Profis zu Besuch. Michael Schneider macht Musik mit den UmA’s im PHV. Deutsch und Musik im Auftrag des DRK Rhein Neckar.

Drei Abkürzungen! Wie viele davon können Sie in vollständiges Deutsch übertragen ?
33.3 % ? 66,6 % oder 100 %.
Ich lag bei der zweiten Möglichkeit. UmA’s gab es in meiner Schulzeit noch nicht.
“ Unbegleitete minderjährige Asylanten „.
Schon das letzte Jahr in der Breiten Seite Nummer drei in Sinsheim hat mich gelehrt, wie musikalisch und musikbegeistert Afghanen, Syrer und natürlich Afrikaner sind.
Für Minderjährige gilt das natürlich auch schon.

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Heute, am 5. April fanden Annette, meine Partnerin für den Deutschunterricht und ich bis auf Abdul Rahman eine komplette neue Gruppe junger Afrikaner vor.
Musik mit Flüchtlingen heißt : soviel Djemben wie möglich. Eine oder zwei verstimmte Gitarren tun es auch. Fremdharmonische Perkussion auf zwei Gitarren ist für Afrikaner kein Problem – für Michael Schneider spätestens seit heute auch nicht mehr.

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Heute ging die Post so richtig ab. Die Beweisphotos sehen Sie auf dieser Seite.
Dabei war ein Sänger – der junge Mann im grünen T-Shirt.
Er machte den Vorsänger. Immer wenn der Refrain kam: “ in Germany „, dann war lautes Trommeln aller angesagt mit Germany-Gesang der ganzen Gruppe.
We love Solidarity – in Germany.
We….. Hospitality ….We……Liberty……..!
Manches geschieht zum ersten Mal.
Das habe ich bisher noch nicht erlebt.

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Es gab im letzten Jahr die “ Willkommens-Kul-Tour der Sinsheimer Djemben Gambianer. Diese jungen Männer heute formulieren mit ihrer Musik was menschlich ungewöhnlich ist:
Bis sie volljährig sind beschützt sie unser Staat. Dafür bedanken sich diese jungen Menschen mit ihrer Musik.

Wir in Europa leben in einem unvorstellbaren Wohlstand. Unseren Reichtum haben wir in Afrika geklaut, die Länder ausgebeutet und sie in ihrer natürlichen Entwicklung gestört, weil wir meinten, wir sind das Non-Plus-Ultra dieser Welt. Die Flüchtlingsströme haben wir schon lange erwartet. Wohlstandsflüchtlinge waren uns schon lange angekündigt. Ein Jahrhundert der häufigsten Kriege liegt hinter uns und setzt sich gerade fort. Was machen wir ? Wir haben Angst um unseren unermesslichen Wohlstand. Wie krank ist diese Gesellschaft ?
Michael Schneider ist jedenfalls so krank, dass der sich wahnsinnig freut, wenn junge Flüchtlinge sich über unsere Wohltaten freuen.
Eigentlich sollte sich Deutschland bei diesen Menschen für das Chaos entschuldigen, das wir bei ihnen angerichtet haben.

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Was hier so positiv begann ist nur eine Volte, die ich auch in der Musik immer gelebt habe: Einmal alles umdrehen, infrage stellen, aus einer anderen Sicht betrachten. Danach kann ich zu meinem alten Standpunkt zurückkehren oder eben nicht. Jedenfalls habe ich mir Alternativen angeschaut. Dann erst habe ich ich die Möglichkeit der Wahl.
Aber bei einem Gedanken habe ich keine grosse Auswahl mehr:
Wenn sich das Philharmonische Orchester Heidelberg in der Affäre Yordan Kamdzhalov so tief unter die Gürtellinie begibt, dass die Nazis vor Scham fast ( nur beinah ) errötet wären, dann konnte Michael Schneider da nicht mehr mit machen.

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Ein viel schlimmere Variante:
Deutschland verkauft Waffen an Assad. Der bekämpft sein Volk. Eine Bombe aus Deutschland fällt auf das Haus von Abdul Rahman’s Familie in Syrien. Er überlebt den Bombenangriff als Einziger. Ein Auge bleibt ihm, drei Splitter im Körper, die Nase sehr vernarbt. Und nun gewährt ihm Deutschland bis zur Volljährigkeit Asyl. Dann aber beginnt erst das eigentliche Asylverfahren. Haben Sie noch Fragen ?

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Breite Seite Nummer drei – der Ramadan legt alles lahm.

Das stimmt so natürlich nicht. Das Laute ist in der Menge einfach reduziert. Slow Motion – so erleben wir es mehrmals im Jahr, wenn Deutschland in die Ferienstarre verfällt. Dann bleiben Anträge eben liegen, weil jemand im Urlaub ist. Hasta Manana, wie der Spanier sagt, Morgen reicht es auch noch.
Mittwoch, 8. Juni, Michael Schneider reist an mit Cello und Gitarre – die beiden Windhunde gehören schon zum Personal.
Ach ja, heute treffe ich auf neues, mir unbekanntes Security Personal. Der Chef gibt Anweisung, meinen Kofferraum auf Waffen zu untersuchen. Meine Leser kennen sich in meinem Wagen schon aus: der Kofferraum enthält oft jede Menge Djemben, aber immer meine beiden Hunde. Darum könnte ich jede Menge Waffen ins das Flüchtlingscamp schmuggeln, denn sobald die Security Leute meine Hunde sehen, vergessen sie ihre Neugier.

Gut, dann ist es soweit, Michael Schneider schreitet zur Tat.
Ohne Publikum. Schauen Sie auf die Überschrift. Wo ich meinen Bach “ übe “ ist mir egal. Nein, auch das stimmt nicht: zu Hause ist es Üben, da wird verbessert. Hier tue ich so, als sei es ein Konzert – ohne Publikum.
Doch mit Publikum: ein Afrikaner und zwei Afghanen lauschen der Bach-Stunde.
Besonders der Afrikaner ist wieder so ein Typ ( Afrikaner ) der deutlich und lachend seinen Gefühlen zu Bach’s Musik nach jedem Stück Raum gibt. Bei den rockig-fetzigen Nummern können die Afrikaner besonders gut mitgehen. Sie erinnern sich: Die Satzbezeichnungen: Courante und Gigue versprechen Rhythmus und schräge Klänge. ( Hiers entsteht gerade ein neues Projekt: im Juli, wenn die Djemben-Post wieder abgeht werden die Gambianer mit ihren Djemben die Rockband stellen zur Musik von Johann Sebastian Bach mit elektrisch verstärktem Cello. Sie kennen den folgenden Satz schon: wir hören voneinander ).
Nach 70 Minuten kann der Gitarrenunterricht beginnen. Ein Schüler erscheint. Er wird auf die nächste Woche vertröstet. Ich unterhalte mich mit weiteren Gitarren Interessenten. Der nächste Schüler erscheint. Das wiederholt sich noch einmal. Aber, sie bringen es fertig, zeitlich so versetzt zu erscheinen, dass ich jeden einzelnen auf den Gruppenunterricht in der kommenden Woche vertrösten muss. Für den Leser: es gibt in der Breiten Seite nur Gruppenunterricht.
Apropos fröhlicher Afrikaner: einer der Djemben-Gambianer ist 20 Jahre jung und war vier Jahre auf der Flucht bis er in der Breiten Seite Nummer drei gelandet ist.

Machen Sie sich ein Bild:
Hier gebe ich die ersten vier Suchergebnisse an, wenn ich Sinsheim/ Flüchtlinge eingebe:

1. https://www.facebook.com/wirwollenkeineasylantenheime/
2. http://www.rnz.de/nachrichten/sinsheim_artikel,-Fluechtlinge-in-Sinsheim-Kreis-plant-eine-weitere-Notunterkunft-_arid,144559.html
3. Tumulte in Sinsheimer Flüchtlingsheim: Kreis verstärkt Sicherheitsdienst
4. http://www.sam-sinsheim.de/ Sinsheimer Arbeitsgemeinschaft Migration e.V.

Die Artikel, ihre Reihenfolge ändern sich quasi stündlich. Nur eines begegnet mir immer wieder an erster Stelle: facebook.com: wir wollen keine……………!
5. Juni 2016, Sonntag 11- 14 Uhr. Das internationale Frühstück in Sinsheim. Ich suche noch, im Internet, suche vergeblich an erster Stelle die Liebe und das Wohlwollen von dieser Begegnung, gespiegelt im Internet für die ganze Welt.
Michael Schneider war auf einer Fortbildung des DRK Rhein Neckar über Traumata von Flüchtlingen. Die Musik die Michael Schneider und Bruno Strnad in die Breite Seite Nummer drei bringen, lindert zumindest solange die Musik erklingt jedes Trauma. Für die Musiker ebenso wie für deren Zuhörer.
Ich muss hier feststellen, dass nach diesem internationalen Frühstück Michael Schneider an einem Trauma leidet. Dieses Erlebnis, auch mit dem Flüchtlingschor, dem Gitarrenorchester und den Djemben-Gambianern, den Indern und Tamilen: diese Begeisterung und Wohlwollen, das ist schwer auszuhalten. Ganz besonders angesichts der Facebook-Seite Nummer eins auf der Hitliste des Negativen.

Breite Seite Nummer drei in Sinsheim. Das Djemben Ensemble aus Gambia. Gruppenbild mit Djemben. Wir nannten das damals “ African High Life Music „. Jetzt nennen wir sie “ Flüchtlinge „. Ich nenne sie: Menschen die unsere Hilfe brauchen. Willkommen unsere neuen Freunde. Unsere Zukunft.

Eugen Lemberg und die Überwindung des Nationalstaatensystems. Das dachte ich. Spätestens mit und Dank Helmut Kohl habe ich die national-hegemoniale Engstirnigkeit für ausgestorben erklärt. Aber jetzt wollen wir weiter unsere Waffen an Diktatoren verkaufen, hüten und klammern an unserem egoistischen Wohlstand durch den Tod anderer Menschen. Wir waren doch alle froh über den Fall der Mauer. Michael Schneider war entsetzt über Israel, über den Zaun der USA gegenüber Mexiko. Und jetzt leistet sich Frau Merkel die Tolerierung von Stacheldraht an Europas Grenzen. Wann setzt Frau Merkel den gewünschten Schiessbefehl der AfD in die Tat um?
Wir sind eine Schande für die Menschheit, für unsere Menschlichkeit, wenn wir unseren Wohlstand auf Kosten der Armut anderer weiter leben wollen. Tod anderer für unseren Wohlstand ? Wollen wir das ? Willkommen meine neuen Freunde.

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Profis zu Besuch: Michael Schneider in der Breiten Seite Nummer drei in Sinsheim am 2. Juni 2016. Heute wieder einmal komplett anders. Das Namenwirrwar in meinem Kopf.

Michael Schneider gibt Gitarrenunterricht. Bruno Strnad spielt Gitarre und leitet einen kleinen Flüchtlingschor. Der Chor besteht manchmal nur aus 2-3 Sängern. Kamerun, Togo und Afghanistan sind in diesem Chor vertreten. Wenn mehr kommen, vermehren sich auch die vertretenen Flüchtlingsländer.
Da hat mein Gehirn viele Namen, sehr viele unbekannte noch nie gehörte Namen zu verkraften.
Das fängt schon mit Bruno an, dem Chorleiter. Ein Zungenbrecher dieser tschechische Nachname.
So jetzt eine kleiner Test für Sie, die Leser. Es folgt eine Liste der Vornamen von Chorsängern und Gitarrenorchester Mitgliedern. Lesen Sie sich die Namen einmal durch und schreiben Sie die dann auswendig auf. Ohne zu spicken. Viel Vergnügen:
Hassa, Mohamad, Michel, Raheb, Obaid, Syed, Freddy, Maliksada, Assim,Mosab,Nesar.
So, Sie konnten also alle Namen wiederholen ? Ich gratuliere, ich darf die Namen in der Breiten Seite Nummer drei dann auch noch Gesichtern zuordnen.
Heute bekommen die auf dem Pressephoto vertretenen Gambianer einen Namen.
Erste Reihe von links nach rechts:
Bakari, Djeben, Ansu, Ibraim Ismaila.
Zweite Reihe von links nach rechts:
Sadja, Andrea Schmedes, Kalifo und Michael Schneider.

Die acht Gambianer und ihre Djemben brauchen heute keinen Profi, sie sind es selber. Heute trommeln sie zweieinhalb Stunden ohne Pause und für die anderen afghanischen und syrischen Flüchtlinge.
So widme ich mich mit Bruno dem gemeinsamen Projekt für das internationale Frühstück am 5. Juni in Sinsheim: wir legen mein Gitarrenorchester mit dem Flüchtlingschor zusammen und üben einen Kanon ein und ein weiteres Lied.
Innerhalb von zwei Wochen haben meine Gitarrenschüler Akkordwechsel gelernt, die sie inzwischen im Tempo spielen und die Akkorde mit gutem Timing wechseln können.
Wieder einmal hat Michael Schneider heute gelernt: wenn du etwas geben möchtest, dann darfst du nicht erwarten dass das genau so stattfindet, entgegengenommen wird wie du dir das vorstellst.
Immer wieder spüre ich eine kleine Eitelkeit in mir, die gestreichelt werden will.
Aber sie hat bei mir keine Chance. Ich weiss, einfach für die Flüchtlinge da sein und das sehr regelmäßig, das ist die beste Hilfe die ich ihnen geben kann.

Noch ein Kommentar zur anspruchsvollen „ Chor-Literatur „: Grün grün grün sind alle meine Kleider.
Zweites Repertoire Stück: Es tönen die Lieder.
Hier zum Nota Bene: Weniger ist eben immer wieder mehr. Nämlich besser als gar nichts.

Breite Seite Nummer drei in Sinsheim im Wonnemonat Mai. Profis zu Besuch. Der Mittwoch Termin von Michael Schneider. Aber welcher Profi ist heute bei wem? Dies und viel mehr können Sie gleich erfahren.

Frühling. 21°. In Sinsheim in den Messehallen. Auf dem Platz davor wird in dem eingezäunten Gelände fleißig Fußball gespielt. Die Security Männer aalen sich in der Sonne am Eingang, auf jeden Fall im Freien. Diese Feststellung ist eigentlich ein weißer Schimmel, alle Security Männer stammen vermutlich aus den gleichen Ländern, aus denen die Flüchtlinge entronnen sind. Also: Afghanistan, Gambia, Syrien und der Irak. In der großen Halle gibt es trotzdem einige unermüdliche Fernseh – Gucker.
Michael Schneider hat die letzte Woche genutzt, um sein Repertoire zu erweitern, auch mit moderneren Werken, um so Abwechslung in seine Musizierstunden zu bringen. Es war aber niemand da, bis auf drei meiner Gitarren Schüler, die am liebsten gleich mit dem Unterricht begonnen hätten. Stattdessen tauchte der spirituelle Anführer der Trommlergruppe auf, Ismaila. Der durfte dann buchstäblich seine Kollegen “ zusammentrommeln „. Es gibt heute wichtiges zu besprechen. Michael Schneider hat fünf Termine für den Juni organisiert, öffentliche Feste, die zwei Veranstaltungen in der Real Schule Waibstadt. Da geht es um organisatorische Fragen, aber auch um deutsche Zuverlässigkeit, denn Michael Schneider macht sich Sorgen, wie ein Sack Flöhe von Sinsheim nach Waibstadt pünktlich befördert werden kann.
Meine gambianischen Trommelfreunde hören mir eine Weile zu, dann reden sie in einer mir fremden und unverständlichen Sprache unter sich.
Sie diskutieren unermüdlich. Michael Schneider denkt: schöne Musik diese Sprache. Und dann denkt er noch, dieser tiefschwarze Trommler mir gegenüber mit seinen Locken Haaren, einer blauen Wollmütze und das alles in einem weißen T-Shirt: wow das sieht toll aus.
Dann reden sie wieder mit mir, also auf Englisch in diesem Fall.
Die erste Mitteilung: vom 6. Juni bis einschließlich 6. Juli gibt es den Ramadan und da wird keine Musik gemacht. Damit sind alle Juni Termine hinfällig. Und ich stehe blamiert da und kann nur noch sagen, dass ich nicht beleidigt bin und halt Termine verschoben werden und neue Möglichkeiten gesucht werden.
Dann gehen die Tarifverhandlungen in die zweite Runde. Die Trommler verlangen Proben vor Auftritten und Konzerten.
Ich dachte, die trommeln einfach nur so, aber anscheinend geht es bei den Trommlern genauso zu wie bei einem Streichquartett oder einem Oktett von Franz Schubert oder dem Beethoven Septett: da werden die Rollen ganz genau verteilt.
Die weiteren Tarif Verhandlungen führten letztendlich dazu, dass Michael Schneider es nicht mehr ausgehalten hat und mit zwei Gambianern noch am gleichen Abend nach Heidelberg zu Paco, einem Senegalesen gefahren ist um zwei weitere Djemben einzukaufen, heute aber auf Rechnung weil noch keine Spendengelder angekommen sind. Meine beiden Trommler aus Sinsheim konnten sich mit Paco fließend unterhalten und darüber habe ich mich fragend gewundert. Ich erfuhr, dass Gambia, Senegal und Mauretanien bis zur Kolonialisierung durch uns Europäer ein Land und eine Sprache waren. Diese Sprache ist das “ Wolof „.
Also muss ich mal wieder feststellen, dass nicht nur unsere Waffenlieferungen und die kolonialistische Ausbeutung durch Europa diese Länder deformiert hat, sondern ebenso die willkürlichen Grenzen der Kolonialmächte. Ich habe mich immer schon über die mit dem Lineal gezogenen Grenzen im Nahen Osten gewundert.
Fazit dieses Nachmittages: Meine Betreuerin vom DRK Rhein Neckar hat jetzt jede Menge zu tun um die Forderungen meiner Profi Musiker in die Praxis umzusetzen. Daneben steht aber die sehr gewichtige Erkenntnis, dass es sich dabei nicht um Flöhe handelt sondern um sehr verantwortungsvolle und äußerst engagierte Musiker. Verzeihung! Profis.

Die berühmte “ Breite Seite Nummer drei “ in Sinsheim. Michael Schneider, der ehemalige Solo Kontrabassist des Philharmonischen Orchesters Heidelberg konzertiert mit arkestra convolt für die Flüchtlinge in den Messehallen Sinsheim.

5. Mai 2016 im Flüchtlingsheim in Sinsheim. 500 junge Männer aus Afghanistan, Syrien und Gambia sind dort einquartiert. Michael Schneider hat ein Konzert initiiert, das seine Betreuerin vom DRK Rhein Neckar aufgegriffen und realisiert hat. An diesem Vatertag haben viele Mitarbeiter des DRK Rhein Neckar mitgewirkt, auch durch ihre Anwesenheit. Vatertag ist ein Feiertag. Trotzdem waren alle offiziellen Mitarbeiter freiwillig erschienen. 250 Flüchtlinge waren an diesem Abend dabei. Und jetzt halten Sie sich fest, das Konzert und die anschließende Trommel-Session mit Improvisationen von arkestra convolt habe ich als einen ganz besonderen Film erlebt.
Der Film heißt: “ The Shawshank redemption and the Godfather „, zu deutsch: “ Die Verurteilten „. Der Film spielt in einem Gefängnis. Die Geschichte des Films ist hier nicht wichtig. Aber die geballte Energie von vielen Männern, die eher weniger freiwillig Zeit zusammen verbringen, dieses Bild, dieser beste Film aller Zeiten vermittelt dem Leser einen Eindruck von Kraft und urwüchsiger Energie, die alle Beteiligten heute Abend erlebt haben.
Das Flüchtlingsheim in der Breiten Seite Nummer drei in Sinsheim ist kein Gefängnis. Die Bewohner des Heimes können Tag und Nacht das Heim verlassen und jederzeit 24 Stunden rund um die Uhr kommen und gehen. Sie bekommen reichlich Kursangebote zum Deutsch lernen sowie andere Sozialangebote.
Eines davon ist das Thema Musik. Dank meiner Betreuerin vom DRK Rhein Neckar hat Michael Schneider verstanden, dass allein das Angebot von Musik, beziehungsweise Musikunterricht als Bereicherung betrachtet wird.
Kennen Sie Live Mitschnitte von Rock Konzerten? Ja Sie kennen das: dann wissen Sie, dass dort die Menschen eng gedrängt herumstehen und kaum die Möglichkeit haben sich zu bewegen. Anders in der großen Aufenthaltshalle, die reichlich Platz zum Tanzen bietet, sowie mit zahllosen Sofas ausgestattet ist, die in einem großen Halbkreis um die Musik drapiert waren. Nach dem Konzert waren die Gambianer mit arkestra convolt 80 Minuten am Jammen. Was Sie in dem oben beschriebenen Film als Box und Kampf Szenen sehen können, das wird an diesem Abend ein ausgelassenes, begeistertes Tanzvergnügen von Afrikanern, Afghanen und Syrern. Jeder begeisterten Regung wird sofort Raum gegeben. Lautstarkes Gejohle oder geradezu frenetischer Applaus formen eine mir ungewohnte Geräuschkulisse.
Nach Beendigung des offiziellen Konzertes bedankte sich der Sprecher der 500 Bewohner des Flüchtlingsheims für unser Konzert. Ich fühlte mich erinnert an das Wort “ Klassensprecher “ aus meiner Schulzeit. Aber dann dachte ich: Toll, dass es unter 500 Flüchtlingen in einem Gebäude auch einen “ Klassensprecher “ gibt.

Breite Seite Nummer drei in Sinsheim. Heute: Cello Solo und Gitarrenunterricht mit Michael Schneider.

An diesem Mittwoch, den 4. Mai war wieder Cello Konzert angesagt.
Ich habe einen neuen Fan aus Afghanistan. Habe ich einen neuen Anhänger? Oder hat die Barock und Renaissance Musik einen neuen Anhänger gefunden, für Musik, die er vielleicht noch nie vorher gehört hatte?
Mosab ALmohajer. Auch diesen Namen habe ich mir notiert damit ich ihn nicht vergesse. Zwei andere meiner Zuhörer aus Afghanistan hießen nun tatsächlich Mohamed, diesen Namen kann sich vermutlich jeder leicht merken. Die Namen Abdul Rahman oder Malikzada gehen mir inzwischen leicht von der Zunge. Mich grüßen inzwischen auch schon Flüchtlinge, die ich bei meinen Konzerten oder den Musikstunden noch gar nicht gesehen habe.
60 Minuten Cello Musik, meine beiden Stammhörer Malikzada , der auch mein Gitarrenschüler geworden ist und Mosab ALmohajer genießen ganz offensichtlich den Klang meines Cellos und drücken dies auch mit Worten aus, wie sehr ihnen der weiche Klang dieses Instrumentes gefällt.
Mein wechselndes Lauf Publikum, heute überwiegend Afghanen, kennt sich anscheinend auch mit unserer westlichen Musik aus. Zwar wurde von einem die Musik von Johann Sebastian Bach dem Italiener Giuseppe Tartini zugeschrieben, aber immerhin, so ganz daneben war es dann doch nicht.
Die schnellen Sätze von Johann Sebastian Bach aus den Cello Suiten wurden von einem anderen der Rock Musik zugeordnet. Da waren wir beide uns einig, das sehe ich ganz genauso.
Nach 60 Minuten Cello Musik bekam Malikzada seine Gitarrenstunde.
Meine beiden anderen Gitarrenschüler, Abdulrahman und Assim mussten heute anscheinend den Frühling in Sinsheim genießen. Von Haus aus Jazzer, war ich als Orchestermusiker, beziehungsweise Angestellter der Stadt Heidelberg nie so ganz den strengen Ritualen verpflichtet, ich will sagen, somit der arabischen Mentalität näher. Trotzdem, als Gebender muss ich mich immer noch ein wenig daran gewöhnen, kann mich inzwischen aber freudig und neugierig auf den nächste Variante einlassen.
Wie lange meine “ Gitarrenschüler “ in Sinsheim bleiben, das wissen sie selbst nicht so genau. Lohnt sich dan der Unterricht überhaupt, wenn die zeitliche Befristung ganz im Ungewissen liegt?
Hier gibt es nur ein eindeutiges Ja, keine Minute möchte ich missen. Junge interessierte Männer – die sich nach den Worten meiner Betreuerin vom DRK Rhein Neckar “ im Krieg befinden “ – bekommen eine Gitarre und Lehrer wie Schüler erleben taufrisch, wie der Prozess des Laufen Lernens sich bei einem Kind entwickelt: Hinfallen-Aufstehen.
Für diese Männer, also meine drei Gitarrenschüler ist dies die wunderbare Erfahrung, dass die Finger zunächst überhaupt nicht das tun, was der Kopf denkt oder sich einbildet.
Das merke ich jedesmal an mir selbst. Ich kann mir die vielen neuen Namen nicht merken, habe zunächst immer wieder nachfragen müssen, bis ich begonnen habe, sie mehr schriftlich zu merken.Ergo: DER LEHRER IST AUCH NICHT BESSER ALS SEINE SCHÜLER.