Michael Schneider – arkestra convolt und das Osvaldo-Golijov-Weltmusikprojekt.

Bei der Veranstaltung “ Profis zu Besuch “ in der Realschule Waibstadt ging es in der letzten Woche nicht nur um Musik. Die Erklärung der Menschenrechte der UNO war auch Anlass über Flüchtlinge und Integration zu sprechen. Selbsverständlich konnten weder die Klassen 6, 9 und 10 , noch der Musik-Profi die Probleme lösen.
Was hat Osvaldo Golijov und arkestra convolt damit zu tun?

Osvaldo Golijov ist ostjüdischer Abstammung und lebt in Argentinien. Er komponierte und arrangierte zusammen mit Gustavo Santaolalla für die Sopranistin Dawn Upshaw einen Zyklus von elf Stücken mit Musik aus dem Spanien des 15. Jahrhunderts, einer Zeit der friedlichen Koexistenz von Arabern, Juden und Christen. Auch in der musikalischen Adaption des Weltmusik Quartetts wechseln die Melodien von jüdischen zum arabischen und weiter ins christliche Idiom. Auch musikalisch wird hier klar, wie eng diese drei Kulturen miteinander verknüpft sind und wir erleben damals wie heute ganz aktuell, wie furchtbar es ist, wenn sie sich nicht mehr verstehen.

Was Michael Schneider zusammen mit arkestra convolt in den kommenden Konzerten musikalisch zu diesem Thema zu sagen hat entspricht dem Motto dieses Ensembles: global,quer,instrumental

Mit dabei war in Waibstadt auch Anna Kaess, angehende Schauspielerin mit einer wunderbaren Singstimme. Sie präsentierte in den drei Veranstaltungen Dota Kehrs Lied: “ Es gibt Grenzen „. Auf Facebook hat Dota Kehr 2015 den Text zu ihrem neuen Song veröffentlicht.

Grenzen
Wer ist drinnen, wer ist draußen?
Ich mal eine Linie. Du darfst nicht vorbei.
Da trifft Luft auf Luft,
da trifft Land auf Land.
da trifft Da trifft Haut auf Blei.
Wo ist oben, wo unten?
Wer könnte, wer wollte das ändern?
Was geschieht in den Ländern
an ihren Rändern?
Es gibt Frontex und push-backs,
Zäune, Waffen, Flüchtlingsabwehrkonferenzen.
Das Mittelmeer wird ein Massengrab.
Es gibt Grenzen.
Sie führen zu Nationalismus mit seinen
bekloppten Konsequenzen,
Man entrechtet Leute, nur weil sie von irgendwo kamen.
Es gibt Grenzen.
Könnten Sie diese Antwort bitte
sinngemäß richtig ergänzen:
was liegt möglicherweise im Kern des Problems?
Es gibt Grenzen.
Ich melde mich ab, gebt mir einen Pass,
wo „Erdenbewohner“ drin steht.
Einfach nur „Erdenbewohner“.
Sagt mir bitte, wohin man da geht.
Ich melde mich ab, ich melde mich um,
das kann doch so schwierig nicht sein.
Schreibt einfach nur Erdenbewohner da rein.
Wir ziehen eine Grenze im Himmel,
ein Gott ist hier und einer ist dort.
Dann drohen sie sich mit den Fäusten
In Ewigkeit und so fort.
Da muss es was Besseres geben,
Frieden bringt kein Götterbote.
Wir haben es ein paar tausend Jahre mit Grenzen versucht,
das gab sehr viele Tote.
Nennt mich naiv, es ist mir egal,
aber ich finde es reicht.
Ich suche das Land, in dem jeder dem andern
in Staatsunangehörigkeit gleicht.
Ich melde mich ab, gebt mir einen Pass,
wo „Erdenbewohner“ drin steht.
Einfach nur „Erdenbewohner“.
Sagt mir bitte, wohin man da geht.
Ich melde mich ab, ich melde mich um,
das kann doch so schwierig nicht sein.
Schreibt einfach nur Erdenbewohner da rein.
Ich schließe die Tür und genieße die Stille,
ich grenze mich ab, das muss sein.
Jeder hat seine Grenze, die ihn umgibt,
sie schließt ihn schützend ein.
Jeder Übergriff, jeder Schlag
verletzt ein Menschenrecht.
Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut
Und die Grenzen der Menschen so schlecht?
Sie müssen nicht zwischen den Ländern verlaufen,
aber zwischen den Menschen.
Nicht aus Stacheldraht sollen sie sein,
sondern aus Respekt.
Es gibt Grenzen

Olga Magidenko: “ Spagnelo op 21 “ für Kontrabass Solo am 10.10.2015 im Querklang am Berghang. Solist: Michael Schneider

Michael Schneider, immer noch und immer wieder auf der Suche nach spielfreudigen Stücken für Kontrabass Solo ist er mit der Uraufführung von “ Spagnelo op 21″ von Olga Magidenko wieder einmal fündig geworden. Was für den Solisten Michael Schneider beim ersten Lesen einen spröden und eckigen Eindruck machte, entpuppte sich beim Einstudieren als sehr klangvolles und spielfreudiges Opus der von mir so hochverehrten Komponistin Olga Magidenko. Ich hatte die Ehre, dieses Jugendwerk von Olga Magidenko aus der Taufe zu heben. Michael Schneider ist begeistert vom spielfreudigen Impetus dieser Komposition. Die Kompositionen von Olga Magidenko erwecken wegen ihrer technischen Anforderungen oft den Eindruck technischer Kälte: Technik als Ersatz für Seele ? Nein und: falsch. Olgas Musik ist beseelt und inspiriert von faszinierned-spannenden Libretti, die sie ihren Stücken voranstellt. Daraus ergeben sich spannende Geschichten. Und Michael Schneider erzählt gerne Geschichten. Am liebsten ohne Worte und mit seinen Instrumenten. Welche Geschichten sind das? Spagnelo: siehe oben. Aber auch:

Das Philharmonische Orchester Heidelberg hat einen Solokontrabassisten: Michael Schneider, Multiinstrumentalist auf dem Kontrabass, dem Cello und der Gitarre – zu erleben am 29./30 Januar 2016. Am 29.1. um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach und am 30.1. um 19 Uhr in der Freizeitschule Mannheim.

B_DSC5082
35 Jahre im Philharmonischen Orchester Heidelberg konnten den Freiheitsdrang eines Neugierigen nicht bremsen. Es war wohl eher umgekehrt: je länger und je mehr auch der Orchesteralltag an seiner Musik zerrte, desto mehr meldete sich der Wunsch nach Ausgleich. Zunächst über viele Jahre im klassischen Bereich fündig geworden, meldete sich immer mehr der Freiheitsdrang, der Wunsch aus den biederen Bahnen und den Niederungen der banalen Alltäglichkeit in das “ Einmalige “ – hier durchaus im wörtlichen Sinn: nicht wiederholbar. Und das gibt es nur in der Improvisation.
Die beiden Abende mit arkestra convolt und der Musik von Osvaldo Golijov bieten dem Solokontrabassisten des Philharmonischen Orchesters reichlich Gelegenheit, alle Aspekte seines beruflichen Werdegangs auszuleben: gediegenes musikalisches Handwerk sowie freie improvisierte Inspiration. B_DSC5171

Toti Lanzalaco, Perkussionist und Mensch, weiss: Behindert ist nur, wer als solcher bezeichnet wird.

Konzert in der Evangelischen Bergkirche zum dreijährigen Jubiläum vom “ Querklang am Berghang „. Konzertlesung mit Nicoleta Craita Ten’o, Alfred Büngen und arkestra convolt. Unser Perkussionist Francesco Panarese weilt in Italien. Toti Lanzalaco weilt in der Bergkirche, sowohl als aktiver Musiker, wie als Zuhörer.

W_DSC4586
Toti Lanzalaco, Photos: Peter Bösselmann

Der Zuhörer Toti meldet sich zu Wort. Es geht um eine Puppe. Die heisst Bianca. Die hält Nicoleta in ihren Armen. Immer. Wenn sie kaputt geht, dann kommt eine Neue. Die heisst dann auch Bianca. Bianca ist der Name der Betreuerin von Nicoleta, der sie besonders viel verdankt. Wenn Nicoleta im Bus sitzt, dann erlebt sie immer wieder Unverständnis bei anderen Jugendlichen.

W_DSC4713

In den Augen mancher Jugendlicher ist Nicoleta schon wegen ihrer Puppe “ behindert „. Das bringt Toti auf einen Punkt mit der Feststellung, dass wir es alle ganz normal finden, wenn wir alle ständig mit einem Handy in der Hand herumlaufen. Er geht aber noch weiter: Nicoleta ist stumm, beherrscht sechs Sprachen, lebt allein und eigenständig in einer eigenen Wohnung, hat einen festen Arbeitsplatz, schreibt nach der “ Arbeit “ zur Zeit an ihrem dritten deutschen Roman. Erst wenn ich mit dem Finger auf andere zeige wird das zur Behinderung weil ich es so benenne.

B_DSC5062

Das Tangotrio VioLaBaSoniKa im QUERKLANG AM BERGHANG mit Sora Park, Uli Kieckbusch und Michael Schneider am 9. September 2015 um 20 Uhr.

IMG_5086Der 35. Querklang am Freitag 11.September 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach
Das Tangotrio VioLaBaSoniKa :

das sind Sora Park-Viola, Uli Kieckbusch-Harmonika-Toy Piano und Michael Schneider-Kontrabass.
Neueste Kompositionen von Uli Kieckbusch für diese Trio Besetzung verführen Sie in die Tangowelt des Urgrossneffen von Johannes Brahms. Uli Kieckbusch ist auch ein begnadeter Sänger, der sich nicht scheut,mit dem Charme eines Tom Waits oder Udo Lindberg zu singen. Auf Youtube können Sie sich unter seinem Namen einen ersten Eindruck verschaffen von seinem ganz eigenen wie eigenartigen Stil als Hamonikavirtuose.

„Rilke on way“ nennt Crystal Schüttler das von ihr entwickelte Programm zum 1. Jubiläumskonzert am 9.Oktober 2015 – eine Gemeinschaftsproduktion mit arkestra convolt und wandelndem Cello.

Rilke on way
Eine poetische Tanz- und Musikperformance

DSC_0207

Die Performance »Rilke on way« ist eine Zusammenarbeit der Musikgruppe arkestra convolt und der Choreografin / Interpretin
Crystal Schüttler and Guests.
Es ist ein für den offenen Raum von Kirchen konzipiertes Stück, die mit ihrem dreidimensional
vielfältigen Angebot zur Bewegung und Erkundung locken. V.a. dies jedoch in der unkonventionellen Art, die schließlich
die Kirche als Kunstobjekt, bzw. Kunstraum darstellt. So entsteht eine Klang- und Bewegungsinstallation, in deren Mitte sich
interaktiv das Publikum befindet.
Als Inspirationsquelle dienen ausgewählte Gedichte Rilkes (u.a. Engellieder; Die Liebende), deren Thematiken Impuls von Tanz
und Musik sind. Assoziativ wird die Poesie weiterentwickelt, werden eigene Erfahrungen und Ansichten der Künstler in eine
Bilder- und Gefühlssprache hineingeflochten und so übermittelt. Medium sind »Movement and Sound«.
Musikalische Grundlage sind Eigenkompositionen von arkestra convolt und Themen der Hildegard von Bingen sowie das
Volkslied »Bruder Jakob«.
Der Tanz wurde durchweg konzipiert von Crystal Schüttler, wobei die kreative-choreografische Arbeitsweise der Tänzer
gefragt ist. Die Musiker werden gleichermaßen ins Bewegungsgeschehen mit eingebunden.
Kein Unterhaltungsstück, sondern eine Performance, die uns mit Echtheit konfrontiert, zum Mitdenken, Mitfühlen, zum
Lachen und BetroffenSein.

DSC_0189