Osvaldo Golijov’s Musik über Vertreibung und Ausgrenzung. Ein zeitlos ungelöstes Thema.

Freitag 19. Januar 2018 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach :
Am Samstag den 20. Januar gibt es eine zweite Gelegenheit, diese einmalige Musik noch einmal zu hören: Samstag 20.1. um 20 Uhr in der Freizeitschule Mannheim.
Spanische Weltmusik des 16. Jh. als Spiegelbild dreier Kulturen in Liedern aus der Sicht dreier Religionen: Juden, Moslems und Christen. Musik aus Zeiten des Umbruchs – friedlich vereint, dann der Wandel: die Gemeinsamkeit zerbricht. arkestra convolt gestaltet einen Abend, der aktueller nicht sein kann.
Musik von Osvaldo Golijov, Enrique Granados und Ernest Bloch. Neu mit dabei: Elisa Herbig, Cello und die Schauspielerin Cornelia Bielefeldt.

Der Kontrapunkt der Kulturen, über das Golijov Projekt mit arkestra convolt:

Die meisten Menschen sind sich in erster Linie einer Kultur, einer Umgebung, einer Heimat bewusst. Menschen im Exil leben mit mindestens zwei Kulturen. Diese Pluralität der Sicht weckt ein Bewusstsein für die Gleichzeitigkeit verschiedener Dimensionen, ein Bewusstsein, das, um einen Ausdruck der Musik zu entlehnen: kontrapunktisch ist.

In Golijov’s Ayre – ein Wort aus dem Spanischen des Mittelalters, das Melodie bedeutet, geht es um die Vermischung dreier Kulturen: Christen, Araber, Juden, im südlichen Spanien des späten 15. Jahrhunderts, vor der Vertreibung der Juden.
Der Wechsel von friedlicher Koexistenz mit offenem Konflikt zwischen diesen drei Kulturen wirkt bis in unsere Zeit nach. Mit einer kleinen Wendung, so Golijov, wechselt eine Melodie vom jüdischen zum arabischen und weiter ins christliche Idiom.
Wie eng verknüpft sind diese Kulturen, wie furchtbar ist es, wenn sie sich nicht verstehen. Die Trauer, mit der wir heute leben, existiert bereits seit Jahrhunderten und doch war zwischen diesen Kulturen Harmonie möglich.

Golijov greift auf eine breit gefächerte persönliche Auswahl von Quellen zurück.
Die Musik gründet sowohl auf Fundsachen: einem sephardischen Liebeslied oder einem christlich-arabischen Osterhymnus – wie auf original komponierten Melodien.
Die Texte in Arabisch, Hebräisch, Sardisch und Spanisch so wie in ladinischer Sprache geschrieben, der einstigen Sprache der spanischen Juden, der Sephardim.
Eine Vielfalt menschlichen Erlebens tut sich auf, von Liebe und Eifersucht bis hin zu blinder Wut, frommer Sehnsucht und Gebeten.

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Nicoleta Craita Ten’O – Yasmina El-Boazzati

Musik, die Sprache die in jeder Kultur verständlich ist. Osvaldo Golijov verdanken die Beteiligten dieses Projekts Musik, die den täglichen Einsatz für Ausgegrenzte in deren Alltag widerspiegelt: Flüchtlingshilfe, Jugendhilfe oder auch Betreuung Behinderter in der Werkgemeinschaft Martinshof.

Johann Sebastian Bach am 2. Juni 2017 um 20 Uhr in der Bergkirche Schlierbach. Bach als Querklang oder als Wohlklang ? Paulina Tyszka und Michael Schneider zelebrieren gelebte Barockmusik. Historisch orientiert ? Nein, dem vitalen Leben unserer Zeit gewidmet.

Am 2. Juni 2017 ist es soweit: Michael Schneider spielt drei Cellosuiten von Johann Sebastian Bach an einem Abend und die Gesangskünstlerin Paulina Tyszka improvisiert darüber und gemeinsam mit dem Cellisten.
Einmalig, noch nie erlebt. Doch, Michael Schneider hat es schon mehrfach erlebt, ein fassungslos stummes Publikum nach jeder Cellosuite von Bach mit der genialen Ergänzung dieser jungen Stimm- und Stimmungs-Virtuosin.
Play Bach von Jaques Loussier ist vielen noch bekannt-vertraut.
Der Gesang von Paulina Tyszka changiert zwischen historisch orientierter Aufführungspraxis – ich über setzte das: so vital wie diese Spielweise Felice Venanzoni zelebriert – ein Horror für Musikbeamte – Jazz, Klezmer sowie Neuer Musik, die so lebendig wirkt wie die wunderbaren Kompositionen der Heidelberger Komponistin Olga Magidenko.

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Dieser wunderbare Bach-Abend hat leider einen Wermutstropfen: Paulina Tyszka steht dann nur noch am Samstag den 3. Juni in Mosbach in der Evangelischen Stiftskirche in dem Konzert “ Musik zur Marktzeit “ für Bach in dieser Region zur Verfügung. Der Ruhm hat sie eingeholt, der Reichtum ist uns ( also für sie ) in dieser Region nicht gefolgt.
Michael Schneider hat es erfolgreich bis zum Rentner geschafft. Davon ist diese begnadete Sängerin noch weit entfernt.

Paulina Tyszka : die spannende Schönheit des Unbekannten. Michael Schneider: das bekannte Spannende in den Cello Suiten von Johann Sebastian Bach immer wieder neu. Zu erleben am 16.12.2016 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach.

Neue Musik: manchmal, nein: oft anstrengend und bemüht mit einem Mangel an Leichtigkeit. Paulina Tyszka beherrscht die Kunst der Improvisation auf eine Art, die uns glauben lässt: so steht es geschrieben. In den Noten. Das, so etwas kann nicht frei erfunden sein. Und genau an diesem Punkt trifft die Moderne, die Neue Musik, die Avantgarde uns in das Herz, berührt uns dort, wo wir blockiert sind gegenüber dem Fremden und Unbekannten, dem überraschend Neuen.

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Michael Schneider hat in Paulina und seinem neuen ( Matthias ) Kohl Cello die Partner gefunden, die seiner Klangsprache adäquat antworten können. In diesem Weihnachtskonzert hilft die wunderbare Cello Musik von Johann Sebastian Bach dabei diese Metamorphose in die Tat umzusetzen: die Musik von Bach wird durch die kongenialen Improvisationen dieser begnadeten Sängerin noch einmal in eine andere und völlig neue Dimension katapultiert.

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Das Violoncello, die Rabbath Technik und die wichtige Frage: waren da einmal Berge von langweiligen Etüden? Cello Unterricht bei Michael Schneider ganz anders und modern.

Michael Schneider kennt von seinen Schülern den leidigen Spruch anderer Lehrender:
“ Wie, du spielst schon Bach? Du musst doch erst mal Berge von Etüden durcharbeiten.“
Es geht noch besser: “ So spielt man nicht Cello, du musst erst mal viele Etüden gespielt haben bevor du das kannst.“
Sagte die Solocellistin in einem Laienorchester und ignorierte, dass meine Schülerin ohne die vielen Etüden die Egmont Ouvertüre trotzdem spielen konnte. Mit der Rabbath Technik: dem Pivot, dem Krabbengang und einem ganz anderen Denk- und Spielsystem auf dem Cello.
Und dazu noch einer modernisierten Lageneinteilung. Diese Lageneinteilung auf dem Cello hat nur noch fünf Lagen die dann das gesamte Griffbett umfassen bis an dessen Ende.
Mit dieser modernen Lageneinteilung hat das Gehirn drei feste Haltepunkte die eine sichere räumliche Aufteilung gewährleisten.
Diese drei Haltepunkte sind ( auf die A-Saite bezogen ) das E ( in Höhe der Halsbeuge ), das Oktav A, allgemein als Daumenlage bezeichnet aus herkömmlicher Sicht.
Und die fünfte Lage bildet das nächste Flageolett E.
Auf diese drei Haltepunkte wird auch der Daumen für das Spiel quer über die Saiten gelegt.
Und was machen wir mit den vielen Bergen von Etüden?
Die vergessen wir, beziehungsweise die kaufen wir erst gar nicht.
Die Violoncello Suiten von Johann Sebastian Bach und das Kirchengesang Buch sind die besten Etüden.
Das Pivot und der Krabbengang stecken alle in den Cello Suiten. Die vielen Kirchen Lieder machen sich meine Schüler für das Spiel in der Daumen Lage zu nutze. Um sich mit der so genannten Daumen Lage – also nach Francois Rabbath die 4. Lage – vertraut zu machen empfehle ich meinen Schülern hier die Kirchen Lieder zu spielen. Es handelt sich in der Regel um einfache Tonarten und kurze überschaubare Melodie Bögen. So fällt es den Schülern leichter sich in der Daumenlage einzuleben und auf den Klang zu achten, weil keine großen technischen Probleme das Gehirn ablenken.
Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass die Rabbath Technik keinesfalls das Üben ersetzt.
Der Fokus liegt nur auf einem ganz anderen Aspekt. Und wenn die Technik fertig geübt ist, dann stehen da sechs Cello Suiten zur Verfügung und nicht Berge von Etüden die irgendwo verstauben und die nie wieder jemand anschauen wird.

Das ist doch ein wunderbares Angebot für jeden neuen Anfänger: Das Cellospiel mit allerbester Musik. Das ist die Musik die nie schlecht wird und nur Freude bereitet, ganz gleich auf welchem Niveau du diese Musik spielst.

Michael Schneider im Rote Insel Salon – Berlin – am 18.3.2016 mit Werken von Olga Magidenko, Frank Proto, Francois Rabbath und Uli Kieckbusch.

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Der Solokontrabassist Michael Schneider lässt es sich seit seinem Dienstantritt vor 35 Jahren in Heidelberg nicht nehmen, neben seiner Dienstbezeichnung auch tatsächlich als Solist aufzutreten. Das Ergebnis, die Erkenntnis dieser ausgiebigen solistischen Tätigkeit sind einige Werke, die immer wieder begeistert aufgenommen werden auch von Zuhörern, die mit Neuer Musik sowie mit moderner Kontrabass Musik nicht vertraut sind.
Das erste “ erfolgreiche “ Stück ist Kadenza von Teppo Hauta Aho. Nicht umsonst ist es so berühmt wie gern gespielt, auch wenn der Komponist es nicht mehr hören kann. Für Michael Schneider ist es immer noch vorrangig vor der “ Pieni Bassophantasia „.
“ Spagnolo “ für Kontrabass Solo von Olga Magidenko wurde von mir vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben und heimst seitdem in vielen Konzerten begeisterte Erfolge ein. Bei aller Sprödigkeit mit vielen tiefen Tönen und Doppelgriffen in tiefen Lagen überragt es musikalisch wie spieltechnisch das so hoch bewertete “ Hommage à Bach “ von Zbinden, bei dem ich nie Spielfreude entdecken konnte. Dieses Stück bezeichne ich als anstrengend und sehr bemüht, irgendwie kopflastig. Aber ich betrachte mich auch weniger als Musiker denn als Musikant. Also liegt diese Kritik wohl eher in meinem Wesen als am Stück.
Ganz still im Raum wird es immer wieder, wenn ich den zweiten Satz aus der Kontrabass Sonate “ 1963 “ von Frank Proto Solo spiele. Wenn kein Pianist zur Verfügung steht, dann empfehle ich jedem Solisten diesen Satz Solo zu spielen. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass diese wunderbaren Bebop Phrasen ohne das – störende – Klavier viel klarer und eindringlicher in die Gefühle der Zuhörer eindringen. Knisternde Stille im Raum animiert mich zu dieser Darstellung.
Seit ich die Kompositionen von Francois Rabbath spiele hat sich in meiner Musik und der Spiegelung durch das Publikum etwas radikal geändert: Da wundert sich niemand mehr darüber, warum ich so hoch spiele. Diese Musik vermittelt alles andere als den Eindruck, dass da einer versucht besser als die Cellisten zu spielen. Das ist einfach Musik vom, für den Kontrabass. Musikalisch glaubwürdig, authentisch sozusagen. ( Und als Geheimtip für neugierige und suchende Bassisten: Genssler Rabbath Saiten verwirklichen alle Träume die ihr Bassisten noch nie hattet. )
Und jetzt folgt noch Uli Kieckbusch: Freund und begnadeter Komponist, sowie Urgrossneffe von Johannes Brahms.
“ Tänka Pa Ko „, ein Blues der ihm in Finnland in den Sinn kam. Auch dies ein stilles Stück, das mein Publikum immer wieder noch stiller werden lässt.
Meine – spontane – Erkenntnis beim Schreiben in diesem Moment: Stücke, die einfach nur Musik sein wollen, die eine Geschichte erzählen, unprätentiös, also noch einmal : authentisch: die werden dankbar an- und aufgenommen. Das Gehirn versteht, wird aber nicht berührt. Darum haben wir das Wort: kopflastig.

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François Rabbath – der Zen Meister der Musik und des Kontrabasses.

Wer etwas anders machen möchte, der hat es nicht leicht. Eine fest eingefahrene Spur gibt leicht und freiwillig nicht den Weg frei für eine Richtungsänderung.
Über meine musikalische Weggabelung habe ich auf dieser Seite schon viel geschrieben, die begann 1991 mit meinem musikalischen Zweit-Studium bei François Rabbath.
Das löste sehr schnell Gegenreaktionen aus, die ein Kollege zusammenfassend so formulierte: “ Verlass uns nicht, bleib doch bei uns. “
Leid und Elend, so wie “ Pomp “ und “ Circumstances “ dieser 25 Jahre, die inzwischen mehr als Zweidrittel meines Orchester Berufslebens ausmachen, möchte ich meinen Lesern in den folgenden Aphorismen widerspiegeln.

Wahnsinn ist, immer dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe.

Wenn ich immer nur das tun würde, was von mir erwartet wird, könnte man auf meinen Grabstein schreiben: mein Leben hat allen gefallen, nur MIR nicht.
Udo Lindenberg drückt das so aus: Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los, denn alles was du hast ist dieses eine blos.

Ein Optimist liegt genauso oft falsch wie ein Pessimist, aber der große Unterschied ist, dass er eine Menge mehr Spaß hat.

L‘ homme est la seule créature qui refuse d’être ce qu’elle est. ( Albert Camus )

Bewege dich im Leben, sonst bewegt das Leben dich. Nur durch eigene Bewegung bewegt sich was in deinem Leben.

Der Mensch stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfhügel.

Zufällig, gerade gestern telephonierte ich mit einer Pianistin/ Dirigentin. Ich empfahl ihr unter anderem unsere Web Seite: lyrik-kontra-bass.de
Dort gibt es auf einem Video mit Stefan Hölscher und mir “ Reitba“ von François Rabbath.
Plötzlich hörte ich die Bemerkung: „……. oh, ich höre gerade nebenher den Francois Rabbath…. mann, ist DAS schön gespielt – so schön habe ich einen Kontrabass noch nie gehört!…“

Falls ich es bis dahin noch gewusst haben sollte, spätestens jetzt weiß ich, der Weg war richtig, es hat sich gelohnt.

Und was hat dies mit “ Zen “ zu tun?
Francois Rabbath hat mir von der ersten Stunde an immer wieder den folgenden Satz mit auf den Weg gegeben:“ Tu auras l’habitude d’un virtuoso „
Ich übersetze: du wirst das Lebensgefühl eines Virtuosen haben.
Für dieses Gefühl, für diese Lebenseinstellung brauche ich keine Preise oder Bescheinigungen. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das Buch von Alfred Herriegel: “ Zen in der Kunst des Bogenschießens „.

Bernhard Helpenstein – Cellist und Verleger sowie engagierter Verfechter guter moderner Musik für das Violoncello.

Bernhard Helpenstein schreibt auf seiner Verlagsseite:
“ Die PONTICELLO Edition wurde 2009 gegründet. Ziel dieses neuen Musikverlages ist es, interessante Streicherliteratur im Allgemeinen und Literatur für das Violoncello im Besonderen in vorbildlichen Ausgaben herauszugeben.
Einen ersten Schwerpunkt setzt die Edition mit der Herausgabe einiger Werke des amerikanischen Jazz-Cellisten Mark Summer, Mitbegründer des Turtle Island Quartet. Als erstes Werk erschien im Januar 2010 das Solostück für Violoncello Julie-O.“

Im Sommer 2014 kündigte ich auf dieser Seite an, dass ich “ Juli-O “ von Mark Summer im Querklang spielen werde. Daraufhin setzte sich Bernhard Helpenstein mit mir in Verbindung und empfahl mir ein weiteres Stück von Susanne Paul: “ Just Doodling “ für Violoncello Solo. Dann schickte er mir auch gleich die Noten. Dafür bin ich ihm immer noch und immer wieder sehr dankbar. Und wissen Sie, möchten Sie wissen wer noch dankbarer dafür ist ? Meine Frau !!! Immer wenn ich dieses Stück spiele, dann kommt sie begeistert und wiederholt immer wieder diesen Satz: “ Was für eine wunderschöne Musik, die gefällt mir am besten. “

Im übrigen bin ich immer noch sehr hungrig. Ich verhungere nicht und bin keineswegs unzufrieden. Aber durch den Hinweis auf Susanne Paul machte mich Bernhard Helpenstein auch mit seinen anderen Veröffentlichungen bekannt. Und ab und zu habe ich hier die wunderbare Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die anderes wissen, die sogar auch etwas besser und mehr wissen als ich.

Susanne Paul - Just Doodling - Titelblatt

David Loeb – genialer Komponist und Trainer für perfekte Intonation. Michael Schneider empfiehlt weitere Werke für Violoncello Solo.

Das, was wir einmal als Dissonanz bezeichnet haben, das war zu seiner Zeit aufregend bis empörend und unmöglich. Joseph Haydn und dann Ludwig van Beethoven haben damit angefangen.
Ein Akzent an einer Stelle, wo er bislang nicht hingehörte, das rief damals grosse Empörung hervor.
Und spätestens mit Arnold Schönberg gab es überhaupt keinen Grund mehr zur Beschwerde, wenn er alle 13 chromatischen Töne zu einem Akkord zusammenfügte.
Seit der Erfindung der wohltemperierten Stimmung passt eigentlich jeder Ton und jedes Intervall zu jedem Grundton. Die Aufregung zu Ludwig van Beethovens Zeit war mehr in den Köpfen und in der Tradition, als in den Ohren.
Michael Schneider weiss das alles und doziert hier an dieser Stelle gerade darüber.
Trotzdem: wenn er beginnt die Kompositionen von David Loeb zu lesen, beziehungsweise zu üben, dann ist immer wieder sein erster Gedanke: das kann nicht klingen, das bleibt immer schräg.
Immer wieder die gleiche Falle: es gibt eigentlich keine Dissonanzen mehr.
Mit Liebe zum Detail, sprich: dem Bemühen um gute Intonation, gewinnen die Kompositionen von David Loeb mindestens um 100 % Qualität, wenn die unendlich vielen scheinbaren Dissonanzen den Spielern oder dem Spieler in Fleisch und Blut übergegangen sind. Dann bekommt seine Musik einen Glanz, einen Charme und einen Sog, Musiker wie Hörer geraten in einen Flow inspirierender Assoziationen.
Eine Ahnung von der möglichen, denkbaren Schönheit anderer Welten erfuhr ich durch unseren ehemaligen GMD Cornelius Meister, der sehr genau und „pingelig“ das Philharmonische Orchester Heidelberg damit quälte, dass auch Viertel-Ton-Kompositionen “ sauber“ klingen können – muss ja nicht gefallen, darf aber vierteltönig trotzdem “ sauber “ sein. Und so gewinnt bei David Loeb jede Dissonanz eine saubere Schönheit und klingt am Ende so schön wie W.A.Mozart.

Weitere Literatur Empfehlung:
Sunrise Legends: Allegro-Vivace-Lento-Allegro misterioso-Affettuoso
Neu entdeckte Werke von David Loeb:
Sonate für Gitarre und Violoncello
Winter Dances für Gitarrre, Violoncello und Kontrabass
Between Sea and Sky für Gitarrentrio

Genssler Saiten – für wen ? Wiederholung: Genssler-Rabbath Saiten – für wen ?

Michael Schneider hat immer wieder neue Kontinente gesucht und musste folglich viele alte Kontinente aus den Augen verlieren.
Das überzeugendste Argument für eine Umorientierung auf dem Kontrabass erhielt ich ausgerechnet von meiner Schwiegermutter.
Ich übte das Bottesini h-Moll Konzert. Meine Schwiegermutter betrat den Raum und fragte mich: “ Warum müssen die Kontrabassisten denn immer so hoch spielen? “
Michael Schneider war schwer beleidigt. Ich übersetze das für den Leser: das klingt ja überhaupt nicht gut wenn du auf dem Kontrabass in den hohen Lagen spielst oder gar am Ende des Griffbrettes.
Jahre später.
Wieder war ich beim Üben, in diesem Fall jedoch beim Hören des Concerto Nr.2 für Kontrabass und Klavier von Francois Rabbath. Rabbath spielte auf der CD gerade die Kadenz, eine freie Improvisation. Genau diesen Moment erwischte meine Schwiegermutter und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus über die faszinierenden Klänge und diese Klang Kultur.

Was war geschehen? Worin lag der Unterschied zwischen “ meinem Bottesini “ und der Komposition von Rabbath?
Dem liegt eine ganz andere Spielkultur zu Grunde. Ohne Bogendruck, sondern nur mit dem Arm- beziehungsweise Bogengewicht zu spielen und das alles mit weicheren Saiten – damals noch mit den Corelli Medium Saiten – das erlaubt, die Saiten sehr tief zu legen, ohne dass es dabei scheppert.
Auch mit den Pirastro Saiten beherrscht Michael Schneider beim Einrichten die Kunst, die Saiten so tief zu legen, dass es möglich ist, an jedem Punkt des Griffbrettes zu spielen, ohne dass die Saiten scheppern.
Wer zum Beispiel im Orchester darauf besteht, dass Lautstärke nur mit enormem Druck zu erzeugen ist, der ist auf diesem Kontinent fehl am Platze.
Enormer Druck erzeugt jede Menge hässliche Geräusche, aber keinen sonoren Ton.
Hinzu kommt noch die Qualität des Ton Ansatzes. Die meisten Töne bei den Kontrabassisten  beginnen mit einem knarzendem Ton, mit Kratzgeräuschen, aber nicht sofort mit dem reinen Ton.
Eine Therapiestunde für alle Kontrabassisten könnte sein, dass sie auf der Geige lernen, einen kratzfreien und sonoren Ton zu erzeugen. Dann kann man sie wieder an den Kontrabass schicken und bitten, mit diesem Bewusstsein, mit diesem Anspruch an den Ton auf dem Kontrabass das Geigenspiel zu wiederholen.
Ähnlich ergeht es den Kontrabassisten und Kontrabassistinnen, die sich für die Genßler Saiten interessieren. In der Regel beginnen Sie mit einem Kontrabass mit viel zu hohe Saitenlage und Pirastro Saiten. Irgendwann finden Sie in ihrer Unzufriedenheit meine Web Seite und erfahren etwas über die Genßler Saiten. Nach einem Telefonat sind alle restlos überzeugt. Um allen Interessenten auch das Gefühl zu vermitteln, dass ich ihnen nichts aufschwatzen will, biete ich Ihnen an, dass ich die Genssler Saiten nach einem Monat zurücknehme, sowie den handgefertigten teuren Saitenhalter aus Ebenholz.
Mir hat noch nie jemand etwas zurückgegeben, oder sein Geld zurück verlangt.
Meine Empfehlung geht also insbesondere darin, dass Anfänger, auch und besonders späte Anfänger oder Anfängerinnen sich für diese Saiten interessieren.
Solche Spieler, die vielleicht studieren oder schon Berufsmusiker sind, die haben in der Regel durch sehr hartes Training genügend Muskelkraft um den Saiten Widerstand und eine hohe Saitenlage durch Kraft zu kompensieren.

Wollen sie sich jedoch umorientieren, dann müssen sie sich sehr viel Zeit lassen für eine mentale und besonders körperliche Einstellung auf diese neue Leichtigkeit. Wer Kontrabass-Arbeiten gewohnt ist, der kann nur schwer einsehen, dass etwas plötzlich sehr leicht ist und es bisher nicht sein durfte.

Philharmonisches Orchester Heidelberg – Horst Seehofer und Michael Schneider : geht das ?

Horst Seehofer ist der Berufsquerulant wie einer in meiner Kontrabass Gruppe, der ständig etwas besser weiß, ständig genau weiß wie es eigentlich sein müsste, obwohl er weder Bundeskanzlerin noch Solo Kontrabassist ist.
Das ist nicht weiter bedeutend, denn Frau Merkel ist Bundeskanzlerin und Horst Seehofer ist es nicht.
Aber um seiner Nebensächlichkeit eine wichtige Funktion zu geben, muss er sticheln und kontern und selbstverständlich alles besser wissen, so als wäre er der Chef.
Der Solo Kontrabassist eines bedeutenden deutschen Staatsopern Orchesters hat mir die folgende Weisheit mitgeteilt: wenn du Solo Kontrabassist bist, dann musst du dich sehr warm anziehen.
Ich hoffe dass Frau Merkel dies auch weiß.
Michael Schneider ist immer sehr warm angezogen. Das nervt sein Gegenüber natürlich sehr, weil die Kälte und Unverfrorenheit dringt halt nicht durch.
Das kann einen schon mal rasend und wütend machen.
So wie Horst Seehofer sich aufplustern muss wie ein balzender Hahn um bedeutend zu erscheinen.
Mit anderen Worten: in der Politik, wie im Orchesteralltag entsteht Bedeutung und Bedeutsamkeit durch imposantes Balzgehabe:
Wenig Inhalt, aber viel Lärm um nichts.
In der kurzen Zeit mit Yordan Kamdzhalov war ein hoher visionärer Anspruch gepaart mit musikalischer Ästhetik und großem menschlichen Wohlwollen.
Beseelt nenne ich diese Zeit.
Aber auch die Nazis haben unserer Kultur die Seele aus dem Leib gerissen, so wie die Heidelberger Philharmoniker sich von empathisch schönen Visionen des Yordan Kamdzhalov verabschiedet haben.
Übrig geblieben ist: same procedure as every year.
Na, dann kann Michael Schneider ja beruhigt gehen. Es geht immer so weiter wie gehabt. Michael Schneider braucht sich keine Sorgen zu machen, dass sich wesentlich etwas ändert.
Frage an das gute “ Nota Bene „: Wann wird Yordan Kamdzhalov Ehrendirigent des Philharmonischen Orchesters Heidelberg ? Der Intendant Holger Schultze muss hoffentlich nicht dazu um sein Jawort gebeten werden ?

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