Flüchtlingshilfe einmal luftig und leicht. Deutschunterricht mit Musik. Sprache durch Strophen lernen. Der Profi zu Besuch im PHV Heidelberg.

Viele Jahre hat Michael Schneider seinen Kindern Lieder zum Einschlafen gesungen. Einfache Kinderlieder von Hans Spielmann. Und da war ein Wecklied: “ Wer nur den lieben langen Tag ohne Plag ohne Arbeit vertändelt ……… “ ( Merken Sie sich das Wort “ vertändelt „, es wird in der Folge eine wichtige Rolle spielen ). Das Lied stammt von Professor Jens Rohwer.
An das Wecklied haben sich meine Kinder, so gegen Ende ihrer Pubertät, plötzlich wieder erinnert und wollen es immer mal wieder hören.
Ebenso steht ein wunderbares Kinderlied von Hans Spielmann immer noch auf Platz eins der Erinnerung: “ Der Eber sagt zu seiner Frau………. „
Nach einem Jahr mit den Djemben-Gambianern in Sinsheim bringe ich meine Musik zu den UMA’s im PHV Heidelberg.
Bis letzte Woche ging es um Deutschunterricht in zwei Etappen: Deutsch und Musik.
Diese Woche waren aber keine Deutschleherinnen dabei. Michael Schneider war der Lehrer, assistiert von Marlene, einer jungen Praktikantin.
Die Vorahnung dieser Situation brachte meine Gitarre mit und ein Sommer Liederbuch aus einem Walldorf Kindergarten.
Michael Schneider denkt: jetzt will ich es wissen. Wir lernen Deutsch mit “ Trarira, der Sommer der ist da“.
Ergo: Text an die Tafel geschrieben – alle schreiben den Text ab. Wir üben die Aussprache. Alle zusammen, laut und gerne falsch, aber gemeinsam. Das verstehen sie gut. Animation für Mut kommt von vorne, vom Lehrer. Jetzt die Melodie, das geht ruckzuck. Kinderlieder und einfache Melodien gibt es auf der ganzen Welt, in Syrien, Gambia, Somalia, Afghanistan. Strahlende Gesichter. Immer wieder muss jeder, jede einzelne sich vor den anderen “ blamieren „. Das tun sie natürlich nicht, es geht um den Mut sich darauf einzulassen. Alle Variationen nähern sie an den Mut und die Lust, gemeinsam durch Musik und Sprache die Leichtigkeit der Lust an etwas Neuem zu erfahren.

Der Refrain: “ Trarira……. “ kommt vor und nach jeder Strophe. Gemeinsam – inzwischen perfekt und deutlich – alle den Refrain. Einzeln darf ( muss ? ) jeder und jede sich vor der Tafel um einen ad hoc neuen Text auf Deutsch lesend um Aussprache und Sprachrhythmus bemühen.
In diesem Zusammenhang ersetze ich jetzt das Wort “ vertändelt “ durch einige Worte aus den Strophen: gekommen, zerronnen, Hecke, necken.
Michael Schneider hat immer noch Probleme, sich die Namen der vielen und wechselnden Menschen zu merken. Aber diese jungen Pubertisten sollen sich die eben genannten Worte merken und auch noch verstehen ?
Michael Schneider ist begeistert:
Zwischenbemerkung um 11.30 Uhr: Wollen wir noch Musik machen? Nein, weiter Deutschunterricht entscheidet eine junge Frau aus Somalia, alle stimmen zu. Gut, jetzt das Alphabet. Zu jedem Buchstaben sollen sie Begriffe mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben finden.
G? Gekommen – sagt jemand.
H? Hecke ein anderer.
N? Necken…….
Z ? Aber hallo, Sie ahnen es: da kommt tatsächlich das Wort : zerronnen.
Bei S ist erst mal Schweigen. Jetzt macht Michael Schneider auch mit: Somalia.
Das war ein Vormittag der hat mich mit der grossen Politik versöhnt. Dabei weiss ich: das nächste Jammertal in der Nähe der Tränen wartet schon vor der Tür. Sie alle werden demnächst/irgendwann verteilt an andere Orte. Drei Wochen – eine annähernd konstante Gruppe – schafft schon viele Glückshormone auf beiden Seiten, Vertrauen entsteht. Wie in einem Zeitraffer wird allen hier das Ephemère des Lebens vor die Gefühle geführt. Aber wir alle leben, ich sah nur strahlende Gesichter und Gefühle.
Ein Suchtfaktor zum Schluss: Am Ende des Vormittags bilden wir einen Kreis, bedanken uns für uns und das Geschenk der gemeinsamen Zeit.
Der Dank für das “ Fliegende Klassenzimmer “ des DRK Rhein Neckar geht an alle die sich diesen “ ewigen “ Trennungsschmerz so lustvoll antun.

Trarira, der Sommer der ist da!
Wir woll’n hinaus in Garten und woll’n des Sommers warten!
Wir woll’n hinter die Hecken und woll’n den Sommer wecken!
Der Winter ist zerronnen, der Sommer hat begonnen!

Einrede für mehr Ehrlichkeit, weniger Mauern, besonders in uns. Das reichste Land der Welt grenzt aus. Die UMA’s kommen nicht mehr bei uns an. Flüchtlingshilfe ?

Eine Freundin postete dies auf Facebook.
“ Täglich fallen Bomben, täglich sterben Menschen, daran haben wir uns gewöhnt und meist fallen sie auch weit genug entfernt, so berühren sie unsere emotionale und reale Komfortzone nicht, da lässt es sich unbeschwert leben, nichts wird überschattet. Damit ist es vorbei, sobald solche Anschläge in unserer „Welt“ verübt werden, bringen sie nicht nur Verletzte und Tote hervor, diese Anschläge lassen feine Risse in unserer emotionalen Schutzmauer entstehen, durch die das Elend solcher Erfahrungen, bis in unser Innerstes vordringt und vielfältigste Gefühle empor schleudert. Würden solche Anschläge dazu beitragen, dass mehr Mitgefühl entsteht, hätten sie ihr Ziel nicht erreicht. Wir sind solchen Situationen bisher noch relativ selten ausgesetzt, allerdings leben unter uns Menschen, die solchen Situationen Tag für Tag und das über Jahre, ausgesetzt waren und sie aushalten mußten, die das Elend in aller Grausamkeit überlebt haben, weil sie sich auf den Weg gemacht und zu uns geflüchtet sind. Eingebettet in unserer sicheren Welt, tragen sie jede Sekunde der ertragenen Qualen mit sich, sie sind ihnen eingebrannt und werden sie bis zu ihrem letzten Atemzug begleiten, auch wenn man es ihnen nicht ansieht. Wenn diese Anschläge zu mehr Mitgefühl führen würden, hätten sie ihr Ziel nicht erreicht und das wünsche ich mir! „

Als Moderator bei Schulauftritten mit den Djemben-Gambianern im Rahmen der “ Willkommens Kul-Tour “ des DRK Rhein Neckar habe ich immer wieder die Schüler gefragt, wann sie, wann ich, wann ein Mensch an den Punkt kommt, alles zu verlassen was ihm wichtig ist.
Michael Schneider hat noch Filme der Flüchtlingsströme aus dem Osten während und nach dem zweiten Weltkrieg gesehen. Die Bilder haben sich seitdem ewig wiederholt, aber wir leben in einer unvorstellbaren Komfortzone.

Und hier ist das besondere Problem von Michael Schneider: Sein vehementer Einsatz für einen diskriminierten Menschen in Heidelberg, dem alles ausser Totschlag von “ Kultur-Menschen “ aus Heidelberg angetan wurde, bis in die höchsten Ämter ging diese Feigheit: Das alles scheint angesichts der inzwischen bei uns angekommenen Lawine an Elend geradezu lächerlich.
Für diese inzwischen lächerliche Reminiszenz stehen Namen wie Holger Schultze, Dr. Würzner, der Orchestervorstand des Philharmonischen Orchesters Heidelberg, sowie die Mehrheit des Theaters überhaupt, die alle durch Weggucken und Schweigen alle Lügen und Intrigen der genannten Macher unterstützt haben.

Uli Kieckbusch – ein Sympathieträger des modernen Tangos, sowie Sympathisant des portugiesischen Fado. Porträt einer Sehnsucht nach Vollkommenheit. Zu hören am 17.3.2017 um 20 Uhr in der Evangelischen Bergkirche Schlierbach.

Uli Kieckbusch ist nicht nur der Urgrossneffe von Vater Brahms, er ist auch der Vater des Deutschen Tangos. Einzigartig und bekannt als Tangoharmonika. Tango mit der Harmonika- auf deutsch: Mundharmonika – als erste Geige, als Stimmführer der Musik.
Das Besondere in seinen Konzerten: er erscheint mit einem grossen Koffer, gefüllt mit vielen Harmonikas. Jede einzelne ist in einer ganz besonderen Tonalität gestimmt – anders herum: für jede neue Komposition feilt er die Zungen einzelner Töne für die gewünschte Tonalität zurecht.

Da war also der grosse Koffer. Da ist aber noch etwas: Kieckbusch, also Uli war schon im Knast. Nicht so, wie Sie jetzt denken. Als Künstler hat er eingesessen. Mit einem Stipendium. In Salem. In New York. Da hat er eine Woche an sich gearbeitet. Von allen Künstlern wurden dann die Ergebnisse auf Youtube veröffentlicht.

Uli Kieckbusch hat einen Traum: Ein Klavierkonzert. Gespielt z.B.von Helene Grimaud. Aber: der zweite Solist ist Uli Kieckbusch. Er improvisiert live im Konzert auf einem zweiten Flügel die zweite Stimme. Uli kann das. Daran gab es vielerseits keinen Zweifel, aber leider kein Geld dafür.
Wir sind Realisten: wir wünschen Uli schöne Träume.

Aber die erhalten ihn, wie uns alle am Leben.

Ein anderer Traum ist schon wahr geworden: Einige Konzerte mit Günter „Baby“ Sommer hat er kürzlich bewältigt? Gestaltet? Realisiert ? Auf jeden Fall: genossen.
Sie wissen nicht wer das ist ? Sommer ist eine beeindruckende Musiker Persönlichkeit. Der deutsche Jo Jones sozusagen. Damit will ich sagen: „ Genial „.

Uli Kieckbusch war schon beinahe „ unzählig „ oft Gast in der Bergkirche Schlierbach. Nicht jeder verbringt seine Zeit gerne auf der Strasse zwischen Balingen und Heidelberg .

Wie viele geniale Menschen, Komponisten mit Visionen leidet er immer wieder unter der klassischen Geradlinigkeit, die „ Offline Musik „ so mit sich bringt.
Was ist denn das für eine Formulierung ?
Kennen Sie die Begriffe Binär und Ternär?
Das eine ist gerade, das andere ungerade.
Das erstere klassisch, das andere jazzig, weltmusikalisch.
Kennen Sie die Probleme „ online „ zu gehen, wenn noch nichts richtig funktioniert ?
Na, dann verstehen Sie den Wechsel von gerader Klassik zum slimy-ternären-Groove wie ihn die oft endlos verschlungenen Triolen Grooves dieses Uli Kieckbusch verlangen.

Apropos: Slimy – auf deutsch: schleimig.
Singen kann dieser Uli Kieckbusch auch.
Meine Bewunderung gilt vor allem seiner Hemmungslosigkeit: Er versucht nicht so zu tun, als wäre er der Beste, die schönste Stimme. Das nennen wir hierzulande: authentisch.
Im Ton vergriffen, in der Sprache wie etwas Fremdes, so verbindet sich, was konventionell als „ Genuschel „ bezeichnet wird zu einer neuen Musik inter pares.
Erbsenzähler ist, wer hier klare Worte hören will.

Ich liebe Mitstreiter in der Musik, die alle Beteiligten mit wohlwollender Begeisterung durch und über alle Klippen bis zur Realisierung entspannt mittragen.
Ja, das ist dieser besondere Mensch für mich.

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Barocke Cellosuiten als musikalisches Experiment Konzert Sängerin Paulina Tyszka, Cellist Michael Schneider und Klangkünstlerin Monika Golla verbanden Johann Sebastian Bachs Cellosuiten mit Neuer Musik. Von Dunja Bernhard


ROTTENBURG UND UMGEBUNG Mittwoch, 21. Dezember 2016

Einen „Weihnachtsstreich“ kündigte Klangkünstlerin Monika Golla den 25 Zuhörern am Sonntag im Börstinger Kunstort Eleven an. Das ehemalige Musikzimmer der Schule hatte sie mit dunkelroten Stoffbahnen verhängt. Bei Kerzenschein gab es Kaffee und Kuchen.
„Wir experimentieren mit den Cellosuiten von Bach“, fasste sie das Programm zusammen. Was daraus entstehe, werde man sehen. Gastmusiker waren Cellist Michael Schneider mit Sängerin und Vokalkünstlerin Paulina Tyszka. Schneider war 35 Jahre lang Solobassist beim Philharmonischen Orchester Heidelberg. Er trat aber auch als Straßen- und Jazzmusiker auf und gründete das Weltmusik Ensemble Arkestra Convolt. Paulina Tyszka studierte Gesang,
Jazz, Experimentelle Musik und Schauspiel in Polen. Die talentierte Sängerin lebt in Frankfurt am Main. In der zweiten Suite ergänzte Golla das Duo. „Da testen wir, was Cellosuiten so aushalten“, kündigte die Kunstortgründerin an. Zusammengebracht hat die Drei der Balinger Komponist und Pianist Uli Johannes Kieckbusch. Schneider ging die erste Cellosuite wie jeder klassische Cellist an: Er folgte den Noten der Partitur.Tyszka höre sich ein, begann zu singen, improvisierend und textlos. Sie intonierte zunächst sanft, dann kraftvoller und schließlich schrill. Schneider wendete seinen Blick von der Partitur zu ihr. Auch musikalisch löste er sich von Bach: Er ließ das Cello schnarren, hämmerte auf das Griffbrett ein und zupfte an den Saiten. Die Vokalkünstlerin nahm die tiefen Töne des Cellos auf, wiegte sie hin und her und versuchte zu spüren, was daraus erwachsen könnte. In Stufen tastete sich ihre Stimme in luftige und doch feste Höhen. Tyszka war ganz in die Musik und ihre Stimme versunken.
Schneider wirkte nüchtern und aufmerksam. Aus ihrem Zusammenspiel erwuchs Knarzendes, Ekstatisches. Und doch fanden sie stets zurück zu Bach‘s Barock. Schneider folgte nach dem Exkurs wieder der Partitur. Mit operettenhaften Koloraturen baute die Sängerin erneut Spannung auf. Ein weiterer Ausflug in die Neue Musik begann.
„Ich liebe es, wenn das Cello knarzt“, erzählte Schneider in der Pause. Er entdecke, auch während des Konzerts, immer wieder neue Klänge auf dem Instrument, die er vorher noch nicht kannte. Er mag die Freiheit des Improvisierens, sagte er und schränkte sogleich ein: „Aber nicht zu sehr“. Als „Notist“ kehre er auch gern zur Partitur zurück. Wenn Musiker ausschließlich improvisieren, gefalle das Ergebnis häufig nur noch ihnen selbst. Zusammen mit Klangkünstlerin Monika Golla muteten die Musiker den Zuhörern ein Klangerlebnis zu, das gelegentlich die Grenzen des Wohlgefühls überschritt. Das sei durchaus beabsichtigt gewesen, sagte Golla. Intensiv hatte sie sich vor dem Konzert mit der zweiten Cellosuite von Bach auseinandergesetzt.
Die sieben Sätze hatte sie in unterschiedlich lange Teile zerstückelt, die sich über Tasten abrufen ließen. Mit den Klangabschnitten wolle sie Schneider unterbrechen und stören, sagte sie. Das ist ihr gelungen.
Tyszka stand zwischen den beiden Musikern und schien zu vermitteln.
Sie nahm die Impulse von beiden Seiten auf und steigerte sich zur ersten Suite noch. Tiefste Leidenschaft zwischen Klagen und Flehen und einem gehauchten „L‘ Amore“.
Doch die Suite zerfledderte zunehmend. Gollas Experimente waren ein durchaus gewollter Angriff auf Harmonie und Integrität des Stücks. Die Neue Musik schien den Barock ganz verdrängt zu haben. Bis Schneider die Führung übernahm und die drei Künstler wieder zueinander fanden. Mit der dritten Cellosuite und Ausflügen in den Jazz rundeten Tyszka und Schneider den Abend ab, der nicht nur Freunde Neuer Musik begeisterte.
Von Dunja Bernhard

Michael Schneider, der Musik- und Redeprofi in der Realschule Waibstadt zitiert Hans Dieter Hüsch am 18.1.2016

Im Rahmen der Veranstaltung : Profis zu Besuch liess Michael Schneider es sich nicht nehmen, neben der Musik der Cellosuiten von Johann Seabstian Bach,ein Ricercar von Giovanni Battista Degli Antonii sowie Musik für Cello Solo von Hanning Schröder, auch eine weitere Lieblingsbeschäftigung zu präsentieren: Die passende Lyrik und Texte zu seinen jeweiligen Themen hat er immer dabei.
Hier gebe ich einen Lied Text von Hans Dieter Hüsch wieder, der mich schon seit vielen Jahren begleitet.

Das Lied vom runden Tisch

Den möcht‘ ich seh’n
Der mir untersagt
Mich mit einem Liberalen
An einen runden Tisch zu setzen!
Den möcht‘ ich seh’n –
Wie er festen Schritt’s auf mich zukommt
Die Hände in den Taschen
Und dann von oben runter fließend zu mir sagt:
„Mit wem sitzt denn du da?
Feines Gesocks, was?
Na ja, du warst ja schon immer was Besseres!
Das Bier würd‘ mir nicht schmecken!
So täuscht man sich halt –
Wechselst mal wieder das Hemd
Wie mir scheint!“

Darauf gibt’s nur eine Antwort:
„Quatschkopf! –
Dieser Liberale hier
Ist mein Freund!“

Den möcht‘ ich sehen
Der mir untersagt
Mich mit einem Christen
An einen runden Tisch zu setzen!
Den möcht‘ ich sehen –
Wie er feinnervig mich beäugt
Sich bei mir einhakt, ein paar Schritte mich entführt
Und dann in seiner hochgestochnen Suppe rührt:
„Du mit dem?
Das halt‘ ich für absurd!
Dessen Bier schmeckt doch nach Weihwasser –
Und nichts ist bewiesen!
Die Kirche ist doch ein alter Hut –
Was für alte Leute, wo man betet und greint!“

Darauf gibt’s nur eine Antwort:
„Deine Ansicht! –
Aber dieser Christ hier
Ist mein Freund!“

Gott, wieviel Jahre wünsch‘ ich mir schon
Einen alten großen runden Tisch
An dem die verschiedensten Menschen sitzen
Und einer davon wär‘ der Hüsch!

Den möcht‘ ich sehen
Der mir untersagt
Mich mit einem Erzdemokraten
An einen runden Tisch zu setzen!
Den möcht‘ ich sehen –
Wie er zunächst überlegt
Dann aber doch mich anspricht
Zunächst um den heißen Brei geht
Dann aber doch zu verstehn gibt –
Ungeheuer enttäuscht zu verstehn gibt:
„Na ja, Sie hatten ja schon immer ’ne Vorliebe für gewisse Extreme!
Wir dachten uns nur
Wo Sie jetzt älter geworden, hätte sich das gelegt!
Erstaunlich, erstaunlich –
Gerade von Ihnen hätten wir das gemeint!

Darauf gibt’s nur eine Antwort:
„Sie mögen Recht haben! –
Aber dieser Erzdemokrat hier
Ist mein Freund!“

Den möcht‘ ich sehen
Der mir untersagt
Mich mit einem Kommunisten
An einen runden Tisch zu setzen!
Den möcht‘ ich sehen –
Wie er auf mich zufedert
Mir die rechte Hand auf die linke Schulter legt
Sich dann langsam herabbeugt und zu mir sagt:
„Muss das sein?
Ich meine, Sie können doch auch Ihr Bier woanders trinken –
Haben Sie doch gar nicht nötig!
Und außerdem wird sich das sicher rumsprechen!
Nicht dass ich stören wollte –
Ich hab’s nur gut gemeint!“

Darauf gibt’s nur eine Antwort:
Vielen herzlichen Dank! –
Aber dieser Kommunist hier
Ist mein Freund!“

Gott, wieviel Jahre träume ich schon
Den gleichen Traum vom gleichen Stoff
Von Bruder und Schwester, Vater und Sohn
Und einer davon heißt Schretzmeier
Und ein anderer Oberhoff
Und alle reden und trinken, essen und denken
Nach Herzenslust und Gelüsten –
Mit Ausnahme der Faschisten!

Den möcht‘ ich sehen
Der mir untersagt
Dieses Lied öffentlich vorzutragen –
Den möcht‘ ich sehen!

Deshalb sing‘ ich dieses Lied
Und wollte das hier mal sagen!

Profis zu Besuch in der Real Schule Waibstadt. Anna Kaess und Michael Schneider mit Musik und Rezitation zum Thema : Menschenrechte am 18.1.2016

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Montag 18. Januar 2016. Das Jahr fängt gut an: eine weitere Million Flüchtlinge werden im laufenden Jahr auf Asyl in Deutschland warten.
Für viele Politiker ein Grund, die Grenzen dicht zu machen.
Aus der Sicht der beiden Gäste – Michael Schneider, Musiker und seiner Tochter Anna Kaess, Schauspielerin – ist dies der Beginn von Menschenrechtsverletzungen, die der Resolution der Vereinten Nationen vom Dezember 1948 klar entgegenstehen.
Die beiden Profis haben beschlossen in der Realschule Waibstadt in den Klassen neun und zehn sowie einer sechsten Klasse den Mund aufzumachen und mit den Schülern über die Menschenrechte zu sprechen.
Die beiden freuen sich sehr, dass nicht nur die einladende Lehrerin, Sibylle Bachmaier dieser Problematik offen gegenüber steht, sondern auch besonders der Schulleiter Herr Sauer dies in besonderer Weise fördert.
Zitat von Juli Zeh:
“ Mit den Menschenrechten ist es wie mit den zehn Geboten: drei Gebote, drei Artikel der Uni Erklärung bekommen wir vielleicht noch zusammen. Verbot der Sklaverei. Verbot von Folter. Recht auf Arbeit. Aber dann, seien wir mal ehrlich, wird es dünn. «.
In der Klasse zehn mussten wir Juli Zeh eindeutig korrigieren: aus dem Stand brachte die Klasse gemeinsam 15 Artikel von insgesamt 30 der UNO Erklärung ohne Hilfe der Gäste zusammen.
Dazu gehörte auch das Stichwort: Diskriminierung.
Um dies der neunten Klasse klar vor Augen zu führen griff sich Michael Schneider eine Schülerin heraus und behauptete, dass der Schüler Gemeinschaft ihre Haare nicht gefallen und wir sie deswegen nicht mögen. Sehr betroffenes Gesicht der Schülerin. Sofort nahm Michael Schneider die Schülerin bei der Hand, entschuldigte sich und fragte sie: wie hast du dich bei dieser Behauptung gefühlt?
Die Antwort erübrigt sich hier. Jeder weiß wie sich Diskriminierung, wie sich Mobbing oder Ablehnung anfühlt. Aber diese Schülerin bleibt im Klassenverband, diese Schülerin hat die Entschuldigung von Michael Schneider gehört, sie darf auch in Waibstadt und bei ihren Eltern bleiben.
So spontan diese Vorführung war, so betroffen machte sie doch die ganze Klasse.
Wie fühlt man sich, wenn das eigene Haus, wenn die Heimat zerstört ist?
Und wie fühlt man sich erst, wenn man dann in ein anderes Land kommt und dort noch weitere Ablehnung erfahren muss?
Der Heidelberger Philosoph Hans Georg Gadamer hat zu dieser Problematik eine gute Kant’sche Formulierung gefunden: „Toleranz ist die Fähigkeit aus der Sicht des anderen zu denken.“
Anna Kaess, quasi gerade eben erst der Schule “ entronnen “ schon Mutter eines zweijährigen Sohnes, angehende Schauspielerin, sie konnte mit ihren 23 Jahren den Klassen anspruchsvolle Texte von Juli Zeh, sowie die Erklärung der Menschenrechte quasi als gleichaltrige überzeugend darlegen. Restlos für sie eingenommen haben aber noch ihre Lieder, die sie zu diesem Thema, sich selbst auf der Gitarre begleitend gesungen hat.

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Profis zu Besuch an der Realschule Waibstadt am 23.11.2015 – Michael Schneider liest mit seiner Tochter Anna Kaess “ Die Erklärung der Menschenrechte „.

Im Rahmen der Reihe: Profis zu Besuch bietet der Solo Kontrabassist
Michael Schneider vom Philharmonischen Orchester Heidelberg
im
Rahmen des Schulunterrichts an der Real Schule Waibstadt am
23.11.2015 eine Konzert Lesung an zu dem sehr aktuellen Thema:
“ die Erklärung der Menschenrechte „.

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Photo : Peter Bösselmann

Eine Lesung, die mit Musik von Michael Schneider auf dem Violoncello und
dem Kontrabass
begleitet wird. Gemeinsam mit seiner Tochter, der
Schauspielerin Anna Kaess, werden Texte von Adalbert Stifter, Juli Zeh und
die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 gelesen.
Diese Erklärung der UNO firmiert in unserem allgemeinen Gedächtnis als
sehr bekannt.
Wie die zehn Gebote: jeder kennt sie. Aber weiter reicht unsere Kenntnis
selten. Noch rarer wird unsere Erkenntnis bei den Menschenrechten. Dass es
sich dabei um 30 Artikel in der UNO Erklärung handelt, das dürfte den
wenigsten vertraut sein.
Wir, meine Tochter und ich, wir werden die Welt durch diese Lesung nicht
verändern können. Wir hoffen jedoch, dass es uns gelingt die Erinnerung an
Werte wach zu halten, die nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges von
den Vereinten Nationen als vorrangig und visionär betrachtet wurden.
Selbstverständlich können wir keine Kriege verhindern oder beenden, aber
wir können die Erinnerung und die Hoffnung an Visionen der gesamten
Menschheit wach rufen und vielleicht wach halten.
Die Schriftstellerin Juli Zeh bemerkt zu der Erklärung der
Menschenrechte:
“ Die Menschenrechte sind ein ganz besonderer Text, sie sind eine
Botschaft, die die Menschheit an sich selbst geschrieben hat und
möglicherweise die einzige Botschaft der Welt, bei der es nichts
ausmacht, wenn niemand ihren Inhalt kennt

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Anna Kaess