Gedankensprünge mit und ohne Konsequenz – was wir von Gerald Hüter lernen können.

Stell einem Höhlenmenschen einen Ferrari vor die Höhle – er wird ihn nicht sehen, weil es ihn nicht geben darf.  Erzählen Sie mir, dass Sie ab morgen im Urlaub sind. Sie fahren aber gar nicht weg und wir gehen in der Heidelberger Hauptstrasse aneinander vorbei. Sie können sich darauf verlassen, ich sehe Sie nicht weil Sie gar nicht in Heidelberg sein können.

In meiner frühen Jugend war jede Begegnung mit anderen Musikern eine gratis Unterrichtsstunde. Zeig mal, wie machst du das, warum kann ich das nicht, warum bin ich nicht selbst darauf gekommen. Meine Freunde mussten mir ihr Können auf Band spielen und ich habe es nachgeübt bis ich es auch konnte. Noten gab es dafür nicht. So habe ich es auch bei Francois Rabbath gehalten : solange nachgespielt, bis der ( heilige ) Geist seiner Musik in mich gefahren ist und ich dann meine eigenen Wege gehen konnte. Das habe ich schon in jungen Jahren von meinem Freund und Maler Hans Herbert Vollhardt gelernt. Er musste in seinem Kunststudium solange die Klassiker der Malerei kopieren, bis er so malen konnte wie sie. Nicht um Kunstfälscher zu werden, sondern um das Handwerk zu lernen. Learning bei doing also.

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So erhalte ich immer wieder Komplimente von aussen über meine Art, die Saitenlage und die Hohlkehle einzurichten. Würde so etwas mir begegnen – ich würde mich sofort an meine Jugend erinnern: wie machst du das, warum habe ich das nicht.

Das liegt vermutlich nicht nur an Gerald Hüter und dem menschlichen Gehirn, sondern auch an Lehrern die ihren Schülern klipp und klar vermitteln, dass man das so macht und nicht anders. Jeder Schüler vertraut seinem Lehrer, sonst wäre er nicht bei ihm.  Steht dann aber ein Ferrari vor der Höhle dann hat das menschliche Gehirn die Qual der Wahl : Bleibe ich meinem Lehrer treu und ignoriere den Ferrari – oder nehme ich den Ferrari wahr und stelle damit meinen Lehrer in Frage ?

Da haben wir das Dilemma des menschlichen Gehirns. Und das ist keine Frage der moralischen Bewertung sondern eine Tatsache die jeder in dem Buch von Gerald Hüter nachlesen kann: “ Gebrauchsanweisung für das menschliche Gehirn“

 

 

 

Walter Pfundstein im “ Querklang am Berghang “ am 22.2.2013 und sein eigenwilliges Gehirn

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Walter Pfundstein – Solobassist bei Tonart Heidelberg

arkestra convolt hat ein Cello und einen Bass. Aber auch Michael Schneider kann sich nicht zweiteilen, so gab es bisher immer nur ein entweder oder. An diesem Abend ging es aber plötzlich doch: Walter Pfundstein trug J.S.Bach mit seinem Fünfsaiter auf satten sonoren Klängen. Obwohl er ehemals als E-Bass Rocker sein musikalisches Unwesen trieb, hat er wohl aus dieser Zeit sich seine musikalische Frechheit bewahrt und mischte mit wie Till Eulenspiegel das Geschehen aufmischte: hier seht mal, ich mach das jetzt einfach so. Wir würden nicht so darüber schreiben, wenn dies nicht zu dem geführt hätte was wir bisher erlebt haben: ein begeistertes Publikum. Wir haben seit diesem Abend ein neues Attribut für diesen Musiker: Walter Pfundstein, ein Pfunds-Bassist. Wir und das Publikum haben ihn erlebt , als wäre er von Anfang an dabei gewesen. Wir haben es immer gewusst: Bach und Pfundstein, das sind Namen, die merken wir uns.

Aber dann kommt sein musikalischer Alltag: Solobassist beim Tonart Orchester Heidelberg. Das ist ein Solobassist, der seine Stimme vom ersten Tag an übt. Aber er macht es sich leicht, er hat ja die Rabbath Technik gelernt. Es geht aber nicht voran, manche Stellen wollen einfach nicht in seine Finger. Das ist dann der Moment wo ich als sein Berater Mozart ins Spiel bringe:

Manche Passagen gehen musikalisch sinnvoll nur auf die neue Art. Andere sind nicht zu verbessern und machen auf die neue Art keinen Sinn. Faszit und Botschaft in alle Welt: Wir sind eine grosse Community und brauchen jeden und grenzen niemand und nichts aus. Sprach Michael Schneider und schickte diesen Blog in den Äther.

Berliner Philharmoniker, Michael Schneider und was uns verbindet

In den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts war Herr Wilhelm Solokontrabassist der Berliner Philharmoniker. Er kaufte seinem Sohn einen alten IMG_0386französischen Kontrabass. Grosser Korpus, Flachboden und 113 cm Mensur. Sein Sohn wurde dann Bassist an der Stuttgarter Oper. Als Michael Schneider seine Stelle als Solokontrabassist im Philharmonischen Orchester Heidelberg bekam, wollte er auf einem guten Instrument seinen Spass haben, den ihm aber sein Dienstbass nicht bieten konnte.  Willi Beyer verwies ihn auf Herrn Wilhelm in Stuttgart, der seinen alten französischen Bass schon längere Zeit wie Sauerbier angeboten hatte, den aber niemand haben wollte wegen der 113 cm Mensur. Michael Schneider sah den Bass, wusste dass die Grösse des Basses nach seiner damaligen Spielweise Schmerzen in den Schultern bringen würde, aber der Charakter und der satte Bass Sound dieses Instruments liessen ihm keine andere Wahl. Und noch heute, 33 Jahre später ist es immer noch der „Bringer“ in allem was von mir und diesem Traumbass erwartet und verlangt wird. Inzwischen habe ich den Bass nach einer größeren Reparatur neu lackiert, der ehemals dunkle Lack ist heller geworden. Dieses Instrument ist heute ca 180 Jahre alt und klingt nicht nur im Orchester super sonor, sondern auch im Ensemble “ Tangoharmonika “ von Uli Kieckbusch entwickelt er auf der neuesten CD einen fulminanten Jazz-Groove-Sound der seinesgleichen sucht.

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Philippe Aerts, Richard Gaillano, der „Hawkes“ Kontrabass und die Lernfähigkeit

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Hawkes Bass von 1896

Wir schreiben das Jahr 2012 und es ist Heidelberger Frühling. Das Wetter ? Das auch, es gibt hier aber auch das internationale Festival Heidelberger Frühling. Der Bassist Philippe Aerts reist an mit Richard Gaillano aber ohne Kontrabass. Ich werde gefragt, ob ich ihm einen Bass für ein Konzert leihen könnte. Konnte ich. einen Hawkes Bass von 1896 bekam er. Zwei Stunden vor dem Konzert wurde ich angerufen und es wurde mir mitgeteilt, dass der Bassist total unzufrieden sei und auf dem Bass nicht spielen könne. Saitenlage zu flach, falsche Saiten (  Corelli ) und eine Saite würde beim Konzert bestimmt reissen. Ich frage herum bei Schülern, gebe es aber wieder auf, weil sie die gleiche flache Saitenlage spielen wie ihr Lehrer. Geigenbauer Kohl hat einen Pöllmann Bass mit hoher Saitenlage und mit  Thomastik Saiten bestückt. Genau das gewünschte Instrument von Philippe Aerts. Der Kontaktmann vom Heidelberger Frühling zieht los um den Bass abzuholen. Als er mit dem Bass in der Stadthalle erscheint hat sich Philippe Aerts jedoch mit dem Hawkes Bass angefreundet und will nichts anderes mehr. Wir haben das Konzert gehört und er hat sich auf diesem Instrument aufgeführt, als wäre er schon seit seinem 14. Lebensjahr damit vertraut.

Nach dem Konzert erhielt ich eine Nachricht in der mir Philippe Aerts seine Begeisterung über dieses Instrument mitteilte und den unglaublichen Sound dieses Basses bewunderte.IMG_0327

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Tschaikovsky hat auch schon für die Rabbath – Technik komponiert

Mazeppa, eine in Deutschland nahezu unbekannte Oper Tschaikovskys. Die Proben beginnen. Unleserliche, kleingedruckte und verschmierte Noten liegen auf dem Pult. Ich weigere mich innerlich etwas zu üben, das ich nur wegen der Unleserlichkeit üben müsste.

Aber ich habe bei Rabbath verstanden: Tonarten und Kreuze oder Erniedrigungen (ich rede von Vorzeichen ) spielen keine Rolle mehr, weil ich nur noch in Tonschritten denke. Also: Ganz- oder Halbton Schritt. Meistens lege ich dafür den Daumen auf die Höhe des D auf der G-Saite. Das ist bei Rabbath die dritte Lage. Und schon fühle ich mich zu Hause. Ich lese wie gesagt keine Tonarten mehr, sondern nur noch Tanabstände.

Wenn ich in der gewöhnlichen Lage Bb-Dur spiele und den ersten Finger auf der A-Saite auf das E ( den Daumen dann stumm auf das Eb/Dis), dann spiele ich dieser Position quasi Bb-Dur. Das betrifft die Fingersätze, die Greifschablone. Die Tonhöhe und damit die Tonart sind andere. Kommt dann wie bei diesem Beispiel Chromatik mit ins Spiel, so muss ich meine Lage nicht verlasssen, sonder spiele einfach mit einem Finger entsprechend zwei Töne.

So finde ich immer eine Greifschablone, die es mir einfach und bequem macht. Passt die Bb-Dur Schablone nicht, dann nehme ich das Greifmuster von A-Dur, oder wenn es mehr Sinn macht das von G-Dur. Und schon scheint sehr vieles auch bei Tschaikovsky wie komponiert für die dritte Lage nach Rabbath.

Phantasie und Wirklichkeit – bei Michael Schneider

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Meike Krautscheid – Michael Schneider

Dies ist die Vorstellung der Künstlerin Monika Harnischmacher, wie sie arkestra convolt sieht. Der Cellist und Kontrabassist Michael Schneider rechts in realer Aktion beim „Querklang am Berghang“ im Duo mit Meike Krautscheid. arkestra convolt hält den Holzschnitt der Künstlerin für ein interessantes Motiv für ein T-Shirt.

World of Basses – Michael Schneider in drei Welten zu Hause

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Quintstimmung – hier nur beim Cello

Die normale Bass Welt: Orchester, Fünfsaiter, der Beruf zum Brot verdienen. Die Brötchen folgen bei gelegentlichen Kantatengottesdiensten. Aber da befinden wir uns schon in der zweiten Welt: Quart oder Quint Stimmung ? Die dritte Welt ist das Cello – in Quint Stimmung. Fehlt also nur noch die vierte Dimension: Cello in Quartstimmung. Aber das tue ich mir nicht an.

Dank Rabbath gibt es das Pivot, den Marche a la Crabe und vieles mehr an “ Querdenken“ ! Trotzdem reicht es nicht so richtig für die Quintstimmung beim Kontrabass. Dafür bedarf es einer Mischung aus Kontrabass-Pivot Technik und Cello Fingering. Trotzdem hat die Quint Stimmung im Orchester ihren Charme, denn die leeren Saiten korrespondieren mit denen des Cellos, die leeren Resonanzsaiten bilden im Oktav Abstand einen Einklang. Davon wollen viele Bassisten noch nichts wissen. Dabei gibt es viele die den Violone spielen, sogar mit sechs Saiten oder sich für bestimmte klassische Literatur auf dem Kontrabass für die Wiener Stimmung entschieden und spezialisiert haben. Meine Bewunderung gilt Joel Quarrington aus Kanada, der die Quintstimmung makellos handhaben kann.

Michael Schneider – Genssler Saiten und blasenfrei Bass spielen

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Michael Schneider – Philharmonisches Orchester Heidelberg

Da habe ich das wichtigste tatsächlich vergessen. Wahrscheinlich ist es seit fünf Jahren so selbstverständlich, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke. Im Hauptberuf bin ich Orchestermusiker und Zupfen gehört nicht zu meiner Dauertätigkeit.  Aber vor den Genssler Saiten gehörte es  fast selbstverständlich dazu, dass ein Tango oder Jazz Abend mit Blasen an der rechten Hand endete. Das ist nun schon so lange her und vergessen. Und ich freue mich an dieser Stelle besonders, dass ich nicht der Einzige bin, der Lobeshymnen auf Gerolds  Saiten singt.

„Zum Thema Genßler Saiten schrieb AlZwi folgendes:

Genßler Saiten sind jeden Cent wert … Wer viel und vor allem lange Gigs, Sessions, Proben etc. spielt, Uptempo etc. keine Blasen an den Fingern mag und noch ganz nebenbei DEN super Sound aus seinem Instrument rausholen will / Die Antwort : GENßLER !!!

Könnt gerne auf einen Test bei mir im Unterallgäu vorbeikommen – Kaffee satt …“ ( Kommentar aus dem GEBA Forum ).