
Wären wir Deutschen im umgekehrten Fall auch so fit ?

Wenn es das schon gibt, dann habe ich es gerade neu erfunden. Es war mir nicht bekannt.
Ein Beweis dafür, dass, was einmal auf der Welt gedacht wurde nicht mehr wegzudenken ist.
Meine Betreuerin vom DRK war heute dabei und schrieb mir nach dem Unterricht: „ Es war richtig toll. Man merkt richtig, wie sich die Bewohner darüber freuen mit euch Musikunterricht zu machen „.
Wann der nächste Abschied kommt, für Flüchtlinge wie Ehrenamtliche – wir alle wissen es nicht. Aber diese lückenlose Nähe und die abschiedlichen Handküsse sind Balsam für die Seele. Wir, die Ehrenamtlichen können nur hoffen dass alle „ unsere „ sich so lustvoll Blamierenden in ihrem möglichen Elend an „ Trari Trara „ und „ Grün grün grün „ erinnern, daran, dass es in diesem fremdenfeindlichen Europa auch andere gibt.
Die nächste Träne ist leider schon nah, sehr nah. Seit einem Jahr schliesse ich Menschen und ihre Schicksale in mein Herz.
Und was machen die Flüchtlinge ? Sie lieben uns, Annette und Michael Schneider an jedem Mittwoch wegen Hingabe, so als könnten wir es vollenden. Eine Illusion, eine Schimäre angesichts AFD, CSU und Donald Trump.

Die Perfektion der Unmöglichkeit. Workshops bei Michael Schneider. Der schnelle Weg, akademisch informiert die Praxis fliessend in den Griff zu bekommen.

Mein Freund Werner ist Klavierbauer.
Alles klar? Nein. Gut, dann etwas deutlicher was gleich glasklar einleuchtet.
Mein Freund Werner ist Klavierbauer, konnte aber kein Regal bauen.
Michael Schneider ist kein Klavierbauer, hat aber schon mit 17 Jahren Regale zusammen genagelt. Die Bretter hat er vorher mit einem Fuchsschwanz zurecht gesägt – besser: krumm gesägt.
( Inzwischen bin ich auch auf “ Klavierbauer “ umgestiegen und baue Möbel mit der Festool Dübelfräse. Die arbeitet so exakt wie Klavierbauer es nicht anders können ).
Die Perfektion hat meinen Freund daran gehindert, ein Regal jemals fertig zu stellen. Das ist eine Übertreibung, stimmt aber trotzdem.
Michael Schneider macht einfach. Irgendwas, z.B. Musik. Alle Kritik und Häme die mir begegnen, die können mir nichts anhaben.

“ Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. “ ( S. Kierkegård ).

Mein Vater war auch Philosoph. Er hat mir immer wieder gesagt: “ Such dir bessere Mitstreiter, dann kannst du immer etwas lernen „.
Insofern gehe ich ganz entspannt damit hausieren, dass mich einige Kollegen als den schlechtesten Bassisten Deutschlands einstufen.
Richtig daran ist: Dann kann es bei mir immer nur bergauf gehen.
Das ist die Perfektion der Unmöglichkeit. Ich bin immer auf dem jeweiligen Stand des für mich Bestmöglichen.
Jetzt denken Sie an Voltaire: Candide ? Richtig. Wir leben in der besten aller möglichen Welten.
Sind Voltaire und Michael Schneider jetzt Illusionisten ?
Voltaire konnte seine Kritik nicht in Frankreich platzieren, also verlegte er die Geschichte nach Deutschland.
Michael Schneider hat irgendwie immer gewusst, dass die Sonne nicht immer scheint.

Aber jetzt geht die Sonne auf. Für alle die etwas in ihrer Musik verändern wollen.
Der normale oder auch besondere akademische Unterricht ist mir sehr vertraut. Alles musste an der Hochschule auf einmal zusammen kommen und am besten gleich perfekt. Da ist Michael Schneider überfordert.
Ein Mensch der nie eine Hochschule von innen gesehen hat – Francois Rabbath – hat mich gelehrt: es geht auch anders, freier und damit authentischer.
Kaum jemand hat verstanden, dass meine Schüler bei Vorspielen nicht so tun wollen, als wären sie Weltmeister, sondern wir öffnen ein Fenster und zeigen, wo sie gerade sind.
Das ist dann unsere Grosszügigkeit ( von Schüler und Lehrer ), wir gewähren einen Einblick. Der Anspruch, perfekt zu spielen, oder zu zu tun als ob das möglich wäre, der kann nur scheitern.

Einrede für eine musikalisch-linguale Hungerhilfe für Flüchtlinge im Deutschunterricht. Sprache als rhythmisch konstruktives Element zum schnellen Lernen.

Hungerhilfe – musikalisch-lingual ? Hat hier jemand Hunger ? Sicher. Da kann Michael Schneider nicht helfen. Aber in Heidelberg im PHV begegnet mir in den Flüchtlingen ein anderer Hunger. Nach Sprache, nach guter deutscher Sprache.
Mein Vater war Lehrer, von Natur aus, er musste das nicht lernen. Doch, schon, aber nur für den Schein, nicht für das Können.
Er konnte es. In der Dorfschule in Hittbergen hatte er fünf Klassen vor sich in einem Raum. Die konnte er alle gleichzeitig beschäftigen. Dann kam das Einmaleins. Bis zwanzig – rauf und runter. Bis es alle, auch der Letzte und der Langsamste auswendig konnten. Da stand er vor der Klasse, einen Wanderstock in der Hand und klopfte den Rhythmus. Das ging immer wieder und so lange, bis alle von 1 bis 20 rauf und runter den gleichen Rhythmus im Aufsagen hatten.
Bis zu seinem Tod haben sich viele seiner Schüler immer wieder für seinen Unterricht bedankt, besonders für das Rechnen. Damals durfte in Geschäften noch weiter kassiert werden, wenn der Strom mal ausfiel !!!
Wie kam ich zur Musik ?
Mein Vater machte Musikunterricht mit seinen fünf Klassen. Orff-mässig: viele Trommeln, Perkussion. Jetzt lassen wir die Sau raus haben sich damals wohl viele Schüler gedacht. Michael Schneider denkt gar nichts und trommelt einen konstanten Rhythmus. Das war die Entdeckung meines Himmels: die Musik.
Ich übersetze: der macht gar nichts ausser Rhythmus.
So wurde ich dann auch der “ Rhythmus Knecht “ in vielen Jazzbands sowie der Chef-Knecht im Philharmonischen Orchester Heidelberg.

Die Entdeckung, dass eine junge Frau aus Somalia nach einer Woche ein Lied mit perfekter Aussprache fliessend und klar singen konnte, die hat mich schier umgehauen. Sie ist sicher noch schneller als andere Flüchtlinge. Aber dieser eklatante Gegensatz vom stochernden Lesen und absoluter Klarheit nach einer Woche: das schenkt mir Nachdenken.
Mit Musik und Sprache gelang es mir, zehn Jugendliche zwei Stunden am Ball zu halten, so als hätte jeder der Spieler beim Fussball permanent seinen eigenen Ball zu bedienen.

Ich denke darüber nach, was und wie das ist.
So wie mein Vater mit dem rhythmisch geschlagenen Stock vierzig Schüler alle bei der Stange halten konnte, so schaffen Lieder mit ihrem Sprachrhythmus und mein zyklisches Zugehen auf jeden Teilnehmer eine aktive Wachheit aller.
Meine Sicht auf die letzten beiden Wochen: So, wie das Gruppen-Aufsagen alle einbindet und beschäftigt, so erzeugt das gemeinsame Singen und Aufsagen von Texten im Wechsel mit individueller Darbietung einen kollektiven Aktivitätsmodus, dem sich keiner entziehen kann. Ich lasse dabei auch niemanden entwischen. Jedes Privatgespräch wird von mir kommentiert: die anderen reden nicht für sich, sie tun das für dich.

Vielleicht liegt es an der momentanen Zusammensetzung der Gruppe ?
Davon und darüber werde ich Interessierten weiter berichten.

14. Juli 2017 – französischer Nationalfeiertag. Einklang der Nationalitäten wie Michael Schneider es sucht, die Auseinandersetzung mit dem Verlust und der Sehnsucht. 14. Juli 2017 in der Bergkirche Schlierbach um 20 Uhr.

Ein Zyklus der Schmerzen, der Trauer und der vielen Abschiede.
“ Ayre “ von Osvaldo Golijov. Ein einzigartiges musikalisches Dokument der aktuellen Ereignisse. In Deutschland, eigentlich weltweit. Harmonie wird gewaltsam in ihr Gegenteil gekehrt. In der Musik geschieht dabei etwas ausserordentlich Erstaunliches: Die Katastrophen werden geschildert bei/mit den unglaublichsten, schönsten Melodien.
So hat Michael Schneider sich entschieden, dass der Giacomo Puccini der Moderne der Argentinier Osvaldo Golijov ist.
Michael Schneider taucht schon in der Flüchtlingshilfe in viele schmerzhafte Momente ein. Morgen kann die nächste Trennung anstehen, nachdem durch Deutschunterricht oder Musik Hoffnung auf Kontinuität entsteht. Gegen den Kopf, der weiss: Das geht nicht. Aber die Seele redet da nicht nur ein Wörtchen mit. Irgendwann drückt sie auf einen Knopf, dann kann auch der Kopf sich nicht mehr verweigern. Gebe ich mich der Sinnlosigkeit weiter hin ? Liebe ich diesen permanenten Schmerz ? Ja das tue ich, denn es geht nicht um mich. Als Solokontrabassist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg gehörte es auch zu meinen Pflichten, gegen Kritik resistent zu sein. Anders ausgedrückt – für alle die es noch lernen wollen: Solange ich an meine Überzeugung glaube, solange kann ich auch daran festhalten. Daran können sich Kritiker abarbeiten, aber sie haben dann eine klare Vorgabe.

Sie lesen hier gerade Goethe’s Faust. Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust.
Ich bin nur ein ehrenamtlicher Helfer. Ich habe keine Ahnung, aber Zeit zum Helfen. Ein wenig. Denn schnell wird klar: Das Wenige ist zu wenig. Aber retten kann ich die Welt nicht. Sie haben oben schon gelesen, dass auch meine Sparflammen – Aktivität das nicht so richtig auf die Reihe bekommt. Plötzlich scheint nur noch Mangel zu herrschen. Diese Sicht ist doch nicht so verkehrt, die Flüchtlinge spalten unsere Gesellschaft, sie spalten auch die grosse Politik. Was unter den Teppich gekehrt wurde das kommt jetzt eben trotzdem wieder hervor.
Darum geht es am 14. Juli 2017 um 20 Uhr in der Bergkirche Schlierbach.
Schon vor 500 Jahren gab es Vertreibung aus Syrien und Spanien.
Die Juden wurden aus ihrem Land vertrieben und mussten sich auf die ganze Welt verteilen.
“ Ayre „ ist wie die Sicht von Eric Satie auf das Leben: “ Choses vues à droite et à gauche „.

Cello spielen leicht gemacht. Nicht nur durch die “ Rabbath Technik “ auf dem Cello. Eine optimale Einrichtung des Cellos ist schon die halbe Miete auf dem Weg zu leichterem Fortschritt.

Ein Geschenk für Michael Schneider war die Rabbath Technik. A Priori selbstredend wegen der anderen Ansicht auf Einsichten. Dann kommt auch schon das nächste Geschenk:
Auf dem Kontrabass wie auf dem Cello bekommt jeder die herkömmliche Technik am Ende sowieso gratis. Nur ist ein Lagenwechsel dann kein herkömmlicher mehr. Latent ist dann immer das “ Pivot “ mit im Spiel und verleiht jeder Bewegung den fliessenden Charme eines Zen Gedankens.
Gut, dann beginne ich mit dem philosophisch übergeordneten Weltbild an einem Beispiel aus der Sicht von Volkwin Marg, Architekt.
In der Sendung “ SWR2 Zeitgenossen „ vom 27.5.2017 beginnt das Gespräch mit der Frage, wie für Volkwin Marg das optimale Haus aussieht. Antwort: Die Güte. Nicht im Sinne eines Gütesiegels mit technischen Daten, sondern Güte ist das, was ein Haus für die Menschen und die Gesellschaft macht und was es ihnen gibt. Später höre ich neben vielen anderen bemerkenswerten Äusserungen einen Kommentar zur Berliner Philharmonie von Hans Scharoun: Das ist kein Gebäude, sondern ein gebauter Gedanke.
Das passt haargenau zu einem Kommentar eines Geigers zur Rabbath Technik:
“ Auf die herkömmliche Art lernt man eine Technik und versucht dann damit klar zu kommen. Mit der Rabbath Technik lernt man Musik machen und sucht sich dann die Technik aus die dazu passt „.
Genau so fühle ich mich und dafür brauche ich und niemand einen Weltmeistertitel. Diese Haltung ist frei von Konkurrenz Denken und strahlt die wissende Gelassenheit nicht nur nach aussen auf andere, besonders in uns zeigt sie sich in einem konkurrenzfreien Spiel.
Jetzt also die technischen Daten zu diesem Gütesiegel:
1. Saitenlage / Hohlkehle.
In letzter Zeit begegne ich vielen Celli, die eine so hohe Saitenlage haben, dass die Saite dem Finger sehr hoch folgt, bis sich der Finger von der Saite gelöst hat. Braucht es eine Zeichnung um die Wirkung einer flachen Saitenlage darzustellen? Die Saite folgt dem Finger bei mir fast gar nicht mehr. Ich werde also nicht von meinen Saiten verfolgt und kann mich frei bewegen. Je flacher der Winkel am Steg, dester mehr Druck wird von der Decke genommen.
2. Saitenabstand auf dem Steg wie auf dem Obersattel.
Ebenso schicke ich oft Cellisten zum Geigenbauer um den Saitenabstand zwischen D/A Saite auf den gleichen Abstand zu bringen wie er zwischen den übrigen Saiten üblich ist. Danach höre ich auch nicht mehr die Frage warum es immer zischt und pfeift mit unerwünschten Obertönen.
3. Spielwinkel des Cellos. Festes Spielbrett für konstanten Spielwinkel.
Kein Kommentar. Ihr Bogenarm wird es Ihnen danken. Er fällt jetzt wie von selbst und selbstverständlich mit seinem Gewicht auf die Saiten.Voraussetzung: Sie haben verstanden, dass Sie eine Marionette sind und mental die Aufhängung Ihres Bogenarmes dosieren. Also: Muskeln entspannen, loslassen und dan fallen lassen – auf die Saiten. Sie werden sich und Ihr Cello nicht wieder erkennen.
4. Saitenaufhängung am Saitenhalter.
Eine Entdeckung von Francois Rabbath: lassen Sie den Endknopf der Saiten oben aus dem Saitenhalter schauen. Hässlich – aber sehr wirksam: Das bedeutet noch einmal eine enorme Klangverbesserung.
5. Kautchuk Schlauch am Frosch.
Damit habe ich den Bogen “ fest im Griff ohne zu greifen „. Kaufen Sie nicht diese dünnen Schläuche im Internet. Es sollte vier Millimeter dickes Kautchuk sein, mindestens. Dann haben Sie alles im Griff.
6. Aufhängeseil des Saitenhalters.
Gerold Genssler hat ein spezielles Aufhängeseil entwickelt. Normal: 40 Euro, Premium: 80 Euro. Geigenbauer geben das tatsächlich auch zu diesem Preis weiter.
Michael Schneider hat im Philharmonischen Orchester seit sieben Jahren dieses Aufhängeseil gespielt und empfohlen. Aber die Idee kam von Michael Schneider. Darum mussten meine Kollegen noch sieben Jahre warten, bis sie es für sich entdeckt haben. Aber jetzt schwören sie auch darauf.
Nota Bene: Das ist völlig in Ordnung. Sie wissen: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Habe ich etwas vergessen? Dann helfen Sie alles Interessierten.